Neue Studie der Techniker Krankenkasse:Warum sich Deutsche zunehmend gestresst fühlen
von Alexander Eschment
Immer mehr Menschen in Deutschland fühlen sich gestresst, so eine aktuelle Studie. Vor allem Jüngere stehen unter Druck. Dabei ist der größte Stressfaktor meistens selbstgemacht.
Laut einer Studie der Techniker Krankenkasse sind zwei Drittel der Deutschen zumindest manchmal gestresst. Stressfaktor Nummer Eins: zu hohe Ansprüche an sich selbst.
26.11.2025 | 1:33 minEva-Maria Scheid weiß aus eigener Erfahrung, wie hoch der Stress im Beruf sein kann, vor allem der, den man sich selbst macht. Als Führungskraft im IT-Bereich hat sie viele Höhen und Tiefen miterlebt. Heute teilt sie ihre Erfahrungen, berät als Coach Fach- und Führungskräfte. Diese seien oft bereit viel zu leisten - fühlen sich dadurch aber auch gestresst. "Es sind Erwartungen an sich selbst, es sind Erwartungen, die andere an sie bringen, weil man vielleicht nur dann anerkannt wird", sagt Scheid.
Wir sind soziale Wesen und brauchen die Anerkennung. Wenn ich es gewohnt bin, dass ich die Anerkennung nur durch extreme Leistung bekomme, dann mache ich das weiter.
Eva-Maria Scheid, Beraterin für Führungskräfte
Laut einer Studie der Techniker Krankenkasse fühlen sich zwei Drittel aller Erwachsenen in Deutschland zumindest manchmal gestresst – meist durch zu hohe Ansprüche an sich selbst.
26.11.2025 | 1:41 minNeue Stressfaktoren
Eine neue Studie der Techniker Krankenkasse unterstreicht, was Scheid sagt. Größter Stressfaktor: Der hohe Anspruch an sich selbst - sagen 61 Prozent der Befragten. Danach wurden die Bereiche Schule, Studium und Beruf genannt (58 Prozent) sowie der Stress durch gesellschaftliche Probleme und internationale Krisen (53 Prozent). Letzteres wurde in diesem Jahr zum ersten Mal abgefragt. Beides stresst viele Menschen sehr stark neben den normalen Belastungen durch Arbeit und den Alltag, sagt Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse.
Sie lesen es ständig in den Nachrichten. Man kann dem gar nicht ausweichen. Das führt dazu, dass die Menschen sich sehr bedroht fühlen, denn es ist immer da und gleichzeitig weiß ich nicht genau, was passiert – und das sind genau die Themen die Stress auslösen.
Jens Baas
Immer mehr fühlen sich gestresst
Deutschlands größte Krankenkasse versucht seit Jahren, das Gefühl der Menschen zu greifen und in Zahlen zu gießen. Seit 2013 veröffentlicht die Krankenkasse in unregelmäßigen Abständen den "Stressreport", der als Barometer für das Wohlbefinden der Deutschen gilt.
Zwei Drittel der Menschen fühlen sich hierzulande in ihrem Alltag oder Berufsleben häufig oder manchmal gestresst, so die aktuellen Ergebnisse. Im Vergleich zur ersten Studie 2013 ist die Zahl um 16 Prozent gestiegen.
Eine RKI-Studie zeigt: Über ein Drittel der 18- bis 29-Jährigen fühlt sich psychisch stark belastet. Stress, Leistungsdruck und Sorgen um die Zukunft setzen vielen zu.
10.10.2025 | 1:36 minInteressant sei, dass das Wissen zum Thema inzwischen sehr verbreitet sei, so Baas. Trotzdem würden viele nichts ändern. In der Folge können Menschen deshalb krank werden: Chronischer Stress erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme, Rückenschmerzen und Verspannungen oder sogar Depressionen. Viele Befragte berichten auch von innerer Unruhe, Schlafstörungen und Gereiztheit.
Stress senken - aber wie?
Baas plädiert dafür, noch mehr zu vermitteln, wie man sich bei zuviel Stress verhält.
Es geht nicht darum, jeden Stressfaktor auszuschalten, denn das hat man nicht in der Hand. Vielmehr müssen wir zeigen, wie gehe ich damit um.
Zum Beispiel sei es wichtig zu lernen, wie man die aktuellen Weltlage bewältige. Man dürfe sich nicht permanent mit Informationen überfordern, sondern solle sich gezielt informieren. Die Psychologin Prof. Judith Mangelsdorf von der Deutschen Hochschule für Gesundheit und Sport in Berlin empfiehlt deshalb digitale Detox-Zeiten, statt alle fünf Minuten die Nachrichten checken.
- Wie umgehen mit Weihnachtsstress?
Vor allem Sport helfe bei Stress-Abbau, sagt Mangelsdorf: "Die beste Form der Stressbewältigung funktioniert tatsächlich über Bewegung in der freien Natur. Das ist das, wofür hoher Stress auch ursprünglich gedacht war. Aber auch tiefe soziale Beziehungen, in denen wir miteinander teilen, was uns herausfordernd ist, machen einen Unterschied." Zudem solle man sich Zeit nehmen, herauszufinden, welche Faktoren Druck verursachen.
"Stress ist ein Ressourcendefizit. Es sind Belastungen im Alltag und ich habe nicht die notwendigen Ressourcen dem etwas entgegenzusetzen", so Prof. Judith Mangelsdorf, zum TK-Stressreport 2025
26.11.2025 | 7:43 minIn akuten Stresssituationen rät Mangelsdorf zu einfachen Atemübungen, um sich zu regulieren: "Bewusst vier Sekunden ein und acht Sekunden auszuatmen, kann einen deutlichen Unterschied machen." Manchmal helfe es auch, einen anderen Reiz zu setzen, zum Beispiel einfach mal kaltes Wasser ins Gesicht.
Alexander Eschment ist Korrespondent im ZDF-Studio in Berlin.
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