Brustkrebs beim Mann: Tumor in der Brust erkennen und behandeln

Mammakarzinom beim Mann:Warum auch Männer an Brustkrebs erkranken

von Olaf Schwabe

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Brustkrebs beim Mann ist selten, aber umso gefährlicher. Oft wird ein Tumor erst im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. Dadurch geht wertvolle Zeit bis zur Therapie verloren.

Älterer Mann und Frau bei einem Arzt im Patientenzimmer

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Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Jährlich erkranken in Deutschland rund 77.000 neu daran. Kaum bekannt ist, dass auch Männer von Brustkrebs betroffen sind, wenn auch mit etwa 770 Neuerkrankungen pro Jahr deutlich seltener.

Aufgrund der geringen Fallzahlen gibt es kaum Forschung und Studien zu Brustkrebs bei Männern. Daher existiert für sie auch keine speziell ausgerichtete Therapie. Die Behandlung richtet sich nach den ärztlichen Leitlinien für Brustkrebs bei Frauen.

Ein Mann mit Gynäkomastie

Eine vergrößerte Brustdrüse, Gynäkomastie, führt bei betroffenen Männern meist zu einem enormen Leidensdruck. Oft sind hormonelle Veränderungen dafür verantwortlich.

05.12.2025 | 4:43 min

Männer tasten Brustkrebs oft selbst

Auffälligkeiten oder tastbare Veränderungen in der Brust sollten von betroffenen Männern unbedingt ernst genommen werden, sagt Steffen Kahlert vom Brustzentrum am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Männer, die über mehrere Tage eine einseitige Veränderung der Brust spüren, sollten diese sicherheitshalber von einem Arzt anschauen lassen.

Dr. Steffen Kahlert, Gynäkologe

Denn früh diagnostiziert, ließe sich Brustkrebs in 85 bis 90 Prozent aller Fälle erfolgreich behandeln, so Kahlert. Betroffene Männer werden wie Frauen von Gynäkologen behandelt. Die Therapie sollte in zertifizierten Brustkrebszentren erfolgen.

Das Risiko an Brustkrebs zu erkranken, steigt bei Männern, ähnlich wie bei Frauen, mit zunehmendem Alter. Auch der Lebensstil kann das Risiko für Brustkrebs ehöhen. Vor allem Übergewicht, mangelnde Bewegung, Rauchen und Alkoholkonsum spielen hier eine Rolle.

Häufig begünstigen hormonelle Veränderungen die Entstehung von Brustkrebs bei Männern. Dazu gehört insbesondere ein erhöhter Östrogenspiegel, aber auch niedrige Testosteronwerte infolge von Erkrankungen wie Hodenhochstand, Hoden- oder Nebenhodenentzündungen sowie nach Hodenentfernung. Ob auch Männer mit einer Vergrößerung der Brustdrüse (Gynäkomastie) ein erhöhtes Brustkrebsrisiko haben, ist bislang nicht geklärt.

Bis zu 20 Prozent der Männer mit Brustkrebs haben eine familiäre Vorbelastung und bis zu zehn Prozent eine genetische Disposition. Besonders häufig sind bei erkrankten Männern Veränderungen des Brustkrebsgens BRCA2 nachweisbar. Aber auch Veränderungen der Brustkrebsgens BRCA1 kommen vor.


Mastopathie

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Symptome, die auf Brustkrebs hinweisen

Typische Zeichen für eine Brustkrebserkrankung sind tastbare schmerzlose Knoten oder Entzündungen in der Brust. Zudem können tastbare und vergrößerte Lymphknoten in der Achselhöhle ein Hinweis sein. Möglich sind auch Veränderungen der Brustwarze wie eine Verhärtung, ein Zusammenziehen oder der Austritt von Sekret.

Zum Zeitpunkt der Diagnose haben 20 Prozent aller Männer bereits ein fortgeschrittenes Stadium erreicht.

