Risiko für Nierenversagen und Dialyse:Wie gefährlich sind Zysten in der Niere?
von Corinna Klee
Zystennieren sind häufig Ursache für Nierenversagen. Die Zysten wachsen oft über Jahre unbemerkt und zerstören das Organ. Betroffenen bleibt dann nur Dialyse oder Transplantation.
Mit Anfang 30 bekommt Ina die Diagnose Zystennieren. Ihre Nieren vergrößern sich extrem und ihre Nierenfunktion verschlechtert sich schneller als erwartet. Plötzlich steht ihr Leben auf dem Spiel.
24.02.2026 | 5:09 minDass sich in der Niere eine Zyste bildet, kommt vor allem im Alter häufiger vor und ist in der Regel unproblematisch. Anders ist das bei der sogenannten Zystenniere, die auch als polyzystische Nierenerkrankung bezeichnet wird. Hier bilden sich in beiden Nieren zahlreiche Zysten.
Bei Zystennieren handelt es sich um eine genetisch bedingte Nierenerkrankung. Sie wird autosomal-dominant vererbt. Das bedeutet: Ist ein Elternteil erkrankt, besteht ein fünfzigprozentiges Risiko, dass das Kind ebenfalls erkrankt. Mögliche Patienten sind sensibilisiert für die Krankheit, da ein Elternteil betroffen ist.
Zystennieren beeinträchtigen Nierenfunktion
Bei den Zysten handelt es sich um flüssigkeitsgefüllte Bläschen, die sich vermehren, größer werden und das gesunde Nierengewebe zerstören. Dadurch wird nach und nach die Filterfunktion der Nieren beeinträchtigt.
Bei einer chronischen Nierenerkrankung kommt es zu einem fortschreitenden Funktionsverlust der Organe. Versagen die Nieren, hilft nur noch eine Nierenersatztherapie.
04.04.2025 | 4:54 minWährend die Patienten anfangs noch keine oder kaum Beschwerden haben, verschlechtert sich das Krankheitsbild im Laufe des Lebens oft drastisch, erklärt Alexander Paliege, Facharzt für Innere Medizin und Nephrologie am Klinikum Chemnitz.
Die Erkrankung läuft in aller Regel fortschreitend in Richtung Niereninsuffizienz und Dialyse.
Dr. Alexander Paliege, Nephrologe
Wie schnell es zu einem Nierenversagen komme, sei von Patient zu Patient unterschiedlich und hänge von der Schwere der Genmutation sowie der betroffenen Gene ab, so Paliege weiter.
Die Nieren sind lebenswichtige Organe, die als körpereigene Kläranlage dienen. Wie sie funktionieren und was sie schädigen kann.
13.03.2025 | 4:52 minWelche Symptome bei Zystennieren auftreten
Zu den Symptomen gehört neben Rückenschmerzen und häufigen Harnwegsinfekten vor allem ein Bluthochdruck, da die wachsenden Zysten die Nieren bei ihrer wichtigen Funktion der Blutdruckregulierung stören.
Ist die Erkrankung weiter fortgeschritten, haben viele Betroffene einen zunehmenden Bauchumfang, da sich die Nieren teils extrem vergrößern. Auch Wassereinlagerungen in Beinen, Lunge oder Herzbeutel sowie schwere Übelkeit zählen zu den Folgen einer Niereninsuffizienz, der fortschreitenden Abnahme der Nierenfunktion.
Nierensteine sind eine häufige Erkrankung - und oft eine sehr schmerzhafte dazu. Staut sich der Urin, ist schnelle Hilfe nötig.
06.02.2025 | 5:34 minWelche Behandlungsmöglichkeiten es gibt
Betroffene werden in der Regel an spezialisierte Zentren überwiesen. Der Blutdruck muss medikamentös eingestellt werden, weil ein hoher Blutdruck Zystenwachstum und Nierenversagen beschleunigt. Zudem sollten Betroffene sich viel bewegen und bewusst ernähren.
Eine möglichst salzarme Ernährung ist wichtig, um das Zystenwachstum nicht anzutreiben.
