Wenn das Hören immer schlechter wird:Mittelohrschwerhörigkeit erkennen und wirksam behandeln
von Corinna Klee
Der Fernseher wird lauter gestellt, Gespräche sind eine Herausforderung: Schuld daran kann eine Mittelohrschwerhörigkeit sein. Wie spezielle Implantate helfen, wieder gut zu hören.
Viele Jahre hat Karl Schattmaier schlecht gehört, Hörgeräte haben ihm nicht geholfen. Erst dank Implantaten hat sich sein Hörvermögen deutlich verbessert.
16.01.2026 | 5:21 minMillionen Menschen in Deutschland hören schlecht. Viele haben eine Mittelohrschwerhörigkeit. Sie gehört zu den sogenannten Schallleitungsschwerhörigkeiten. Der Schall gelangt zwar noch bis zum Trommelfell, wird über das Mittelohr aber nicht mehr richtig an das Innenohr weitergeleitet.
Schlechtes Hören hat vor allem im Alltag erhebliche Auswirkungen, weiß Jan Gosepath, Hals-Nasen-Ohrenarzt an den Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken Wiesbaden. Man fühle sich nicht mehr wohl, weil man nichts mehr versteht und immer wieder nachfragen muss. Die ständige Höranstrengung mache zudem müde.
Die Reaktion auf schlechtes Hören ist häufig ein Rückzug aus der Gesellschaft.
Prof. Dr. Jan Gosepath, Hals-Nasen-Ohren-Arzt
Eine Schwerhörigkeit beginnt meist schleichend. Oft bemerken es Familienmitglieder früher als der Betroffene selbst. Erste Anzeichen sind ein dumpfes Hören wie durch Watte, manche klagen auch über ein Druckgefühl im Ohr.
Schallwellen sammeln sich in der Ohrmuschel und gelangen durch den Gehörgang zum Trommelfell. Dadurch wird die dünne Membran in Schwingung versetzt. Hinter dem Trommelfell befinden sich die Gehörknöchelchen: Der Hammer tastet die Schwingung ab, der Amboss leitet sie weiter und der Steigbügel überträgt sie auf das Innenohr. Dort bringen die Schwingungen die Flüssigkeit in der Gehörschnecke in Bewegung. Die dadurch entstehende Schwingungswelle erregt die Haarsinneszellen im Innenohr. Die Bewegung dieser Härchen wird dann in Nervenimpulse übersetzt. Der Hörnerv übermittelt diese Signale an das Gehirn, wo sie den Höreindruck erzeugen.
Trifft Schall auf das Ohr, wird er in akustische Signale übersetzt. Dabei spielen Haarzellen eine wichtige Rolle. Unter Dauerbelastung können sie irreparabel zerstört werden.
10.06.2024 | 1:56 minUrsachen: Vom Paukenerguss bis zur Verknöcherung
Eine Mittelohrschwerhörigkeit kann verschiedene Ursachen haben. So können beispielsweise Teile der Gehörknöchelchen aufgrund von Entzündungen im Laufe des Lebens so geschädigt werden, dass sie den Schall nicht mehr ausreichend weiterleiten.
Häufige Ursache sind Störungen in der Beweglichkeit der Gehörknöchelchen.
Prof. Dr. Jan Gosepath, Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken Wiesbaden
Auslöser können zudem eine Otosklerose, die Verknöcherung des Steigbügels, wiederholte Mittelohrentzündungen, Paukenergüsse und Trommelfellschäden sein. Aber auch Vernarbungen oder Verletzungen im Mittelohr können die Schallweiterleitung behindern.
Während bei der Mittelohrschwerhörigkeit die Schallleitung gestört ist, sind bei einer Lärmschwerhörigkeit die im Innenohr befindlichen Haarzellen dauerhaft geschädigt.
