Meniskusriss: Wann ein Eingriff am Knie wirklich notwendig ist

Unnötige Eingriffe bei Schmerzen im Knie:Meniskus: Warum nicht jeder Schaden operiert werden muss

von Annette Kanis

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Ein Riss am Meniskus gehört zu den häufigsten Knieverletzungen. Oft folgt schnell der Griff zum Skalpell. Doch wann ist eine OP sinnvoll? Wann reichen konservative Maßnahmen aus?

Patient trainiert in einem Behandlungsraum.

Stechende Schmerzen im Knie? Viele Betroffene stellen sich dann die Frage, ob der Meniskus operiert werden muss. Was für und was gegen einen Eingriff spricht.

11.03.2026 | 5:09 min

In Deutschland wird zu viel und zu schnell am Knie operiert - zu diesem Schluss kommen Fachleute seit Jahren. Zu den häufigsten arthroskopischen Eingriffen gehören Schäden am Meniskus. Nicht immer sind sie erforderlich. Vor allem bei verschleißbedingten Meniskusrissen wird ihr Nutzen infrage gestellt.

Der Meniskus liegt im Kniegelenk zwischen Ober- und Unterschenkelknochen. Jedes Knie hat einen Innen- und einen Außenmeniskus. Das halbmondförmige Knorpelgewebe wirkt wie ein Stoßdämpfer. Es verteilt den Druck und federt Belastungen im Gelenk ab, die bei Bewegung entstehen. Bei Sportarten wie Joggen, Tennis und Fußball sind die Belastungen besonders groß.

Röntgenbild vom Knie

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Verschiedene Ursachen für Meniskusriss

Mit zunehmendem Alter verschleißt der Meniskus. Ein natürlicher Vorgang, der bei vielen Menschen ab Mitte 40 erste Beschwerden verursachen kann, erklärt Alexei von Korff, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie.

Das Gewebe wird im Laufe des Lebens ständig beansprucht. Es verliert an Spannkraft und wird spröder.

Dr. Alexei von Korff, Orthopäde

Zunächst entstehen kleine Risse, die zu einem größeren Riss führen können, so von Korff weiter. Dieser degenerative Meniskusriss unterscheidet sich vom akuten, verletzungsbedingten Riss, der meist durch eine abrupte Verdrehung des Kniegelenks beim Sport entsteht.

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Was tun, wenn der Meniskus reißt?

Der abgerissene Teil des Meniskus führt zu starken Schmerzen, Schwellungen und Blockaden im Kniegelenk. In den meisten Fällen ist eine Operation notwendig. Anders ist das bei verschleißbedingten Schäden des Meniskus.

Hier sollte eine Operation erst erfolgen, wenn die konservative Therapie nicht zum Erfolg geführt hat.

Dr. Alexei von Korff, Orthopäde und Unfallchirurg

Das heißt: Bleiben Schmerzen und Funktionseinschränkungen trotz gezielter Behandlung bestehen, sollte eine Operation in Betracht gezogen werden.

Wie ein Meniskusriss operiert wird

Ein Meniskusschaden wird minimalinvasiv mittels Kniegelenksspiegelung, der Arthroskopie, operiert. Je nach Art des Risses gibt es zwei Verfahren: Bei einer Meniskusnaht wird der gerissene Teil des Meniskus zusammengenäht. Bei einer Teilresektion werden die beschädigten Anteile des Meniskus entfernt und die Ränder geglättet.

Bei jedem Eingriff wird versucht, so viel Gewebe wie möglich zu erhalten. Die Heilung variiert je nach Verfahren. Bei der Meniskusnaht kann es bis zu drei Monate dauern, bis das Knie wieder belastet werden kann. Bei der Meniskusglättung erfolgt die Vollbelastung deutlich schneller. Auch Sport ist nach wenigen Wochen wieder möglich.

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Zwar gilt die OP als risikoarm, dennoch gibt es Risiken wie Infektionen, Thrombosen und die Gefahr einer vorzeitigen Arthrose. Die Studienlage zeigt: Bei verschleißbedingten Schäden bietet ein operativer Eingriff häufig keinen Vorteil gegenüber der konservativen Therapie.

Die norwegische OMEX-Studie untersuchte bei 140 Teilnehmern mit degenerativen Meniskusrissen den langfristigen Nutzen einer Operation gegenüber einer strukturierten Physiotherapie. Die eine Hälfte wurde operiert, die andere führte ein zwölfwöchiges gezieltes Bewegungstraining durch. Das Ergebnis: Bei degenerativen Meniskusschäden war eine gezielte Physiotherapie langfristig ähnlich erfolgreich wie ein arthroskopischer Eingriff.

Ähnlich waren die Ergebnisse in Bezug auf Schmerzlinderung und Kniefunktion, die sich in beiden Gruppen gleichermaßen verbesserten. Nach zehn Jahren gab es keine Unterschiede in der Zunahme von Kniearthrose. 20 Prozent der Teilnehmer aus der Trainingsgruppe mussten anschließend doch noch operiert werden, weil Beschwerden wieder auftraten.


Meniskusschäden ohne Operation behandeln

Bei einem degenerativen Meniskusriss setzen Experten vorrangig auf den Erhalt des Gewebes und eine gezielte Physiotherapie. Zu den weiteren konservativen Maßnahmen gehören Verfahren zur Regeneration wie Eigenbluttherapie, Akupunktur und Magnetfeldtherapie. Es handelt sich hierbei um individuelle Gesundheitsleistungen (IGel), da deren Wirksamkeit in Studien bislang nicht ausreichend belegt werden konnten.

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Physiotherapie statt Skalpell

Da der Meniskus seine dämpfende und stabilisierende Wirkung bei einem Schaden zumindest teilweise verliert, ist eine gut trainierte Muskulatur wichtige Voraussetzung für ein gut funktionierendes Kniegelenk. Physiotherapeutische Übungen zur Kräftigung und Stabilisierung sollten konsequent durchgeführt werden.

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Bei starken Schmerzen sollten Betroffene nicht trainieren und Rücksprache mit dem Arzt oder Physiotherapeuten halten. Um eine Linderung der Beschwerden durch Muskelaufbau zu erreichen, braucht es Geduld.

Idealerweise sollte man die Übungen jeden Tag durchführen.

Dr. Alexei von Korff, Orthopäde

Bis das Knie durch eine stabilisierende Muskulatur ausreichend entlastet wird, kann es drei bis sechs Monate dauern. Für die Stabilität ist die gesamte Beinmuskulatur entscheidend.

Beschwerden lassen sich mit Muskeltraining und angepassten Verhaltensweisen verringern. Dazu zählen zum Beispiel:

Einbeinige Kniebeugen, die die Oberschenkel- und Gesäßmuskulatur trainieren. Die hintere Oberschenkelmuskulatur (Hamstrings) lässt sich stärken, indem man auf dem Bauch liegt und eine Ferse Richtung Gesäß zieht. Balanceübungen auf einer instabilen Unterlage fördern die gesamte tiefe Beinmuskulatur.

Schwimmen, Radfahren und zügiges Gehen wirken sich positiv auf die Gelenke aus. Sie gelten als gelenkschonend.

Gut gedämpfte Schuhe federn Stöße und Belastung ab. Das ist besonders beim Joggen wichtig.

Sportarten mit abrupten Richtungswechseln wie Fußball oder Tennis sollten bei akuten Beschwerden gemieden werden.

Übergewicht gilt als Hauptursache für Gelenkverschleiß und sollte reduziert werden.


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