Hyperakusis: Geräuschüberempfindlichkeit erkennen und behandeln

Alltagsgeräusche als tägliche Belastung:Hyperakusis: Wenn Hören zur Qual wird

von Silke Potthoff

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Hyperakusis ist mehr als eine Lärmempfindlichkeit. Schon alltägliche Geräusche werden als schmerzhaft empfunden, Stress und Rückzug sind die Folge. Was Betroffenen helfen kann.

Ein Mann lässt sich bei einer Ärztin beraten.

Eine krankhafte Überempfindlichkeit gegenüber Alltagsgeräuschen kann für Betroffene massive Folgen haben. Warum frühe Hilfe wichtig ist.

02.03.2026 | 5:21 min

Nach Schätzungen der Deutschen Tinnitus-Liga e. V. sind bis zu zehn Prozent der Bevölkerung zumindest zeitweise von Hyperakusis, einer starken Geräuschüberempfindlichkeit, betroffen. Sie entwickelt sich häufig schleichend, kann aber auch plötzlich auftreten.

Das Tückische: Die Erkrankung bleibt oft unerkannt, weil viele Menschen sie schlicht nicht kennen. Dabei hat die Erkrankung gravierende Folgen für die Betroffenen, weiß Birgit Mazurek, Direktorin des Tinnituszentrums der Charité - Universitätsmedizin Berlin.

Für viele Patienten bedeutet die Hyperakusis eine massive Einschränkung ihrer Lebensqualität.

Birgit Mazurek, Hals-Nasen-Ohren-Ärztin

Nicht selten führt die Geräuschüberempfindlichkeit zu Einschränkungen in der Berufsausübung und sozialer Vereinsamung, da sich Betroffene normalen Alltagsgeräuschen nicht mehr aussetzen können.

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Mann hält sich die Ohren zu.

Symptome der Hyperakusis

Schon das Zuschlagen einer Tür, klirrendes Geschirr oder einfacher Straßenlärm werden als unerträglich laut und sogar schmerzhaft empfunden. Das Gehör ist meist intakt. Allerdings ist die Reizverarbeitung im Gehirn verändert.

Typische Begleitsymptome sind Ohrenschmerzen, ein Druckgefühl im Kopf, innere Anspannung, Herzklopfen und Schweißausbrüche. Viele Betroffene entwickeln Ängste, etwa vor bestimmten Situationen. Die Folge: Supermärkte, öffentliche Verkehrsmittel oder Familienfeiern werden gemieden.

Das Gehirn verfügt über Mechanismen, die normalerweise irrelevante Neben- oder Hintergrundgeräusche ausblenden. Bei Hyperakusis versagt dieser Filter im Zwischenhirn, wodurch alle Geräusche ungefiltert und verstärkt in das Bewusstsein dringen.

Hat das Gehirn einmal gelernt, bestimmte Geräusche als schmerzhaft oder hochgradig unangenehm einzuordnen, wird diese Bewertung gefestigt. Selbst wenn die Lautstärke objektiv gering oder normal ist, warnt das Gehirn den Körper vor der vermeintlichen Gefahr.

Wird Lärm in der Folge dauerhaft vermieden oder ständig ein Gehörschutz getragen, kann sich die Empfindlichkeit weiter verstärken. Das Gehirn "verlernt", normale Geräusche als normal wahrzunehmen.


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Wie eine Hyperakusis festgestellt wird

Zur Diagnose wird unter anderem die individuelle Unbehaglichkeitsschwelle gemessen. Sie liegt normalerweise bei ungefähr 90 bis 110 Dezibel. In diesem Bereich werden Töne bei einem Hörtest als unangenehm laut empfunden.

Bei einer Hyperakusis liegt die Schwelle oft schon bei 60 Dezibel. Wer glaubt betroffen zu sein, sollte nicht zögern, zum Facharzt zu gehen, empfiehlt Mazurek.

Wer auf Geräusche überempfindlich reagiert, sollte die Unbehaglichkeitsschwelle messen lassen.

Prof. Dr. Birgit Mazurek, Tinnitus-Expertin

Eine gründliche Untersuchung beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt ist wichtig, um organische Erkrankungen als Ursache auszuschließen.

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Behandlung der Hyperakusis

Grundsätzlich ist eine Hyperakusis gut behandelbar. Es braucht aber viel Geduld, denn die Behandlung kann langwierig sein. Eine wirksame Therapie besteht meist aus mehreren Bausteinen. Neben der sorgfältigen Aufklärung zu den Ursachen hat sich eine schrittweise Geräuschtherapie bewährt. Diese zielt darauf ab, das Gehör durch kontrollierte Beschallung zu desensibilisieren und an Alltagsgeräusche zu gewöhnen.

Ergänzend kann eine kognitive Verhaltenstherapie helfen, Angstreaktionen abzubauen. Auch der Abbau von Stress ist ein zentraler Aspekt in der Behandlung, da Stress die Geräuschempfindlichkeit verstärkt.

Ein bewusster, aber nicht übermäßiger Umgang mit Gehörschutz wie Ohrstöpseln ist wichtig, da das Abschirmen von Geräuschen dem Gehirn nicht dabei hilft, die Filterfunktion zu verbessern. Absolute Stille sollte vermieden werden.

Entspannungsverfahren wie Atemübungen oder progressive Muskelentspannung helfen, Stress zu reduzieren. Ein aufgeklärtes, verständnis- und rücksichtsvolles Umfeld kann Betroffene unterstützen, ohne die Vermeidungshaltung zu verstärken.


Wie Hyperakusis, Hörsturz und Tinnitus zusammenhängen

Tinnitus (Ohrgeräusche) und Hyperakusis treten häufig gemeinsam auf, da die Geräuschüberempfindlichkeit eine häufige Begleiterscheinung bei Tinnitus ist. Auch ein Hörsturz kann Auslöser für eine Hyperakusis sein. Dabei handelt es sich um einen plötzlich auftretenden, einseitigen Verlust des Hörvermögens. Bei vielen normalisiert sich in diesem Fall das Gehör nach einiger Zeit wieder von selbst.

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Folgen der Hyperakusis

Wird eine Hyperakusis nicht behandelt, kann sich ein Teufelskreis aus Angst, Vermeidung und zunehmender Schmerzempfindlichkeit entwickeln. Den Patienten müssen diese Mechanismen deutlich gemacht werden, erklärt Psychotherapeutin Maren Fresemann von der Berliner Charité.

Bei der Hyperakusis geht es auch darum, diesen Teufelskreis zu verstehen und zu durchbrechen.

Maren Fresemann, Psychotherapeutin

Die Belastung kann sich zunehmend negativ auf Psyche und Körper auswirken. Schlafstörungen, depressive Verstimmungen und soziale Isolation können die Folge sein. Mit rechtzeitiger fachlicher Unterstützung, etwa in Tinnitus-Zentren, bestehen jedoch gute Chancen, die Geräuschüberempfindlichkeit deutlich zu lindern und die Lebensqualität nachhaltig zu verbessern.

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Quelle: dpa

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Über dieses Thema berichtete das ZDF in der Sendung "Volle Kanne" am 02.03.2026, ab 09:05 Uhr.

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