Volkskrankheit Parodontose:Parodontitis rechtzeitig erkennen, behandeln und vorbeugen
von Nicole Clouth
Eine Parodontitis beginnt mit scheinbar harmlosen Zahnfleischbluten, das oft übergangen wird. Mit fatalen Folgen: Wer sich nicht um die Ursache kümmert, dem droht Zahnverlust.
Einmal begonnen wird man Parodontitis ein Leben lang nicht wieder los. Daher sollten Patienten regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen nicht versäumen.
12.05.2026 | 4:59 minBlutendes Zahnfleisch, ein brennendes Mundgefühl und ein komischer Geschmack im Mund - typische Symptome einer Parodontitis, umgangssprachlich auch Parodontose genannt. In Deutschland sind über 50 Prozent der Erwachsenen über 35 Jahren davon betroffen. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung des Zahnhalteapparates, erklärt Efthymios Pantas, niedergelassener Zahnarzt.
Schädliche Bakterien rufen eine Entzündungsreaktion des Zahnfleischs hervor.
Dr. Efthymios Pantas, Zahnarzt
Das Zahnfleisch ziehe sich immer weiter zurück. Zum Schluss bilde sich auch der Kieferknochen zurück, so Pantas. Langfristig drohe Zahnausfall.
Wie eine Parodontitis beginnt
In der Mundhöhle existiert ein Mikrobiom aus etwa 700 nützlichen, aber auch schädlichen Bakterienarten. In einer gesunden Mundflora überwiegen die nützlichen Keime. Ist dieses Gleichgewicht durch eine schlechte Mundhygiene gestört, entsteht eine blutende Zahnfleischentzündung (Gingivitis). Bleibt sie unbehandelt, entwickelt sich daraus eine Parodontitis.
Die Zähne dienen hauptsächlich dazu, Nahrung zu zerkleinern. Welche weiteren Aufgaben haben sie, was schadet ihnen und wie hält man sie gesund? Fünf Fragen - fünf Antworten.
23.02.2026 | 5:15 minDie chronische Entzündung des Mundraums kann Folgen für den ganzen Organismus haben. Die schädlichen Bakterien können über den Blutkreislauf auch andere Stellen des Körpers befallen und zum Beispiel zu Herzmuskelentzündungen führen oder das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöhen.
Schlechte Mundhygiene, eine genetische Vorbelastung und Rauchen sind die Hauptverursacher der Parodontitis. Raucher haben ein um zwei- bis siebenfach höheres Risiko an Parodontitis zu erkranken als Nichtraucher. Rauchen führt zu Durchblutungsstörungen und schwächt die Immunabwehr. Das wirkt sich auch auf das Zahnfleisch aus. Kommt eine schlechte Mundhygiene hinzu, kann die Parodontitis ungestört voranschreiten. Für eine gute Mundhygiene sollten die Zähne zweimal täglich mindestens zwei Minuten geputzt und Essensreste zwischen den Zähnen gründlich entfernt werden.
Parodontitis rechtzeitig vorbeugen
Häufig wird unterschätzt, dass Parodontitis fast jeden im Erwachsenenalter treffen kann, sagt Pantas. Daher sei es wichtig, schon in jungen Jahren regelmäßig zur Kontrolle und zur professionellen Zahnreinigung zu gehen. Nur so könne einer Parodontitis rechtzeitig vorgebeugt werden. Beginne das Zahnfleisch öfter zu bluten, sollte man sich sofort um einen Termin kümmern, so der Zahnarzt.
Speichel im Mund ist wichtig - auch für unser Immunsystem. Menschen mit starker Mundtrockenheit leiden deshalb oft unter Entzündungen, Infektionen oder Karies. Was man dagegen tun kann.
25.09.2025 | 5:06 minWas eine Parodontitis verursacht
Meist werde Parodontitis durch nicht entfernte Essensreste verursacht, sagt Dentalhygienikerin Xheneta Rexhepi. Sie stecken in den Zahnzwischenräumen fest und werden beim Putzen von der Zahnbürste nicht richtig erreicht. Durch neue Reste werden sie immer tiefer ins Zahnfleisch gedrückt.
Zahnfleischtaschen entstehen, und zwar da, wo sich der Rand des Zahnfleischs vom Zahn ablöst und absackt. Normalerweise beträgt die Taschentiefe 0,5 bis zwei Millimeter. Ab einer Tiefe von drei Millimetern spreche man von einer Parodontitis, so Rexhepi.
Ein kleines Loch im Zahn, das klingt vielleicht harmlos. Doch Karies kann unbehandelt zu großen Problemen führen. Wie man die Zahnerkrankung erkennt, behandelt und verhindert.
