Wenn die Beziehung toxisch ist:Narzissmus in der Partnerschaft - erkennen und handeln
von Julia Tschakert
Wer in einer narzisstischen Beziehung lebt, erlebt oft einen Albtraum. Manipulation und psychische Gewalt bestimmen den Alltag. Warum eine Trennung meist der einzige Ausweg ist.
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03.02.2026 | 4:40 minEndlich hat man ihn gefunden, den idealen Partner: charmant, selbstbewusst, einer, der einen versteht und liebevoll behandelt. Doch in einer narzisstischen Beziehung ist das nicht von Dauer.
Typisch für eine narzisstische Partnerschaft sei, dass sich beide zu Beginn von ihrer Sonnenseite zeigen und gegenseitig idealisieren, sagt Diplom-Psychologin und Psychotherapeutin Bärbel Wardetzki.
Beide Partner unterliegen dem Irrtum, dass Idealisierung Liebe ist.
Dr. Bärbel Wardetzki, Psychotherapeutin
Da das nicht durchzuhalten sei, bleibe die Enttäuschung nicht aus.
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Narzisstische Beziehungen seien oft von großer Intensität und Anziehung geprägt. Sie können auf Dauer jedoch zerstörerisch werden, erklärt Wardetzki. Denn irgendwann fange der Partner an, den anderen auch für Kleinigkeiten zu kritisieren und ihm für alles die Schuld zu geben, so die Psychotherapeutin.
Schleichend hielten Manipulation und Entwertung des Partners Einzug, bis hin zu seelischer, mitunter körperlicher Gewalt. Ein Teufelskreis beginne, weil neben den Problemen immer auch Phasen der liebevollen Zuwendung folgen.
Es existieren verschiedene Formen von Narzissmus. Nicht immer lassen sie sich klar voneinander abgrenzen:
- Die offene, grandiose Form gilt als die bekannteste Ausprägung von Narzissmus. Die Betroffenen sind dominant, selbstdarstellerisch, arrogant, manipulativ und kaltherzig. Alles soll sich um sie drehen.
- Bei der grandios-malignen Form kommen zerstörerische Züge zum Vorschein, manchmal verbunden mit antisozialem Verhalten bis hin zur Gewalttätigkeit.
- Die vulnerabel-fragile Form wird mitunter als "verdeckter Narzissmus" bezeichnet. Sie ist sehr häufig bei Frauen zu finden und geprägt von einem instabilen Selbstwertgefühl. Vulnerable Narzissten versuchen in puncto Leistung oder Attraktivität perfekt zu sein, um keine Angriffspunkte zu bieten. Zudem versuchen sie so ihre Minderwertigkeitsgefühle zu verbergen. Typisch für diese Form ist das starke Bedürfnis nach Anerkennung. Bleibt diese aus, können grandiose Glücksgefühle schnell in Depressivität umschlagen.
Was eine narzisstische Partnerschaft kennzeichnet
In einer Partnerschaft mit narzisstischen Beziehungsstrukturen findet sich häufig ein sogenannter "grandioser Narzisst", oft der Mann, und eine "Komplementär-Narzisstin", sagt Wardetzki. Das bedeute: Er suche Bewunderung, sie ordne sich ihm unter und passe sich an, bis hin zur Selbstaufgabe.
Das Grundproblem ist bei beiden gleich: Ein geschwächtes Selbstwertgefühl.
Dr. Bärbel Wardetzki, Psychotherapeutin
Zugrunde liege die Hoffnung, der andere könne das eigene Selbstwertgefühl erhöhen. Narzisstischen Menschen sei es wichtig, dass die Dinge nach ihren Regeln und Bewertungen abliefen, so die Diplom-Psychologin.
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Werden die Erwartungen des Partners nicht erfüllt, reagiere er als Folge dieser "narzisstischen Kränkung" häufig mit strafendem bis aggressivem Verhalten, erklärt Wardetzki.
Es geht immer um Macht, nicht um Liebe.
Dr. Bärbel Wardetzki, Diplom-Psychologin
Kontrolle und Vorwürfe seien an der Tagesordnung. Die Beziehung werde dadurch zu einer großen Belastung. Der Partner nehme sich daraufhin häufig total zurück und versuche, alles richtig zu machen, immer in der Angst, wieder einen Wutausbruch zu provozieren.
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Das Leben sei für Betroffene nicht mehr frei, sondern werde durch den Partner bestimmt, sagt Wardetzki.
Ausbrüche des Partners sollte man schon am Anfang ernst nehmen.
Dr. Bärbel Wardetzki, Psychotherapeutin
Nicht selten mache diese Situation die Betroffenen krank. Schuldgefühle und auch Scham belasten sie, weil ein Ausbruch aus der Beziehung nicht gelinge, erklärt Wardetzki. Hinzu kommen häufig Ängste, dass der Partner im Falle einer Trennung komplett "ausraste" und einem etwas antue.
Der Begriff "Narzissmus" hat seinen Ursprung in der griechischen Mythologie. Der schöne Jüngling Narziss weist alle Frauen und Männer, die ihn begehren, ab. Als Strafe soll er selbst die Qualen einer unerwiderten Liebe erleiden und verliebt sich in sein eigenes Spiegelbild. Vor diesem Hintergrund wird der Begriff des Narzissten heute fast inflationär benutzt, um das Phänomen übertriebener Selbstliebe zu beschreiben. In der Psychologie wird Narzissmus als Hang zur Selbstdarstellung oder Autoritätsanspruch beschrieben. Beides muss nicht zwingend krankhaft sein.
Im US-amerikanischen Klassifikationssystem für psychische Störungen (DSM) ist die sogenannte "narzisstische Persönlichkeitsstörung" seit 1980 gelistet. Kennzeichen sind unter anderem Verlangen nach Bewunderung und Mangel an Empathie. In der ICD-Klassifikationsliste der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird Narzissmus als "sonstige spezifische Persönlichkeitsstörung" geführt und fällt damit allgemein unter Persönlichkeitsstörungen.
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Die meisten Betroffenen wissen gar nicht, dass sie in einem narzisstischen Beziehungsgeflecht verhaftet sind. Neben Kindern, finanziellen und/oder emotionalen Abhängigkeiten sei ein wesentlicher Faktor, warum viele bleiben, die Hoffnung, dass doch alles gut wird, erklärt Wardetzki.
Die Erfolgsaussicht einer Paartherapie sei gering, weil Narzissten die Schuld in der Regel nicht bei sich suchten, beziehungsweise keinen Handlungsbedarf sehen.
Eine Entwicklung ist nur durch beidseitige Arbeit oder eine bewusste Trennung möglich.
Dr. Bärbel Wardetzki, Psychotherapeutin
Wer unter der Beziehung leidet, solle sich am besten erst einmal selbst professionelle Hilfe, etwa beim Psychotherapeuten, suchen, um eigene Grenzen abzustecken und geeignete Schritte zu planen. Es gibt auch Selbsthilfegruppen oder allgemeine Anlaufstellen wie Telefonseelsorge und Opferberatungsstellen, an die man sich wenden kann.
Im Falle einer Trennung solle man einen eindeutigen Schnitt machen, empfiehlt Bärbel Wardetzki. Das heißt, möglichst keinen Kontakt mehr haben. Zumindest vorerst.
Julia Tschakert ist Redakteurin der ZDF-Sendung "Volle Kanne - Service täglich".
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