Weniger Geld für ambulante Psychotherapie - "falsches Signal"

"Falsches Signal" an Patienten:Weniger Geld für ambulante Psychotherapie

von Jana Nieskes

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Für psychotherapeutische Leistungen gibt es ab April weniger Geld. Psychotherapeuten warnen, dass die Entscheidung die Wartezeiten auf einen Therapieplatz weiter verlängern könnte.

Ein Mann in einer Therapiesitzung bei einem Psychiater.

Psychotherapeuten erhalten für ambulante Leistungen ab April weniger Geld. Die Krankenkassen geben als Grund "überproportionale Honorarerhöhungen" in den letzten Jahren an.

13.03.2026 | 0:35 min

4,5 Prozent weniger Vergütung für ambulante Psychotherapie - das hat der Erweiterte Bewertungsausschuss am Donnerstag beschlossen. Dort entscheiden der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV-SV), die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und drei unparteiische Mitglieder. Einig waren sie sich in diesem Fall aber nicht: Die Krankenkassen setzten sich durch, der KBV bezeichnete den Beschluss hingegen als "Unding".

Das Nachsehen werden leider vor allem die Patientinnen und Patienten haben, deren Nachfrage nach psychotherapeutischen Leistungen in den letzten Jahren stetig gestiegen ist.

Andreas Gassen, Vorsitzender KBV

Auch Psychotherapeuten kritisieren die geplanten Kürzungen scharf. Die Deutsche Psychotherapeuten Vereinigung (DPtV) bezeichnete die Entscheidung als "fatales Signal". Schon heute sei die Versorgungssituation für viele psychisch erkrankte Menschen angespannt, gleichzeitig steige der Bedarf an psychotherapeutischer Behandlung weiter an.



"In dieser Situation die Vergütung ambulanter Psychotherapie abzusenken, ist aus unserer Sicht fachlich nicht nachvollziehbar und gesundheitspolitisch ein klarer Rückschritt", teilte die DPtV mit.

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Krankenkassen verteidigen Kürzungen

Aus Sicht der Krankenkassen waren die Kürzungen notwendig. Sie hatten ursprünglich sogar gefordert, das Honorar ambulanter Psychotherapeuten um zehn Prozent zu senken. Die nun beschlossenen 4,5 Prozent seien ein "angemessener Kompromiss", erklärte der GKV-Spitzenverband.

Der Grund: Laut den Krankenkassen haben niedergelassene Psychotherapeutinnen und -therapeuten mit einer eigenen Praxis in den vergangenen Jahren "überproportionale Honorarerhöhungen" erhalten. Die Ausgaben für ambulante psychotherapeutische Versorgung hätten sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt, so der GKV-Spitzenverband.

Obwohl die Anzahl der Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten stetig steigt und sich die Leistungsmenge ausweitet, ist keine verbesserte Versorgung verbunden mit verkürzten Wartezeiten zu erkennen.

GKV-Spitzenverband

Dem widerspricht das Deutsche Psychotherapeuten Netzwerk (DPNW). Die Darstellung greife zu kurz, sagt der Vorsitzende Dieter Adler. "Dass trotz steigender Behandlungszahlen weiterhin Wartezeiten bestehen, zeigt daher eher das Gegenteil dessen, was die Krankenkassen suggerieren: nämlich, dass der Bedarf an psychotherapeutischer Versorgung größer ist als das vorhandene Angebot", sagt Adler.

Neben der Kürzung der Vergütung hat der Erweiterte Bewertungsausschuss auch beschlossen, dass die sogenannten Strukturzuschläge um 14,5 Prozent erhöht werden. Der GKV-Spitzenverband argumentiert, dass die Honorarkürzungen damit in Summe kleiner ausfallen würden – nämlich insgesamt 2,3 Prozent. Die Bundespsychotherapeutenkammer rechnet für psychotherapeutische Praxen, die die Strukturzuschläge in vollem Umfang erhalten, in Summe mit einer Absenkung der Honorare um circa 2,8 Prozent.

Die Strukturzuschläge seien jedoch eingeführt worden, um Therapeuten von organisatorischen Aufgaben zu entlasten, damit sie mehr Zeit für Patienten haben, entgegnet Dieter Adler vom Deutschen Psychotherapeuten Netzwerk. Das Geld solle stark ausgelasteten Praxen ermöglichen, Mitarbeiter für Aufgaben wie die Terminvergabe oder Abrechnung zu beschäftigen. "Die Strukturzuschläge sind daher nicht dafür geschaffen worden, Honorarkürzungen auszugleichen", sagt Adler.


Längere Wartezeiten auf Therapieplatz befürchtet

Auch das PatientInnen-Netzwerk NRW kann die Entscheidung nicht nachvollziehen: "Wir setzen uns eigentlich dafür ein, dass die Versorgung ausgebaut wird", sagt Sprecherin Vanessa Rengers-Patz. Dass es jetzt eine Kürzung gebe, sei "einfach absurd".

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Viele Patienten würden schon jetzt lange auf einen Therapieplatz warten, besonders im ländlichen Raum. Die nun beschlossene Kürzung könnte die Wartezeiten für gesetzlich Versicherte weiter verlängern, befürchtet Rengers-Patz.

Davor warnt auch das Deutsche Psychotherapeuten Netzwerk:

Es ist zu befürchten, dass Praxen stärker gezwungen sein könnten, einen Teil ihrer Kapazitäten auf privatversicherte Patientinnen und Patienten zu verlagern, um wirtschaftlich arbeiten zu können.

Dieter Adler, Deutsches Psychotherapeuten Netzwerk

Außerdem habe die Entscheidung auch eine problematische Signalwirkung: "Für Menschen, die psychotherapeutische Hilfe suchen, entsteht der Eindruck, dass psychotherapeutische Behandlung politisch als weniger wichtig bewertet wird. Das ist ein falsches Signal gegenüber kranken Menschen, die Unterstützung benötigen."

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Therapeuten wollen Entscheidung nicht hinnehmen

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung forderte nun, die Berechnungen zu überprüfen, auf deren Grundlage die Kürzungen beschlossen wurden. Sie seien "trotz nachweislicher Mängel" nicht modifiziert worden und hätten zu der ungerechtfertigten Absenkung geführt. "Wir werden darauf drängen, dass die Berechnungssystematik geändert wird", kündigte KBV-Chef Gassen an.

Die Deutsche Psychotherapeuten Vereinigung kündigte unterdessen an, die Kürzungen nicht hinzunehmen. Man habe eine Petition im Bundestag eingereicht, teilte der Verband mit. Auch in den sozialen Medien riefen Psychotherapeutinnen und -therapeuten zum Protest auf. Eine Online-Petition sammelte bis Freitagmittag mehr als 120.000 Unterschriften.

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Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress in dem Beitrag "Weniger Geld für ambulante Psychotherapie" am 13.03.2026 um 18:43 Uhr.

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