20.03.2025 | 4:51 minBehandlung durch den Zahnarzt
Die Zahnfleischtaschen werden zunächst durch eine spezielle Sonde vorgereinigt. Dann entfernt der Zahnarzt unter örtlicher Betäubung in den Zahnfleischtaschen die Konkremente - Beläge und Zahnstein, die sich unsichtbar unterhalb des Zahnfleischrandes an der Zahnwurzel gebildet haben.
Werden sie regelmäßig alle drei Monate entfernt, könne sich das Zahnfleisch erholen und sich der Zahnhalteapparat wieder festigen, erklärt Pantas. Man bekomme so die Entzündung in den Griff, Knochenrückgang aber sei irreversibel. Der Patient müsse daher eine neue Entzündung stets im Blick behalten.
Man hat eine Parodontitis ein Leben lang.
Dr. Efthymios Pantas, Zahnarzt
Der Zahnarzt empfiehlt Parodontitis-Patienten viermal im Jahr eine professionelle Zahnreinigung, die Bakterien und Zahnbeläge gründlich entfernt. Die Kosten werden in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, viele bezuschussen sie aber mittlerweile.
Es gibt zwei Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL), die zur Vorsorge bei Parodontitis von Zahnärzten empfohlen werden:
Mit dem aMMP-8 Test kann die Anzahl entzündlicher Enzyme im Speichel festgestellt werden, die bei einer Parodontitis für den Gewebeabbau verantwortlich sind. Je höher die Anzahl, desto größer die Gefahr einer sich entwickelnden Parodontitis. Der Test wird mithilfe eines Speichelabstrichs durchgeführt. Normalerweise sollte der aMMP-8 Wert weniger als 20 Nanogramm pro Milliliter betragen, bei Parodontitis-Patienten liegt er deutlich darüber. Die Kosten für den Test liegen bei 40 bis 50 Euro.
Bei fortgeschrittener Parodontitis wird Betroffenen häufig ein Keimtest angeboten. Dabei entnimmt der Arzt mithilfe von sterilen Papierspitzen Proben aus den infizierten Zahnfleischtaschen. Diese werden in ein Labor geschickt, um die schädlichen Bakterien genau zu bestimmen. Der Arzt kann dann gegebenenfalls gezielt Antibiotika einsetzen, um die Heilung der Parodontitis zu unterstützen. Die Kosten für den Test betragen etwa 150 Euro.
Ob beim Sport oder auf dem Schulhof: Zahnverletzungen passieren schnell. Wie Erste Hilfe aussieht, was bei ausgeschlagenen Zähnen zu beachten ist und welche Optionen es zur Versorgung gibt.
04.11.2025 | 5:05 minWas man selbst gegen Parodontitis tun kann
Die Dentalhygienikerin empfiehlt die regelmäßige Benutzung von Zahnseide und Interdentalbürsten. Beides sollte unbedingt abends vor dem Putzen angewendet werden, um Essensreste und Beläge zu lockern, die dann von der Zahnbürste entfernt werden. Bei umgekehrter Reihenfolge blieben gelockerte Reste und Beläge über Nacht in den Zahnzwischenräumen hängen, was zu vermeiden sei, so Xheneta Rexhepi.
Mit guter Mundhygiene, richtiger Prophylaxe und regelmäßigen Zahnarztbesuchen bleiben die eigenen Zähne bis ins hohe Alter gesund.
Wichtiger Hinweis in eigener Sache
Wer bei Google etwas sucht, bekommt neben den Suchergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen angezeigt.
Mit ZDFheute als hinterlegter Quelle bekommen Sie unsere Inhalte häufiger in die Schlagzeilen-Box gespielt - geprüfte Inhalte, direkt in Ihrem Überblick.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.
Mehr zum Thema Zahngesundheit
Xerostomie: Wenn Spucke fehlt:Warum Mundtrockenheit gefährlich werden kann
von Andreas Kürtenmit Video5:06Zahnverletzungen durch Unfälle:Abgebrochene oder ausgeschlagene Zähne richtig retten
von Gunnar Fischermit Video5:05Wichtiger Schutz vor Karies:Öko-Test untersucht Zahnpasta für Kinder
von Florence-Anne Kälblemit Video4:51
Weitere Gesundheits-Themen
Tag gegen den Schlaganfall:Warum bei einem Schlaganfall jede Minute zählt
von Silke PotthoffVerschleppte Erkältung, Grippe und Co.:Risiko Herzmuskelentzündung: Die unterschätzte Gefahr
von Tom Khazalehmit Video5:06Aktiv mit chronischer Atemwegserkrankung:Warum Sport bei Asthma wichtig ist
von Laren Müllermit Video5:12- FAQ
Saubere Hände, weniger Krankheiten:Hände waschen, aber richtig! So geht gute Händehygiene
von Luisa Luckhauptmit Video4:19