Neues Verfahren für undichte Herzklappe:Trikuspidalklappe per Katheter soll Schwerkranken helfen
von Thomas Förster
Etwa 400.000 Deutsche haben eine undichte Trikuspidalklappe. Ärzte konnten vielen Betroffenen bisher nur eingeschränkt helfen. Das soll ein neues Katheter-Verfahren ändern.
Immer häufiger hat Ulrich Stolzenburg plötzlich Luftnot. Die Ärzte diagnostizieren eine undichte Trikuspidalklappe. Sie wenden bei ihm ein neues Verfahren an, um die defekte Herzklappe zu ersetzen.
09.01.2026 | 5:10 min"Die vergessene Klappe", so hieß die Trikuspidalklappe lange Zeit. Denn sie konnte von den vier Herzklappen als einzige nicht minimalinvasiv ersetzt werden. Menschen mit einer undichten Trikuspidalklappe wissen oft nichts davon, denn die Symptome wie Wassereinlagerungen, Müdigkeit oder Luftnot sind so unspezifisch, dass auch Ärzte die Krankheit oft übersehen.
Einlassventil zur rechten Herzkammer
Die Trikuspidalklappe steuert als Ventil den Blutfluss zwischen rechtem Vorhof und rechter Kammer des Herzens. Schließt sich die intakte Klappe, verhindert sie den Rückfluss des Blutes in den Vorhof. Wird sie undicht, sorgt das für erhebliche Einschränkungen der Herzleistung.
Früher musste zur Behandlung einer defekten Herzklappe der Brustkorb geöffnet und das Brustbein durchtrennt werden. Heutzutage wird dieser Eingriff meist minimalinvasiv durchgeführt, was für den Patienten schonender ist.
31.01.2025 | 5:15 minDie Trikuspidalklappe besteht meist aus drei unregelmäßig geformten Segeln. Sie ist die größte Herzklappe und unterscheidet sich von Mensch zu Mensch erheblich, sagt Kardiologe Henryk Dreger vom Deutschen Herzzentrum der Charité.
Die Trikuspidalklappe ist wie ein Fingerabdruck. Da hat jeder Mensch eine völlig eigene Anatomie.
Prof. Dr. Henryk Dreger, Deutsches Herzzentrum der Charité
Die anatomische Varianz erschwert die Entwicklung standardisierter Prothesen und war ein Grund, weshalb ein Ersatz mittels Katheter lange als zu riskant galt.
Eine undichte Trikuspidalklappe ist meist Folge einer anderen Erkrankung. Oft entsteht sie durch eine Erweiterung oder Fehlbildung der rechten Herzkammer. Diese wiederum kann durch Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie) oder eine Klappenerkrankung im linken Herzen entstehen, etwa der Mitralklappe. Dadurch unterscheidet sie sich zum Beispiel von einer Verengung der Aortenklappe, die häufig durch eine Verkalkung der Klappe selbst entsteht.
Angeborene Herzfehler gehören zu den häufigsten Fehlbildungen bei Kindern. Bei starken Beschwerden kann eine Operation nötig sein.
05.05.2025 | 5:16 minOffene Operation mit hohem Risiko
Bei einer offenen Operation wird das Herz stillgelegt und der Patient an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen. Die Chirurgen ersetzen die defekte Trikuspidalklappe über die geöffnete Brust. Die Betroffenen sind meist älter und schwer krank. Der Eingriff ist für sie eine große Belastung, gut zehn Prozent der Patienten versterben. Daher vermeiden Ärzte möglichst eine offene OP an der Trikuspidalklappe.
Symptome lindern ohne zu heilen: Medikamente
Arzneimittel können eine undichte Trikuspidalklappe nicht reparieren, aber Krankheitsfolgen wie Ödeme und Luftnot lindern. Bestimmte Medikamente können den Kreislauf entlasten, indem sie Wasser ausschwemmen und Blutdruck oder Herzfrequenz senken. Die Krankheit schreitet aber häufig weiter voran, weil die Ursache unbehandelt bleibt.
