Liposuktion bei Fettverteilungsstörung:Lipödem: Krankenkassen übernehmen Kosten für Fettabsaugung
von Julia Tschakert
Diät und Sport helfen vielen Betroffenen mit Lipödem kaum weiter. Oft lindert nur eine Liposuktion die Beschwerden. Für wen die Fettabsaugung reguläre Kassenleistung werden soll.
Beim Lipödem kommt es zu einer krankhaften Ansammlung von Fettgewebe an Beinen, Hüfte oder Armen. Eine Fettabsaugung kann helfen, muss von Betroffenen bisher aber oft selbst gezahlt werden.
06.01.2026 | 5:11 minQuälende Schmerzen, ein ständiges Schweregefühl: Das sind typische Symptome für das Lipödem, eine chronische Erkrankung des Unterhautfettgewebes. Betroffen sind fast ausschließlich Frauen. Schätzungsweise zehn Prozent sind hierzulande erkrankt, meist an Armen und Beinen.
Oft haben die Frauen nicht nur mit der krankhaften Fettverteilungsstörung zu kämpfen, sondern auch mit der Krankenkasse. Denn die bezahlte Operationen, die eine Linderung bringen könnten, bislang nur im letzten Stadium.
Ursachen für Lipödem unklar
Häufig wird ein Lipödem mit starkem Übergewicht verwechselt. Die Erkrankten versuchen alles, um abzunehmen. Typisch für die Erkrankung ist jedoch, dass Diäten an den betroffenen Stellen meist kaum Erfolg zeigen.
Als ein Auslöser wird eine hormonelle Umstellung, etwa in der Pubertät, in der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren, vermutet. Ein Lipödem kann auch weitervererbt werden, erklärt Anke Dörr, Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie am Nardini Klinikum Zweibrücken.
Es ist relativ häufig, dass Geschwister, Mutter, Tanten oder Oma, auch die väterlicherseits, betroffen sind.
Anke Dörr, Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie
Bis zu 90 Prozent der Frauen sind von Cellulite betroffen. Oft wird sie mit einem Lipödem verwechselt, da sie im Erscheinungsbild ähnlich ist.
18.06.2025 | 5:06 minTypische Symptome eines Lipödems
Beim Lipödem ist die Fettgewebsverteilung gestört. Typisch ist eine Vermehrung des Fettgewebes an Beinen und/oder Armen. Rumpf, Hände, Füße, Gesicht und Hals sind nicht betroffen. In der Folge kommt es zu Druckschmerzhaftigkeit und einem Schweregefühl. Auch die Neigung zu Hämatomen sowie zu Hautwülsten oder -rollen an Knöcheln und/oder Handgelenken ist häufig.
Die Entwicklung eines Lipödems ist langsam und kann sich über mehrere Jahre erstrecken. Ob es generell eine Progression, also ein Fortschreiten der Erkrankung gibt, ist umstritten. Um ein Lipödem zuverlässig zu diagnostizieren, sind Phlebologen, Gefäßspezialisten und Lymphologen geeignete Ansprechpartner. Die Erkrankung wird in verschiedene Stadien unterteilt.
Lipödem: Einteilung in drei Stadien
Stadium I ist gekennzeichnet durch feinknotige, leicht wellige Haut, ähnlich einer Cellulite. Meist besteht schon eine Druckschmerzempfindlichkeit der betroffenen Stellen.
Typisch für Stadium II ist, dass die Haut zunehmend grobknotiger, unebener und die Hautoberfläche überwiegend wellenartiger wird. Der Umfang der betroffenen Körperteile nimmt zu, ebenso die Druckschmerzempfindlichkeit und die Neigung zu Blutergüssen (Hämatomen).
In diesem Stadium haben Betroffene eine ausgeprägte Umfangsvermehrung mit überhängendem Fettgewebe, eine sogenannte Wammenbildung. Sind die Beine vollständig betroffen, spricht man auch von einer "Elephantiasis".
Gerade im Stadium III drohen Folgeschäden. So kann es etwa zu Lymphabflussstörungen, orthopädischen Erkrankungen sowie zu dermatologischen Komplikationen und großer psychischer Belastung kommen.
Wer beim Gehen immer wieder starke Schmerzen in den Beinen hat, könnte an der Schaufensterkrankheit leiden. Wird die Erkrankung nicht behandelt, kann sie gefährlich werden.