Passive Mittelohrimplantate: Reparatur der Schallkette
Passive Mittelohrimplantate kommen zum Einsatz, wenn Strukturen im Mittelohr, zum Beispiel eines der Gehörknöchelchen, defekt sind und der Schall dadurch nicht mehr weitergeleitet wird. Es handelt sich dabei um winzige Prothesen, die Hammer, Amboss oder Steigbügel ersetzen. Der Schall wird dann wie zuvor durch die Schwingung des Trommelfells und der Gehörknöchelchen übertragen - nur mit reparierter Mechanik.
Herkömmliche Hörgeräte sind der erste Versuch, das Hörvermögen zu verbessern. Dies gilt für jede Art von Schwerhörigkeit. Hörgeräte empfangen die Schallsignale, verstärken sie und geben sie an das eigene Hörsystem weiter. In der Regel kommen sie bei einer mittelgradigen Schwerhörigkeit zum Einsatz, wenn noch ein gutes Restgehör vorhanden ist.
Kinder mit einer genetisch bedingten angeborenen Schwerhörigkeit oder Taubheit können mit einem Cochlea-Implantat hören. Zudem versprechen neue Ansätze in der Gentherapie auch eine ursächliche Heilung.
22.09.2025 | 5:32 minAktive Mittelohrimplantate: Verstärker am Ohr
In einer Operation wird ein kleines Schwingungselement direkt an Strukturen im Mittelohr wie den Gehörknöchelchen befestigt. Der dazugehörige Audioprozessor wird hinter dem Ohr getragen. Er nimmt den Schall auf und überträgt ihn an den implantierten Teil. Dort wird das Signal in Schwingungen umgewandelt. Diese werden direkt an das Mittelohr, an die Gehörknöchelchen oder an das Innenohr weitergeleitet - die natürliche Schallübertragung wird überbrückt.
Diese akustische Wahrnehmung ist sehr realistisch und entspricht dem, was das gesunde Ohr hört.
Prof. Dr. Jan Gosepath, Hals-Nasen-Ohren-Arzt
Aktive Mittelohrimplantate kommen insbesondere bei mittel- bis hochgradiger Schallleitungsschwerhörigkeit zum Einsatz, auch wenn zusätzlich eine Innenohrschwerhörigkeit vorliegt.
Kopfhörer werden immer häufiger zu Hause und unterwegs genutzt - sei es für Musik, Podcasts oder Telefonate. Worauf man bei der Nutzung achten sollte.
23.09.2025 | 3:51 minHören durch im Knochen verankerte Systeme
Knochenverankerte Hörsysteme nutzen den Schädelknochen als Schallüberträger. Sie umgehen den Gehörgang und das Mittelohr vollständig. Das Implantat wird im Schädelknochen hinter dem Ohr befestigt. Es nimmt den Schall auf und leitet ihn über den Schädelknochen an das Innenohr weiter. Die Hörsysteme werden genutzt, wenn der Schallweg über Gehörgang und Mittelohr dauerhaft blockiert ist, das Innenohr aber funktioniert.
Schwerhörigkeit kann Demenzrisiko erhöhen
Ein großes Problem bei Schwerhörigkeit ist, dass Betroffene diese meist lange ignorieren oder verharmlosen. Neben der sozialen Isolation, die das schlechte Hören mit sich bringt, ist das Demenzrisiko erhöht. So weisen verschiedene Studien darauf hin, dass eine unbehandelte Schwerhörigkeit einen negativen Einfluss auf die kognitive Leistungsfähigkeit hat.
In Deutschland leiden rund 1,8 Millionen Menschen an einer Demenz-Erkrankung. Hoffnung bringen neue Bluttests, damit der Kampf gegen Alzheimer früher beginnen kann.
21.09.2025 | 1:31 minSie wollen auf dem Laufenden bleiben? Dann sind Sie beim ZDFheute-WhatsApp-Channel richtig. Hier erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten auf Ihr Smartphone. Nehmen Sie teil an Umfragen oder lassen Sie sich durch unseren Podcast "Kurze Auszeit" inspirieren. Zur Anmeldung: ZDFheute-WhatsApp-Channel.
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