Die Takotsubo-Kardiomyopathie ist eine lebensbedrohliche Erkrankung, bei der es zu typischen Symptomen eines Herzinfarktes kommt. Bei wem tritt das Broken-Heart-Syndrom besonders häufig auf?
15.05.2025 | 4:22 minClip-Reparatur bei undichter Trikuspidalklappe
Aufgrund der wenigen Therapiemöglichkeiten entwickelten Experten minimalinvasive Verfahren, um eine undichte Trikuspidalklappe zu reparieren. Dabei werden die Klappensegel meist durch spezielle Clips miteinander fixiert, um wieder eine höhere Dichtigkeit zu erreichen. So kann aber nur einem Teil der Betroffenen geholfen werden.
Aufgrund der Komplexität der Anatomie der Trikuspidalklappe ist eine minimalinvasive Clip-Reparatur leider nicht bei allen Patienten möglich.
Prof. Dr. Henryk Dreger, Kardiologe
Hinzu komme, dass man die Klappen durch eine Reparatur oft nicht ganz dicht bekomme, so Dreger weiter.
Betroffene von Herzschwäche merken oft zu spät, wenn sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert. Unter Lebensgefahr müssen sie dann in die Notaufnahme. Telemedizin kann das ändern.
29.09.2024 | 5:21 minKlappenersatz per Katheter
Seit 2019 werden in Deutschland künstliche Trikuspidalklappen minimalinvasiv über einen Katheter eingesetzt. Zunächst erfolgte das im Rahmen von Studien, inzwischen auch in der Regelversorgung. Der Kardiologe führt dabei die Ersatzklappe mit dem Katheter über die Leiste in die Vene ein und schiebt sie bis zum Übergang des rechten Vorhofs in die rechte Herzkammer vor.
Die neue Klappe entfaltet sich dort über der alten und verankert sich. Studien zeigen, dass viele Patienten nach dem Eingriff mit der neuen Klappe keine oder nur noch eine sehr geringe Undichtigkeit haben.
Gerade Patienten mit viel Luftnot berichten oft, dass diese deutlich besser geworden ist, und das ist natürlich eine großartige Chance.
Prof. Dr. Henryk Dreger, Deutsches Herzzentrum der Charité
Ein Nachteil des Verfahrens ist, dass viele Patienten nach dem Eingriff zumindest vorübergehend auf einen Herzschrittmacher angewiesen sind, damit ihr Herz weiter gleichmäßig schlägt.
Ein im Labor gezüchtetes Herzmuskelgewebe könnnte künftig zur Behandlung von Herzinsuffizienz eingesetzt werden. Medizinjournalist Dr. Christoph Specht im Gespräch.
05.02.2025 | 6:32 minDie Trikuspidalklappe liegt an einer zentralen Stelle des Herzens: Sie befindet sich direkt neben dem natürlichen Taktgeber für den Herzrhythmus, dem AV-Knoten, der elektrische Impulse von den Vorhöfen zu den Herzkammern leitet. Auch die Leitungsbahnen, die die elektrischen Impulse in die Herzkammer verteilen, die sogenannten His-Bündel, verlaufen in unmittelbarer Nähe.
Die neue Klappen-Prothese kann beim Einsetzen gegen diese empfindlichen Strukturen drücken und Leitungsstörungen auslösen. Mögliche Folgen sind langsamere Herzschläge. Etwa jeder fünfte Patient benötigt daher einen Herzschrittmacher, der für eine kontrollierte Steuerung des Herzschlags sorgt.
Bisher führen nur Herzzentren oder Universitätskliniken einen minimalinvasiven Ersatz der Trikuspidalklappe durch. Die Kosten von mehreren zehntausend Euro übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen bei notwendiger Indikation. Noch ist jedoch unklar, wie sich die minimalinvasiv eingesetzten Trikuspidalklappen auf Dauer bewähren, denn es fehlen Langzeitdaten.
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