03.06.2024 | 5:10 minBehandlung des Lipödems: Konservative Maßnahmen
Nach der Diagnose erfolgt zunächst eine konservative Therapie. Sie soll die Schmerzen und die Ödeme, die Wassereinlagerungen im Gewebe, minimieren. An erster Stelle steht dabei das Tragen von Kompressionskleidung.
Das ist Voraussetzung für den abschwellenden Effekt regelmäßiger Bewegung, etwa Schwimmen. Auch manuelle Lymphdrainage verspricht nur unter Kompression einen dauerhaften Effekt zur Linderung der Symptome. Daneben ist eine Ernährungsumstellung Teil der Behandlung.
Liposuktion: Wann ist die Operation sinnvoll?
Bestehen trotz konservativer Therapie auch nach einem halben Jahr noch Beschwerden, kann eine OP in Betracht gezogen werden. Dabei wird das krankhafte Fettgewebe durch Fettabsaugung (Liposuktion) entfernt. Behandlungsziel ist vor allem eine Reduktion der Beschwerden.
Es geht nicht so sehr darum, die Beine schlank zu kriegen, sondern das Unterhautfettgewebe ausreichend zu entfernen.
Anke Dörr, Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie
Bei dem Eingriff werden den Patientinnen bis zu acht Prozent ihres Körpergewichts an Fettgewebe abgesaugt.
Die Schwestern Celine und Jona leiden am Lipödem. Celine hat schon fünf Eingriffe hinter sich. Jona hofft, dass die Krankenkasse die Kosten auch bei ihr übernimmt.
20.05.2025 | 6:29 minChancen und Risiken der Liposuktion
Neben den üblichen OP-Risiken können nach einer Liposuktion Schwellungen, Blutergüsse und Schmerzen auftreten, sie klingen aber meist nach einigen Wochen ab. Zudem kann es zu Wundheilungsstörungen und temporären Empfindungsstörungen kommen, in seltenen Fällen auch zu Infektionen, Narbenbildungen, Thrombosen oder Fettembolien.
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat beschlossen, dass die Liposuktion (Fettabsaugung) bei Lipödem ab 2026 eine reguläre Leistung der gesetzlichen Krankenkassen ist. Der Anspruch gilt grundsätzlich für alle Stadien des Lipödems. Allerdings müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Dazu gehört unter anderem eine sechsmonatige konservative Therapie, die die Beschwerden nicht ausreichend gelindert hat.
Eine weitere Bedingung: Bei einem Body-Mass-Index (BMI) über 35 müssen Betroffene zuerst abnehmen. Liegt der BMI zwischen 32 und 35, gelten zusätzlich bestimmte Grenzwerte der Waist-to-Height-Ratio. Dabei handelt es sich um das Verhältnis von Taille und Größe. Experten halten diesen Maßstab zur Bewertung einer Adipositas für geeigneter als den BMI.
Künftig gilt zudem das Vieraugenprinzip: Wer die Diagnose stellt, darf die Operation nicht selbst durchführen.
Bisher wird die Liposuktion nur in bestimmten Fällen von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt. Und zwar bei Betroffenen, die ein Lipödem im Stadium III haben und einen BMI von unter 35.
Eine Liposuktion könne auch schon in frühen Stadien Symptome wie Schmerzen verbessern, sagt Anke Dörr. Zudem habe die frühe OP einige Vorteile.
Die Haut ist nicht so ausgeleiert und es ist auch vom Volumen her viel weniger, sodass eine Straffungsoperation im Anschluss meist nicht nötig ist.
Anke Dörr, Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie
Leben mit Lipödem
Ein Lipödem ist nicht heilbar und letztendlich weiß keiner, ob es wiederkommen kann, weil die krankhaften Fettzellen sich nicht nur vergrößern, sondern auch vermehren können. Die Erkrankung lässt sich aber mit einem entsprechenden Behandlungskonzept und einer Liposuktion in der Regel gut behandeln, sodass die Betroffenen auch dauerhaft schmerzfrei sein können.
Julia Tschakert ist Redakteurin der ZDF-Sendung "Volle Kanne-Service täglich".
Der Artikel wurde erstmals am 30. Mai 2025 veröffentlicht und am 8. Januar 2026 aktualisiert.
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