Wechseljahre: Risiko für Bluthochdruck verdoppelt sich

Risiko Bluthochdruck bei Frauen:Wie sich der Blutdruck in den Wechseljahren ändert

von Anja Braunwarth

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Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen und Schlafstörungen sind typische Zeichen der Wechseljahre. Zeitgleich entwickelt sich oft auch eine kaum spürbare Gefahr: Bluthochdruck.

Bluthochdruck in den Wechseljahren

Ein Leben lang war der Blutdruck niedrig und plötzlich schießt er in die Höhe. Das erleben viele Frauen nach den Wechseljahren. Arzu Secer ist eine von ihnen.

15.05.2026 | 5:03 min

Bis zu den Wechseljahren leiden in der Regel mehr Männer als Frauen unter einem hohen Blutdruck. Danach holen Frauen rasch auf. In den Wechseljahren verdoppelt sich bei ihnen das Risiko für Bluthochdruck. Mehr als die Hälfte der Frauen erkrankt daran in den ersten Jahren nach der letzten Regelblutung, der Menopause. Damit steigt die Gefahr für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

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Wie Bluthochdruck in den Wechseljahren entsteht

Einer der wichtigsten Gründe für den steigenden Blutdruck nach der Menopause ist der Abfall des Östrogens. Vor den Wechseljahren wirkt das Hormon schützend, erklärt Lisa Dannenberg, Kardiologin am Universitätsklinikum Düsseldorf.

Durch die Östrogene werden die Gefäße geweitet. Das führt dazu, dass das Blut mehr Platz hat und weniger Druck entsteht.

PD Dr. Lisa Dannenberg, Kardiologin

Der sinkende Östrogenspiegel hat außerdem zur Folge, dass der Appetit steigt und der Stoffwechsel langsamer arbeitet. Viele Frauen nehmen daher in den Wechseljahren zu, was ebenfalls Bluthochdruck fördert. Nicht zuletzt sorgen Hitzewallungen und Schlafstörungen in dieser Zeit für Stress - ein weiterer Risikofaktor für hohen Blutdruck.

Mit jedem Herzschlag zieht sich das Herz zusammen und pumpt Blut in die Arterien des Körpers. Das übt Druck auf die Gefäße aus: den Blutdruck. Er wird mit zwei Werten angegeben, dem systolischen und dem diastolischen Druck.
Der systolische Druck ist der Druck beim Schlag des Herzens. Der diastolische Druck ist derjenige zwischen zwei Schlägen, wenn das Herz sich entspannt.


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Wann der Blutdruck zu hoch ist

Blutdruckwerte bis 120 zu 70 Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) gelten als normal. Werte zwischen 120 bis 139 zu 70 bis 89 mmHg sind als erhöhter Blutdruck definiert, der kontrolliert werden sollte. Je nach individuellem Risikoprofil wird dann bereits eine blutdrucksenkende Therapie nötig.

Frauen haben generell mit diesen Werten schon ein höheres Risiko für schwere Komplikationen als Männer, was unter anderem an ihren Hormonen liegt. Viele Experten fordern daher eine geschlechtsangepasste Neudefinition der Grenzwerte. Ab Werten über 140 zu 90 mmHg liegt in jedem Fall ein Bluthochdruck vor, der behandelt werden sollte.

90 Prozent aller Bluthochdruck-Patienten haben eine sogenannte primäre Hypertonie, für die man keinen Grund findet.

PD Dr. Lisa Dannenberg, Universitätsklinikum Düsseldorf

Ein einmalig erhöhter Wert reicht noch nicht für die Diagnose Bluthochdruck. Gesichert wird sie erst durch wiederholte Messungen.

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Was macht Bluthochdruck so gefährlich?

Ein erhöhter Blutdruck verursacht Entzündungsreaktionen und Kalkablagerungen in den Arterien. Das kann zu gefährlichen Verschlüssen in den Gefäßen führen. Es drohen zum Beispiel Herzinfarkt und Schlaganfall.

Eine weitere häufige Folge von Bluthochdruck ist die Herzschwäche, medizinisch Herzinsuffizienz. Sie entsteht, weil das Herz ständig gegen den hohen Druck anpumpen muss. Bluthochdruck schädigt auf Dauer weitere Organe wie Nieren oder Augen.

In Deutschland hat etwa jeder fünfte Erwachsene Bluthochdruck. Die meisten merken lange nichts davon, denn er verursacht kaum Beschwerden. Nur selten klagen Betroffene zum Beispiel über Kopfschmerzen oder Schwindel. Deshalb sollten regelmäßige Kontrollen beim Arzt stattfinden.

Mit Blick auf die Wechseljahre rät die Deutsche Hochdruckliga e. V. Frauen ab 45 Jahren, sich bei jedem Arztbesuch den Blutdruck messen zu lassen. Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie empfiehlt allgemein bei Erwachsenen unter 40 Jahren, den Blutdruck alle drei Jahre zu überprüfen - danach jährlich.


So lässt sich der Blutdruck senken

Bei Bluthochdruck werden zunächst Anpassungen des Lebensstils empfohlen. Dazu gehören der Abbau von Übergewicht, der Verzicht auf Rauchen und Alkohol, viel Bewegung und eine salzarme Ernährung.

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Oft genügt das aber nicht, um den Blutdruck ausreichend zu senken. Dann steht eine Reihe von Medikamentengruppen einzeln oder in Kombination zur Verfügung.

Beide Geschlechter werden mit den gleichen Substanzen behandelt. Doch Frauen reagieren nicht auf alle genauso wie Männer. Manche Medikamente werden bei ihnen anders verstoffwechselt. Das liegt unter anderem an Unterschieden in der Fettverteilung und Körpergröße.

Da haben wir teilweise Unterdosierungen bei Frauen und sie haben trotz Therapie immer noch hohe Blutdruckwerte.

PD Dr. Lisa Dannenberg, Kardiologin

Wie genau sich die Dosierungen besser an die Geschlechter anpassen lassen, muss in Studien noch ausführlicher untersucht werden.

Hormonersatztherapie und Bluthochdruck

Lange bestand der Verdacht, dass der Blutdruck von Frauen in den Wechseljahren durch eine Hormonersatztherapie steigt. Das wurde vor allem bei oraler Einnahme der Hormone befürchtet. Neuere Studien konnten das nicht bestätigen - auch nicht, wenn bereits ein Bluthochdruck vorliegt. Regelmäßige Kontrollen sind dennoch unverzichtbar.

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Über dieses Thema berichtete das ZDF in der Sendung "Volle Kanne" am 15.05.2026, ab 09:05 Uhr.

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