Frauenherzen schlagen anders:Herzerkrankungen bei Frauen besser erkennen und behandeln
von Corinna Klee
Bei Herzinfarkt denken viele sofort an Männer. Tatsächlich sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen auch bei Frauen die häufigste Todesursache. Warnzeichen werden immer noch oft übersehen.
Vorhofflimmern, verengte Herzkrankgefäße, erhöhtes Cholesterin: Im Frauenherzzentrum der Universitätsmedizin Frankfurt steht das Herz von Frauen im Fokus.
28.05.2026 | 5:21 minHerz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen werden nach wie vor häufig unterschätzt. Um Frauen mit Herzerkrankungen besser diagnostizieren und behandeln zu können, hat die Universitätsmedizin Frankfurt am Main das Women’s Heart Health Center gegründet. Es ist das das erste universitäre Frauenherzzentrum Deutschlands und widmet sich speziell der Erforschung und Therapie weiblicher Herzerkrankungen.
So arbeitet das Frauenherzzentrum
Im Frauenherzzentrum arbeiten verschiedene Fachrichtungen wie Kardiologie, Gynäkologie und Stoffwechselmedizin eng zusammen. Im Fokus stehen dabei die Besonderheiten von Herzkrankheiten bei Frauen wie hormonelle Einflüsse und spezielle Risikofaktoren. Gleichzeitig will das Zentrum Forschungslücken schließen und Frauen stärker für Prävention und Früherkennung sensibilisieren.
Frauen unterscheiden sich biologisch in vielen Punkten von Männern - auch in Bezug auf das Herz. Das weibliche Organ ist meist kleiner, steifer und weniger elastisch. Es schlägt etwas schneller und ist anderen hormonellen Veränderungen ausgesetzt als das Männerherz.
Besonders die Wechseljahre haben einen wichtigen Einfluss auf das weibliche Herz: Sinkt der Östrogenspiegel, steigt das Risiko für Bluthochdruck, Gefäßverkalkungen und Herzinfarkte deutlich an.
Männer bekommen früher im Leben Herzerkrankungen, was häufig im Zusammenhang mit Alkohol, Rauchen und Übergewicht steht. Allerdings holen Frauen nach der Menopause auf und sind dann genauso häufig wie Männer von Herzerkrankungen betroffen.
Bei Frauen werde ein Herzinfarkt oft später erkannt, sagt Lena Seegers, Leiterin des Frauenherzzentrums der Universitätsmedizin Frankfurt am Main. Dies liege vor allem daran, dass Frauen andere Symptome hätten.
06.02.2026 | 6:40 minSymptome für Herzinfarkt bei Frauen oft nicht eindeutig
Bei Frauen äußern sich Erkrankungen wie Vorhofflimmern, verengte Herzkranzgefäße oder ein Herzinfarkt häufig anders. Der typische starke Brustschmerz, wie ihn viele Männer bei einem Herzinfarkt erleben, fehlt meistens. Frauen zeigen eher unspezifische Symptome wie Schmerzen im Rücken oder Oberbauch.
Häufig werden die Symptome nicht mit Herzproblemen in Verbindung gebracht, sondern in Richtung Stress oder Alter geschoben.
Dr. Stephanie Wissel, Fachärztin für Kardiologie
Die Folge sei, dass Patientinnen im Ernstfall zu spät in die Klinik kommen und wichtige Behandlungen wie Herzkatheter-Eingriffe oder blutverdünnende Medikamente verzögert erhalten, erklärt Stephanie Wissel vom Frauenherzzentrum der Universitätsmedizin Frankfurt. Bei einem Herzstillstand werden sie zudem seltener wiederbelebt als Männer.
- Andauernde Schmerzen im Oberkörper, zum Beispiel in Armen, Rücken, Schultern oder Oberbauch, aber auch im Kiefer
- plötzliche Atemnot ohne erkennbare Ursache
- anhaltendes Druck- oder Engegefühl in der Brust
- anhaltende Schwindel- oder Kreislaufprobleme
Rund fünf Millionen Menschen in Deutschland sind von einer koronaren Herzkrankheit betroffen. Die Arterienverkalkung in den Herzkranzgefäßen entwickelt sich oft unbemerkt.
03.11.2025 | 5:07 minWeibliche Risikofaktoren für Bluthochdruck
Im Frauenherzzentrum werden die speziellen Risikofaktoren von Frauen mitbedacht. Ein wesentlicher ist Bluthochdruck. Was viele Frauen nicht wissen: Die Antibabypille führt bei einem kleinen Prozentsatz zu einem Anstieg des Blutdrucks.
Außerdem entwickelt jede zehnte Schwangere im Laufe der Schwangerschaft einen Bluthochdruck, der überwacht oder medikamentös behandelt werden muss. Frauen mit Schwangerschaftskomplikationen wie einer Schwangerschaftsvergiftung haben zudem oft ein erhöhtes Langzeitrisiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Mehr als die Hälfte aller Frauen entwickelt in und nach den Wechseljahren Bluthochdruck - auch, wenn sie zu keiner Risikogruppe gehören. Grund ist der sinkende Östrogenspiegel.
15.05.2026 | 5:03 minWenn Cholesterin die Gefäße verengt
Hohe Cholesterinwerte sind ein weiterer Risikofaktor bei Frauen. Cholesterin kann sich an den Gefäßwänden ablagern und dort gefährliche Plaques bilden. Dadurch verengen sich die Blutgefäße und sind weniger elastisch. Das erhöht das Risiko für Durchblutungsstörungen. Die Folge sind Herzinfarkt und Schlaganfall.
Ein hoher Cholesterinwert lässt sich häufig durch Ernährungsumstellung, Bewegung und Gewichtsabnahme verbessern. Dies gilt nicht für das Lipoprotein(a), ein spezielles Blutfett. Wie viel davon der Körper bildet, ist genetisch festgelegt. Es gilt als unabhängiger Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen beider Geschlechter.
Wir empfehlen, Lipoprotein(a) einmal im Leben bestimmen zu lassen.
Dr. Stephanie Wissel, Frauenherzzentrum Universitätsmedizin Frankfurt am Main
Betroffene mit hohem Risiko können so früh identifiziert und präventiv behandelt werden.
Kaum Forschung zu Frauenherzen
Das weibliche Herz wird von der Wissenschaft nach wie vor vernachlässigt. Studien sind bis heute vor allem auf Männer ausgerichtet, erklärt Stephanie Wissel. Therapien orientieren sich immer noch an männlichen Studiendaten. Das hat Folgen für Diagnose und Behandlung von Herzerkrankungen bei Frauen.
Medikamente haben bei Frauen zum Beispiel oft ganz andere Nebenwirkungen.
Dr. Stephanie Wissel, Kardiologin
Denn: Viele Medikamente werden von Frauen anders verstoffwechselt und häufig schlechter vertragen. Oder sie können in ihrer Wirkstärke variieren. Klinische Studien sollten deswegen beide Geschlechter einbeziehen, so die Kardiologin. Im Frauenherzzentrum steht daher auch Forschung im Mittelpunkt.
Frauen sterben häufiger an Herzinfarkten, ADHS bleibt bei Mädchen oft unerkannt, Männer sprechen selten über psychische Probleme. Wie kann die Medizin allen gerecht werden?
17.07.2025 | 29:44 minWichtiger Hinweis in eigener Sache
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