Akuter Bandscheibenvorfall: Behandlung meist ohne Operation

Wenn der Rücken ständig schmerzt:Bandscheibenvorfall operieren - ja oder nein?

von Gunnar Fischer

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Trotz unerträglicher Schmerzen ist bei einem akuten Bandscheibenvorfall nur selten eine Operation notwendig. Wie stattdessen behandelt wird und wann wirklich operiert werden muss.

Grafik einer Wirbelsäule mit einem Bandscheibenvorfall

Von Medikamenten über Physiotherapie bis Operation: Wann welche Behandlung bei einem Bandscheibenvorfall in Betracht kommt.

19.01.2026 | 4:57 min

Wenn der Rücken schmerzt, werde zu oft operiert, kritisieren die gesetzlichen Krankenkassen seit Jahren. Eine Analyse der Techniker Krankenkasse mit 9.000 Rückenpatienten ergab zuletzt, dass 88 Prozent aller Rückenoperationen nach einer Zweitmeinung als unnötig eingestuft wurden.

Den generellen Vorwurf, dass die Mehrzahl aller chirurgischen Eingriffe an der Wirbelsäule überflüssig sei, hält Marcus Richter, Leiter des Wirbelsäulenzentrums am St. Josefs-Hospital Wiesbaden, jedoch für unangemessen.

Halten Schmerzen trotz konservativer Maßnahmen länger als drei Monate an, sollte man Patienten auch das operative Verfahren anbieten.

Prof. Dr. Marcus Richter, Orthopäde und Unfallchirurg

Der häufigste Anlass für eine Rückenoperation sei eine fortgeschrittene Wirbelkanalverengung, eine Spinalkanalstenose. Hier lasse sich die Ursache für die Symptome, also die Verengung, nur chirurgisch beheben.

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Anders sei das bei einem Bandscheibenvorfall, der meist auch ohne einen operativen Eingriff ausheile, so Richter. Am häufigsten entstehen Bandscheibenvorfälle durch Verschleiß.

Was bei einem Bandscheibenvorfall passiert




Konservative Behandlung meist erfolgreich

In Deutschland werden pro Jahr rund 180.000 Bandscheibenvorfälle diagnostiziert. Bei den meisten gibt es keinen Grund für eine Operation.

In 90 Prozent der Fälle kann man Bandscheibenvorfälle konservativ therapieren.

Prof. Dr. Marcus Richter, St. Josefs-Hospital Wiesbaden

Zur akuten Schmerzlinderung werden Medikamente eingesetzt. Zudem wird eine frühzeitige Physiotherapie empfohlen, um die Beweglichkeit wiederherzustellen. Durch Stärkung der tiefen Rumpf- und Rückenmuskulatur soll die Wirbelsäule stabilisiert und die Bandscheibe entlastet werden.

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Mit Spritzen gegen den Schmerz

Halten die Beschwerden trotz starker Schmerzmittel und Physiotherapie weiter an, kann entzündungshemmendes Kortison gezielt an die betroffene Stelle in der Wirbelsäule gespritzt werden. Diese Infiltrationen gelten als effektiv, bergen aber Risiken wie die Bildung von Blutergüssen, Infektionen und selten Nervenverletzungen.

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Operation im Notfall oder als letzte Option

Ein akuter Bandscheibenvorfall ist ein Notfall, wenn er neurologische Ausfälle verursacht, bei denen Lähmungen oder Störungen der Blasen- und Darmfunktion auftreten. Kommt es zu solchen Ausfällen, muss operiert werden, um bleibende Schäden zu verhindern.

Ein operativer Eingriff kommt aber auch dann in Betracht, wenn nach Ausschöpfung der konservativen Behandlungsmaßnahmen die Symptome länger als drei Monate anhalten.

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Bandscheibe minimalinvasiv operieren

Eine Operation hat das Ziel, die betroffene Nervenwurzel zu entlasten. Heute kommen dafür in der Regel minimalinvasive Verfahren zum Einsatz, bei denen das ausgetretene Bandscheibengewebe schonend entfernt wird. Richter warnt jedoch vor zu hohen Erwartungen.

Wir können durch eine OP die Bandscheibe nicht heilen, aber in den meisten Fällen erreichen, dass die Schmerzen weg sind.

Prof. Dr. Marcus Richter, Orthopäde und Unfallchirurg

Der Fokus einer Operation liegt vor allem auf der Symptomlinderung, nicht auf der Wiederherstellung der Bandscheibe selbst.

  • Altersbedingter Verschleiß: Mit dem Alter verlieren Bandscheiben an Flüssigkeit und Elastizität. Dadurch werden sie spröde und können dem Druck plötzlich nicht mehr standhalten.
  • Genetische Faktoren: Eine erbliche Veranlagung kann die vorzeitige Abnutzung der Bandscheiben begünstigen. Auch jüngere Menschen können deshalb betroffen sein.
  • Fehlbelastungen: Ein Bandscheibenvorfall wird häufig durch Fehlbelastungen und Fehlhaltungen hervorgerufen. So erhöhen unter anderem schweres Heben, langes Sitzen oder Übergewicht den Druck auf die Wirbelsäule.
  • Bewegungsmangel: Ungünstig wirkt sich auch Bewegungsmangel aus. Eine untrainierte Rücken- und Bauchmuskulatur kann die Wirbelsäule nicht ausreichend stützen und somit die Bandscheiben entlasten.
  • Rauchen: Rauchen führt zu einer Beeinträchtigung der Nährstoffversorgung der Bandscheiben, was sie anfälliger für Risse macht.


Recht auf Zweitmeinung bei Rückenoperation

Die Entscheidung für oder gegen einen chirurgischen Eingriff hängt stark vom Einzelfall ab. Seit 2021 haben gesetzlich Versicherte Anspruch auf eine ärztliche Zweitmeinung.

Sie sollten misstrauisch werden, wenn Ihnen gesagt wird, man muss den Bandscheibenvorfall gleich operieren, weil Sie sonst eine Querschnittslähmung bekämen.

Prof. Dr. Marcus Richter, Orthopäde und Unfallchirurg

Zwar führt die Operation zu einer schnellen Schmerzlinderung, sie birgt jedoch Risiken. So können in seltenen Fällen Infektionen, Nachblutungen, Wundheilungsstörungen oder sogar bleibende Nervenverletzungen auftreten. Zudem zeigen Untersuchungen, dass auch bei operierten Patienten die Beschwerden wiederkehren können.

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Quelle: dpa

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Über diese Thema berichtete das ZDF in der Sendung "Volle Kanne" am 19.01.2026, ab 09:05 Uhr.

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