Dr. Alexander Paliege, Klinikum Chemnitz
Der Nephrologe empfiehlt Vollkornprodukte und eine mediterrane Ernährungsweise mit viel Gemüse und ungesättigten Fettsäuren.
Fast jeder dritte Erwachsene in Deutschland hat Bluthochdruck. Lässt sich der Blutdruck trotz Tabletten und Lebensstiländerung nicht senken, kann ein minimalinvasiver Eingriff helfen.
02.07.2024 | 5:21 minMedikament verlangsamt Wachstum der Zysten
Zur Behandlung steht für erwachsene Patienten der Wirkstoff Tolvaptan zur Verfügung. Er verlangsamt das Wachstum der Zysten, indem er das Hormon Vasopressin hemmt. Vasopressin wirkt in den Zysten als Wachstumsfaktor.
Allerdings hat die Therapie Nebenwirkungen. So kann der Urin nicht mehr ausreichend konzentriert werden, es kommt zu extremen Urinausscheidungen von bis mehreren Litern am Tag. Die Patienten trinken zudem mehrere Liter täglich, um das zu kompensieren. Viele nehmen das in Kauf, um ihre Nierenfunktion möglichst lange zu erhalten und die Dialyse hinauszuzögern.
Formen der Dialyse
Bei der Hämodialyse wird das Blut über einen speziellen Zugang am Arm in einen Dialysator geleitet, dort gereinigt und anschließend wieder in den Körper zurückgeführt. Die Patienten müssen für die Blutwäsche drei Mal wöchentlich für etwa vier bis fünf Stunden in ein Dialysezentrum.
Bei der Bauchfelldialyse, auch Peritonealdialyse, wird das Bauchfell als körpereigene Filtermembran genutzt. Über einen Katheter wird die Dialyseflüssigkeit in die Bauchhöhle eingebracht. Dort verbleibt sie für mehrere Stunden. Die Flüssigkeit, das Dialysat mit den herausgefilterten Stoffwechselprodukten, wird dann wieder abgelassen und durch frische ersetzt. Der Austausch der Dialyseflüssigkeit erfolgt je nach Verfahren mehrmals täglich oder über Nacht und kann zu Hause durchgeführt werden.
Wann eine Dialyse oder Organspende nötig wird
Es lohnt sich in der Regel nicht, einzelne Zysten operativ zu entfernen, da die umliegenden Zysten dann schneller wachsen. Ist die Nierenfunktion stark eingeschränkt und treten weitere Komplikationen auf, wird die Dialyse oder eine Nierentransplantation nötig.
Eine Nierentransplantation hat einige Vorteile gegenüber der Dialyse, die die Lebenserwartung verkürzen kann und die Patienten in ihrem Alltag stark einschränkt. Doch es gibt nur wenige Spenderorgane.
Durch die sogenannte Überkreuz-Lebendnierenspende (Cross-Over-Lebendspende) soll es künftig mehr Möglichkeiten geben, eine Spenderniere zu erhalten.
28.01.2026 | 2:03 minGrundsätzlich kommt für viele Patientinnen eine Lebendnierenspende infrage - auch vor Dialysebeginn. Entscheidend ist, ob sich im persönlichen Umfeld jemand findet, der bereit und geeignet ist, zu spenden.
Patienten, die keine Möglichkeit einer Lebendspende haben, müssen an die Dialyse und warten bis zu neun Jahre auf ein Spenderorgan.
Dr. Alexander Paliege, Nephrologe
Dank moderner Immunsuppressiva ist heute eine Lebendnierenspende auch dann möglich, wenn die Blutgruppen nicht übereinstimmen.
Eine Lebendnierenspende rettet Menschenleben, aber sie ist kein risikofreier Eingriff. Arzt und Medizinjournalist Christoph Specht erklärt die Voraussetzungen.
28.01.2026 | 6:15 minSie wollen auf dem Laufenden bleiben? Dann sind Sie beim ZDFheute-WhatsApp-Channel richtig. Hier erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten auf Ihr Smartphone. Nehmen Sie teil an Umfragen oder lassen Sie sich durch unseren Podcast "Kurze Auszeit" inspirieren. Zur Anmeldung: ZDFheute-WhatsApp-Channel.
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