Dr. Steffen Kahlert, Brustzentrum, Klinikum der LMU

Da die männliche Brust viel kleiner ist als bei Frauen, können sich Tumorzellen schneller in umliegendes Gewebe wie den Brustmuskel ausbreiten, erklärt Kahlert.

Auffälligkeiten in Bild von Brustgewebe

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Bei Verhärtungen in der Brust und/oder tastbaren Lymphknoten kann eine Ultraschalluntersuchung weiteren Aufschluss geben. Sind die Befunde auffällig, wird - ebenso wie bei Frauen - eine Mammografie, eine Röntgenuntersuchung der Brust, durchgeführt.

Die gesicherte Diagnose kann nur durch eine Biopsie erfolgen. Dabei werden Gewebeproben aus der Brust entnommen und auf Tumorzellen untersucht. Die Gewebeanalyse gibt Auskunft darüber, wie aggressiv der Tumor ist.

Besteht der Verdacht, dass sich Metastasen (Tochtergeschwulste) gebildet haben, erfolgen weitere bildgebende Untersuchungen, insbesondere von Lunge, Leber und Knochen.


Tumoreigenschaften bestimmen Krebswachstum

Brustkrebstumore werden nach ihrem Stadium, das bedeutet nach Größe, Lymphkontenbefall und Ausbreitung im Körper, sowie nach ihrer Aggressivität klassifiziert. Zudem lassen sie sich nach ihren biologischen Eigenschaften unterscheiden.

Die meisten Tumore bei Männern sind hormonabhängig, das heißt sie reagieren auf Hormone wie Östrogen und Progesteron mit Wachstum. Mediziner sprechen auch von Hormonsensitivität.

Die Tumoreigenschaften sind ein wichtiger Anhaltspunkt für die Auswahl weiterer Therapien.

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Wie Brustkrebs bei Männern behandelt wird

Die Therapie umfasst die chirurgische Entfernung des Tumors und gegebenenfalls eine adjuvante, also unterstützende Chemotherapie und/oder Strahlentherapie.

Bei der Operation wird in den meisten Fällen immer die gesamte Brustdrüse abgenommen, um sicherzustellen, dass möglichst alle Tumorzellen entfernt werden. Ist der Tumor im Verhältnis zur Brust sehr klein, kann unter Umständen brusterhaltend operiert werden.

Zudem werden die Wächterlymphknoten aus der Achsel entnommen und auf Krebszellen untersucht. Sind sie nicht befallen, hat sich der Krebs noch nicht ausgebreitet.

Antihormon- und Antikörpertherapie

Bei der Mehrzahl der männlichen Brusttumore wird eine Antihormonbehandlung mit dem Wirkstoff Tamoxifen empfohlen, da diese hormonabhängig sind. Sie dauert in der Regel fünf Jahre und soll die Neubildung von Tumoren verhindern und die Gesamtüberlebenszeit verlängern.

Eine Antikörpertherapie eignet sich, wenn die Krebszellen auf ihrer Oberfläche einen Rezeptor für Wachstumsprozesse (HER2-Rezeptor) tragen. Der Wirkstoff Trastuzumab blockiert diese Rezeptoren, wodurch das Tumorwachstum gestoppt werden kann.

Eine weitere Möglichkeit ist der Einsatz neuer zielgerichteter Krebsmedikamente. Dazu gehören die sogenannten CDK4-6-Inhibitoren. Sie hemmen Enzyme, die für das Wachstum der Tumorzellen verantwortlich sind.

Die Therapie mit CDK4-6-Inhibitoren wird bei positivem Lymphknotenbefall routinemäßig empfohlen.

Dr. Steffen Kahlert, Gynäkologe

Männer haben ein höheres Risko als Frauen, auch in der anderen Brust Krebs zu entwickeln. Sie sollten daher im Rahmen einer regelmäßigen Nachsorge jährlich bildgebend untersucht werden.

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