Krebsforschung in Heidelberg:Blutkrebs: Was ein neuer Therapieansatz verspricht
von Phylicia Whitney
In Heidelberg wird an einer neuen Zelltherapie gegen Blutkrebs gearbeitet. Sie soll Immunzellen direkt im Körper gegen Krebs programmieren und könnte Behandlungen wirksamer machen.
Immuntherapie statt Chemo? In Heidelberg arbeitet ein Team an einer neuen Therapie gegen Blutkrebs: Die Abwehrzellen werden direkt im Körper per DNA-Veränderung programmiert, statt im Labor.
04.02.2026 | 2:43 minJedes Jahr erkranken in Deutschland mehr als 38.000 Menschen an Blutkrebs. Für viele von ihnen ist die Krankheit bis heute nicht heilbar. Zwar gibt es moderne Immuntherapien, die den Krebs zurückdrängen können.
Doch sie sind aufwendig, teuer und wirken bei manchen Patienten nur begrenzte Zeit. Ein Forschungsteam aus Heidelberg arbeitet nun an einem Verfahren, das genau hier ansetzt.
Abwehrzellen sollen Krebszellen gezielt erkennen
Im Mittelpunkt steht eine neue Form der Immun- und Gentherapie. Ziel ist es, körpereigene Abwehrzellen so zu verändern, dass sie Krebszellen gezielt erkennen und länger bekämpfen können. Und zwar, ohne die Immunzellen zuvor aus dem Körper zu entnehmen.
Gentechnisch veränderte Immunzellen sollen Blutkrebszellen besser erkennen und gezielter angreifen. Strahlung ist nicht nötig. Medizinjournalist Dr. Christoph Specht ordnet die neue Therapie ein.
04.02.2026 | 6:02 min"Wir versuchen, genetisch veränderte Therapiezellen direkt im Körper des Patienten zu generieren", erklärt Dr. Mirco Friedrich, Gruppenleiter am Deutschen Krebsforschungszentrum und Hämatologe am Universitätsklinikum Heidelberg.
Die Zellen bekommen ein Erkennungsmerkmal für den Krebs und werden gleichzeitig so umprogrammiert, dass sie länger im Körper überleben.
Dr. Mirco Friedrich, Hämatologe Universitätsklinikum Heidelberg
Wie die neue Therapie funktioniert
Technisch basiert der Ansatz auf sogenannten Lipid-Nanopartikeln. Das sind winzige Fettkügelchen, in denen eine mRNA-Bauanleitung sowie die Genschere CRISPR-Cas9 stecken. Nach der Injektion gelangen die Partikel über das Blut zu den Immunzellen, wo sie direkt wirken.
Zum Weltkrebstag hat die WHO eine neue Studie vorgestellt, laut der fast 40 Prozent der Krebsfälle vermeidbar sind.
04.02.2026 | 1:33 minDie mRNA liefert den Immunzellen die Information, wie sie Krebszellen erkennen können. Die Genschere entfernt zusätzlich ein Oberflächenmerkmal, durch das die Therapiezellen sonst vom eigenen Immunsystem früh erkannt und abgebaut würden. So bleiben sie länger aktiv und können den Krebs über einen längeren Zeitraum kontrollieren.
Unterschied zur CAR-T-Zelltherapie
Bereits heute wird bei bestimmten Blutkrebserkrankungen die sogenannte CAR-T-Zelltherapie eingesetzt. Dafür werden Immunzellen entnommen, im Labor gentechnisch verändert und dem Patienten später wieder zurückgegeben.
Blutkrebspatienten brauchen oft eine Stammzelltransplantation - wenn ein passender Spender gefunden wird. Guido Karbautzki hatte dieses Glück: Sein eigenes Kind konnte als Spender helfen.
28.05.2025 | 5:07 minDas Verfahren ist komplex, dauert oft mehrere Wochen und kostet rund 400.000 Euro pro Patient. Die neue Zelltherapie soll wesentlich günstiger sein, weil sie für alle Blutkrebs-Patienten mit einem einzigen Wirkstoff sofort verfügbar sein soll.
"Aktuelle Zelltherapien sind extrem teuer, brauchen lange in der Herstellung und funktionieren nicht bei allen dauerhaft", sagt Mirco Friedrich. Sein Ansatz soll diesen Prozess deutlich vereinfachen. Perspektivisch könnten solche Therapien standardisiert, schneller verfügbar und bei Bedarf auch erneut verabreicht werden.
Projekt wird mit Millionen gefördert
Noch befindet sich die neue Immuntherapie in einer sogenannten Phase-1-Studie, bei der vor allem die Sicherheit geprüft wird. Die ersten Patienten sollen voraussichtlich Anfang nächsten Jahres behandelt werden.
Die CAR-T-Zelltherapie wird auch bei Rheumaerkrankungen eingesetzt. Doch wie funktioniert diese Therapie und was sind die Vorteile?
13.10.2025 | 5:05 min"Wenn wir über Krebs sprechen, sprechen wir immer über Zeit. Zeit ist Therapie", sagt Friedrich.
Und aktuell verlieren wir in Deutschland oft wertvolle Zeit durch Bürokratie und lange Genehmigungswege.
Dr. Mirco Friedrich, Krebsforscher
Gefördert wird das Projekt mit sechs Millionen Euro aus dem Netzwerk der Nationalen Zentren für Tumorerkrankungen. Sollte der Ansatz erfolgreich sein, könnte er in den kommenden fünf Jahren eine neue standardisierte Option für viele Blutkrebspatienten werden. Günstiger, schneller und mit dem Ziel, dem Krebs vor allem eines abzuringen: Zeit.
Phylicia Whitney berichtet aus dem ZDF-Landesstudio in Baden-Württemberg.
"Wir können heute 84 Prozent unserer jungen Patienten anhaltend heilen", so Kinderonkologin Prof. Hedwig Deubzer, zum Weltkrebstag. Dennoch gehöre Krebs noch immer zu den häufigsten Todesursachen.
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