Schizophrenie: Symptome und Therapie der psychischen Erkrankung

Leben mit einer psychischen Krankheit:Schizophrenie: Wenn der Kontakt zur Realität verloren geht

von Janina Janka

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Schizophrenie ist immer noch stigmatisiert. Betroffene werden als unberechenbar dargestellt, doch solche Fälle sind selten. Was sich hinter der psychischen Erkrankung verbirgt.

Eine Frau mit Regenschirm in Gedanken.

Als Andrea Degel an Schizophrenie erkrankt, wusste sie nicht, was mit ihr passiert. Plötzlich spielte ihr Kopf verrückt. Mittlerweile hat sie gelernt, mit ihrer Krankheit zu leben.

19.02.2026 | 5:05 min

Schizophrenie ist eine schwere psychische Erkrankung. Das Wort stammt aus dem Griechischen und bedeutet übersetzt "gespaltener Geist". Fälschlicherweise wird oft angenommen, schizophrene Menschen hätten eine gespaltene Persönlichkeit.

Betroffene leiden vielmehr an einer Spaltung ihrer psychischen Leistung: Einige Fähigkeiten wie das Gedächtnis bleiben erhalten, andere sind teils schwer beeinträchtigt. Die Folge sind Veränderungen im Denken und in der Wahrnehmung.

Mann mit geschlossenen Augen versteckt sein Gesicht in einem Pullover.

Psychische Leiden wie Autismus, Schizophrenie oder eine bipolare Störung können nützlich sein. Die Evolutionsgeschichte zeigt: Neurodiversität ist ein Erfolgsmodell.

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Am häufigsten ist die paranoide Schizophrenie, die durch Wahnvorstellungen und Halluzinationen gekennzeichnet ist.

Die hebephrene Schizophrenie ist ein Subtyp und tritt typischerweise bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf. Sie äußert sich durch starken Abbau von Denken, Sprache und Emotionen, oft verknüpft mit unangemessenem Verhalten.

Auch die katatone Schizophrenie ist eine Unterform der Schizophrenie. Sie tritt seltener auf und äußert sich durch Bewegungslosigkeit oder übermäßige Erregung. Zudem kann sie mit klassischen Symptomen einer Schizophrenie wie Halluzinationen und Wahnvorstellungen einhergehen.

Eine weitere, seltene Form ist die Schizophrenia simplex, bei der emotionale Verflachung, Passivität und sozialer Rückzug im Vordergrund stehen. Wahn und Halluzinationen treten hier weniger ausgeprägt auf.

Die Unterscheidung in Untertypen wird zunehmend aufgelöst. Schizophrenie wird heute eher als ein Spektrum betrachtet, da die Übergänge zwischen den Erscheinungsformen fließend sein können.


Schizophrenie: Erste Symptome als Frühwarnzeichen

Frühe Anzeichen sind oft unspezifisch. Dazu gehören innere Unruhe und ein über Wochen anhaltender Schlafmangel. Damit einher geht ein deutlicher Leistungsabfall im Alltag, erklärt Maximilian Huhn, stellvertretender Chefarzt der Klinik für Psychiatrie am Bezirkskrankenhaus Bayreuth. "Wenn Betroffene sagen: 'Ich schlafe schlecht' oder 'Jemand beobachtet mich', dann sollte man zum Arzt gehen“, so der Psychiater.

In der Akutphase treten Halluzinationen auf. Betroffene hören zum Beispiel Stimmen, die etwas befehlen oder kommentieren. Hinzu kommen Wahnvorstellungen wie Größen- oder Verfolgungswahn. Erkrankte sind zum Beispiel davon überzeugt, dass der Fernsehmoderator von ihnen spricht.

Denken und Sprache sind oft zerfahren und unlogisch, die Motorik unruhig oder erstarrt. Der erste Schub findet bei Männern meist zwischen dem 15. und 20., bei Frauen ab dem 25. Lebensjahr statt.

Frau im Dunkeln

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Ursachen der Schizophrenie

Wie bei vielen psychischen Erkrankungen, gibt es auch bei der Schizophrenie nicht die "eine" Ursache. Es handelt sich vielmehr um ein multifaktorielles Geschehen. Dabei spielt die Veranlagung eine Rolle. Das Risiko für die Erkrankung steigt, wenn Familienmitglieder betroffen sind.

