Osteoporose: Verfahren mit Kunststoff stabilisiert Knochenbruch

Knochenbruch bei Osteoporose:Wie Kunststoff gebrochene Knochen stabilisieren kann

von Thomas Förster

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Knochenbrüche im Alter sind oft schwer zu behandeln. Denn sind Knochen porös, halten Schrauben oder Metallplatten nicht gut. In solchen Fällen hilft ein Verfahren mit Kunststoff.

Arm bei einer Operation mit blauem Licht

Wie Kunststoff und UV-Licht Frakturen heilen: Vor allem ältere Menschen mit porösen Knochen profitieren von dem Verfahren.

06.03.2026 | 5:11 min

Jedes Jahr kommt es aufgrund von Osteoporose zu etwa 700.000 Knochenbrüchen, schätzt die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie. Operationen können dann zur Herausforderung werden, weil Standardverfahren mit Schrauben und Platten aus Metall hier oft an ihre Grenzen kommen, so Stephan Schmidt, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie am Evangelischen Klinikum Gelsenkirchen.

Bei schwerer Osteoporose lassen sich Schrauben ohne Bohren einfach in den Knochen reindrücken.

Dr. Stephan Schmidt, Unfallchirurg

Die Gefahr steige, dass das Implantat ausreißt und erneut operiert werden muss, so Schmidt. Für ältere Patienten mit Vorerkrankungen sei das eine enorme Belastung. Forscher entwickeln daher neue Verfahren und Werkstoffe, um die Versorgung von Frakturen bei porösen Knochen zu verbessern.

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Wie Knochenbrüche bei Osteoporose stabilisiert werden

Schon länger setzen Chirurgen bei gelenknahen oder osteoporotischen Knochenbrüchen sogenannte winkelstabile Platten aus Metall ein. Durch die feste Verbindung von Schrauben und Platte entsteht eine hohe Stabilität. Zudem wird der Druck auf den Knochen reduziert, was besonders bei weichen oder porösen Knochen von Vorteil ist.

Chirurgen nutzen auch Knochenzement, um schwache Knochen von innen zu verstärken. Häufig dient er zur sicheren Befestigung von Implantaten im Knochen, etwa im Bereich der Hüfte, Knie oder Schulter. Eine Weiterentwicklung sind Biozemente.

Biozemente bestehen meist aus Kalziumphosphat-Verbindungen und ähneln in ihrer Zusammensetzung natürlichem Knochenmineral. Der Körper erkennt sie als knochenähnlich und reagiert deutlich weniger auf sie als auf klassischen Knochenzement. So kommt es zum Beispiel seltener zu Entzündungen. Außerdem werden einige bioaktive Knochenzemente im Laufe der Zeit durch körpereigenen Knochen ersetzt. Der Zement wird dabei aufgelöst und über den Stoffwechsel abgebaut.


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Knochenstabilisierung durch Kunststoff

Seit rund 15 Jahren gibt es Knochenimplantate aus Kunststoff, die während der Operation durch spezielles Licht aushärten. Der Vorteil ist, dass Patienten die Bruchstelle bereits kurz nach dem Eingriff wieder belasten können.

Wir können Patienten mit Kunststoffimplantaten schnellstmöglich wieder mobil machen.

Dr. Stephan Schmidt, Evangelisches Klinikum Gelsenkirchen

Die Chirurgen bohren dabei über einen kleinen Zugang einen Hohlraum in den Knochen. In diesen wird ein schlauchförmiges Implantat eingebracht und mit flüssigem Kunststoff gefüllt. Der Schlauch dehnt sich aus und legt sich innen eng an den Knochen.

Blaulicht härtet Kunststoff im Knochen aus

Nach dem Einbringen des Kunststoffs wird blaues Licht mit einer Wellenlänge von etwa 400 Nanometern in das Implantat geleitet. Das Licht führt zu einer chemischen Reaktion, die den Kunststoff innerhalb weniger Minuten zum Aushärten bringt. So entsteht ein stabiler Stab, der den Knochen von innen stützt. Das Verfahren wird daher auch als lichtgehärtetes Stabilisierungssystem bezeichnet. Das Implantat bleibt in der Regel dauerhaft im Körper.

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Für wen das Verfahren mit Kunststoff geeignet ist

Das Verfahren eignet sich vor allem für Patienten, deren Knochen durch Vorerkrankungen wie Osteoporose oder Krebs wenig Halt bieten. Es ist eher für einfache Brüche geeignet. Komplexe Mehrfachbrüche lassen sich mit der Methode nicht behandeln, so Schmidt.

Die Auswahl von geeigneten Patienten im Vorfeld ist das wichtigste Kriterium, damit das Verfahren funktioniert.

Dr. Stephan Schmidt, Orthopäde und Unfallchirurg

Zugelassen ist das Verfahren derzeit für Knochenbrüche der oberen Extremität wie am Arm oder der Hand. Ein Antrag zur Erweiterung auf andere Körperbereiche läuft.

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Risiken und Grenzen des Kunststoffverfahrens

Wie bei jedem Eingriff können Nerven und Gefäße verletzt werden und es kann zu Blutungen und Infektionen kommen. Noch fehlen zum lichtgehärteten Stabilisierungssystem Langzeitdaten, die über zwei Jahre hinausgehen. Laut einer Studie mussten innerhalb eines Jahres nach dem Eingriff sieben von 79 Patienten erneut operiert werden, weil das Implantat gebrochen war.

Komplexe Brüche bei älteren Menschen bleiben für Chirurgen eine große Herausforderung. Es gibt inzwischen verschiedene Verfahren, die alle Vor- und Nachteile haben. Das lichtgehärtete Stabilisierungssystem erweitert für eine ausgewählte Patientengruppe die Möglichkeiten der Behandlung - vor allem wenn eine schnelle Mobilisierung nach dem Eingriff wichtig ist.

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Quelle: dpa

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Über dieses Thema berichtete das ZDF in der Sendung "Volle Kanne" am 06.03.2026, ab 09:05 Uhr.

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