Posttraumatische Belastungsstörung: Kurzzeittherapie bei PTBS

Seelische Verletzungen nach Trauma:Kurzzeittherapie bei posttraumatischer Belastungsstörung

von Anja Braunwarth

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Krieg, Unfälle, Vergewaltigungen sind typische Auslöser einer posttraumatischen Belastungsstörung. Doch auch der Aufenthalt auf einer Intensivstation kann eine Ursache dafür sein.

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Eine Intensivstation wieder zu verlassen, ist für jeden Patienten eine Erleichterung. Doch es können Spuren auf der Seele zurückbleiben - wie bei Nicole Zierath.

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Ängste, Panik und Schlafstörungen können Anzeichen einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) sein. Sie entwickelt sich als Folge stark belastender Ereignisse wie Gewaltverbrechen, Kriegserlebnisse oder Naturkatastrophen.

Jährlich sind etwa zwei bis drei Prozent aller Menschen in Deutschland von einer PTBS betroffen. Zwei Merkmale tragen zur Entstehung bei: Das Erlebnis ist lebensbedrohlich und die Betroffenen können nichts dagegen ausrichten. Die Dauer spielt dagegen keine Rolle.

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Anzeichen einer posttraumatischen Belastungsstörung

Zu einer PTBS gehören Flashbacks - immer wieder aufkommende Erinnerungen an die traumatische Situation, die sich nicht verdrängen lassen. Typisch ist auch eine Übererregbarkeit, eine Art dauernde Alarmbereitschaft, erklärt Jochen Gensichen vom Institut für Allgemeinmedizin am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Schon kleine Reize machen die Patienten verrückt. Sie laufen wirklich gestresst durchs Leben.

Prof. Dr. Jochen Gensichen, Allgemeinmediziner

Die seelische Belastung führt oft zu einer depressiven Stimmung. Viele Betroffene ziehen sich aus dem sozialen Leben zurück. Außerdem entwickeln sie ein Vermeidungsverhalten, das heißt sie meiden Orte, Menschen oder Situationen, die sie an das Trauma erinnern könnten.

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PTBS erkennen und behandeln

Eine PTBS wird diagnostiziert, wenn die Symptome länger als vier Wochen andauern und den Alltag stark beeinflussen. Neben ausführlichen Gesprächen können spezielle Fragebögen bei der Diagnostik helfen. Ob und wie behandelt wird, hängt vom Ausmaß der Beschwerden und den individuellen Umständen ab.

Einigen Menschen gelingt es, mithilfe ihres Umfeldes das Erlebte zu verarbeiten, andere brauchen professionelle Hilfe durch Psychologen oder Psychiater. In diesen Fällen kommt eine Psychotherapie zum Einsatz, die sich auf das erlittene Trauma fokussiert.

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PTBS nach Intensivstation

Jährlich werden in Deutschland etwa zwei Millionen Menschen auf Intensivstationen behandelt. Auch dieses Erlebnis löst häufig eine PTBS aus.

Man geht ungefähr von 20 Prozent aus, die eine solche seelische Belastung von der Intensivstation mitnehmen.

Prof. Dr. Jochen Gensichen, Allgemeinmediziner

Oft hinterlässt der Aufenthalt auf einer Intensivstation nicht nur Spuren in der Psyche, es können auch körperliche Symptome und kognitive Einschränkungen zurückbleiben. Mediziner bezeichnen das als Post-Intensive-Care-Syndrom (PICS).

Ein Post-Intensive-Care-Syndrom (PICS) kann schon während des Aufenthaltes auf der Intensivstation beginnen und nach der Entlassung jahrelang anhalten.

Mögliche körperliche und geistige Symptome sind Erschöpfung, chronische Schmerzen, zum Beispiel in den Extremitäten, Muskelschwäche sowie Konzentrations- oder Gedächtnisstörungen. Auch Angststörungen, Depressionen oder eine posttraumatische Belastungsstörung gehören zu den potentiellen Folgen.

Es gibt keine einheitlichen Maßnahmen, um einem PICS vorzubeugen. Als hilfreich haben sich unter anderem das Erfassen und ausreichende Behandeln von Schmerzen und eine frühe Mobilisation erwiesen.


Versorgungsengpässe in der Psychotherapie

Psychotherapieplätze sind knapp und die Wartezeit darauf beträgt in Deutschland etwa 90 Tage. Wenn mehr als 50 Tage vergehen, sinken die Erfolgsaussichten bei der Behandlung einer PTBS deutlich, betont Gensichen. Mit einem Kurzzeitverfahren zur Traumabearbeitung, der narrativen Expositionstherapie, ließe sich der Engpass überbrücken.

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Das Verfahren kann nach Schulung zum Beispiel auch von Hausärzten angewendet werden. Normalerweise umfasst die Behandlung etwa zehn bis zwölf Sitzungen. Das Team des LMU Klinikums München hat eine stark verkürzte Version mit drei Sitzungen entwickelt und sie bei Patienten mit milder PTBS nach intensivmedizinischer Behandlung untersucht.

Das Konzept der narrativen Expositionstherapie wurde an der Universität Konstanz entwickelt. Patienten erzählen dabei chronologisch ihre Lebensgeschichte. Kommen sie an ein emotional besetztes Ereignis, hakt der Therapeut nach. Er erfragt, was die Person dabei empfunden und was sich dadurch in ihrem Leben verändert hat.

Danach folgt ein Sprung in die Gegenwart und der Therapeut stellt ähnliche Fragen, zum Beispiel zu Wahrnehmungen im Raum. Patienten beruhigen sich dadurch oft, ehe sie wieder in die Vergangenheit geführt werden. Das Pendeln zwischen Gegenwart und Vergangenheit vermittelt ihnen schließlich Sicherheit. Sie lernen ihre belastenden Erlebnisse klar der Vergangenheit zuzuordnen.


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Schnelle Hilfe bei milder PTBS

Die Kurzzeittherapie wurde im Rahmen einer Studie mit Hausärzten durchgeführt. Fälle, die nach der Ersteinschätzung durch Spezialisten eine klassische längere Psychotherapie brauchten, wurden ausgeschlossen.

Schwere Fälle von PTBS sollten von Psychologen und Psychiatern fachgerecht behandelt werden.

Prof. Dr. Jochen Gensichen, LMU Klinikum München

Das Ergebnis: 28 Prozent erlebten schon durch drei Sitzungen bei ihren Hausärzten eine deutliche Besserung ihrer Symptome. In der Vergleichsgruppe ohne die spezielle Intervention waren es 12,5 Prozent.

Die Studienautoren sehen in der Kurzzeittherapie eine erfolgversprechende Maßnahme, die etabliert werden könnte. Unklar ist derzeit jedoch, wie das Verfahren abseits von Studien finanziert und in die hausärztliche Versorgung integriert werden kann.

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Über dieses Thema berichtete das ZDF in der Sendung "Volle Kanne" am 16.03.2026, ab 09:05 Uhr

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