Hinzu kommen biochemische Faktoren wie ein Ungleichgewicht von Dopamin und Glutamat im Gehirn. Auch Veränderungen im Gehirn können auftreten, etwa Funktionsstörungen im limbischen System. Auslöser können Stress, Traumata und Drogenkonsum, insbesondere von Cannabis, sein.

Dr. Leon Windscheid schaut ernst in die Kamera. Eine Grafik neben ihm zeigt ein auf dem Boden sitzendes Kind, wie es traurig den Kopf auf die eigenen Knie legt und ein Elternpaar dahinter, welches die Hände über den Kopf zusammenschlägt.

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Wie Schizophrenie behandelt wird

Eine Schizophrenie wird medikamentös mit Antipsychotika behandelt. Sie werden zur Akutbehandlung und Rückfallprophylaxe eingesetzt. Die Medikamente müssen täglich und ohne Unterbrechung eingenommen werden. Bei Absetzen steigt die Rückfallquote auf etwa 80 Prozent.

In Deutschland stehen derzeit 30 verschiedene Präparate zur Verfügung, die sich vor allem in ihren Nebenwirkungen unterscheiden, erklärt Huhn.

Es gibt die Möglichkeit, das Medikament als Depot-Spritze zu verabreichen. Patienten erhalten dann alle zwei oder vier Wochen eine Spritze.

PD Dr. Maximilian Huhn, Psychiater

Daneben kommen Psycho- und Soziotherapie zum Einsatz. Betroffene üben, ihre Tagesstruktur zu ordnen und Behandlungen selbständig zu organisieren. Im Rahmen der Psychoedukation lernen sie zudem, ihre Erkrankung besser zu verstehen und Frühwarnzeichen zu erkennen.

Schizophrenie ist gut behandelbar. 25 Prozent erleben nur eine psychotische Episode und genesen vollständig. Weitere 50 Prozent erleben mehrere Episoden, können aber ein weitgehend selbstständiges Leben führen.

Erste Anlaufstelle ist der Hausarzt. Er führt allgemeine, körperliche und neurologische Untersuchungen durch, um organische Ursachen auszuschließen. Bildgebende Verfahren wie Magnetresonanz- oder Computertomografie können Aufschluss geben, ob bestimmte Gehirnareale Veränderungen aufweisen. Mit Einwilligung des Patienten erfolgt zudem ein Drogenscreening.

Erhärtet sich der Verdacht auf eine Schizophrenie, erfolgt die Überweisung an einen Psychiater. Die Diagnose gilt als gesichert, wenn Symptome wie Wahnvorstellungen oder Halluzinationen mindestens einen Monat lang bestehen.


Wie Angehörige unterstützen können

Schizophrenie ist für Angehörige von Erkrankten eine extreme Belastung. Das veränderte Verhalten löst große Ängste aus. Das Familienmitglied sei plötzlich fremd und nicht mehr zu greifen, weiß Susanne Freund, Selbsthilfebeauftragte am Bezirkskrankenhaus Bayreuth.

Beim Auftreten von Symptomen wie einem Wahn ist es für Angehörige wichtig, ruhig zu bleiben und die Panik des Betroffenen nicht anzunehmen.

Susanne Freund, Selbsthilfebeauftragte

Angehörige sollten bei Wahnvorstellungen nicht versuchen, diese mit Logik zu widerlegen. Auch Diskussionen helfen in dieser Situation nicht.

Psycho - Ich und Schizophrenie

Die Doku "Ich und Schizophrenie" zeigt, wie Betroffene mit den Symptomen ihrer psychischen Erkrankung und der Ausgrenzung umgehen und sich ein Leben mit der Krankheit aufbauen.

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Treten Symptome auf, sollte man professionelle Hilfe beim Krisendienst oder in der Klinik suchen. Generell ist es wichtig, Betroffene im Alltag zu unterstützen und auf deren regelmäßige Medikamenteneinnahme zu achten.


Über dieses Thema berichtete das ZDF in der Sendung "Volle Kanne" am 19.02.2026, ab 09:05 Uhr.

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