Wenn die Stimme versagt:Dysphonie: Wie Stimmprobleme Alltag und Beruf belasten
von Caroline Nixdorff
"Wir sind Helden"-Sängerin Judith Holofernes kennt das Problem: Ihre Stimme streikt. Auch wer beruflich viel spricht, ist oft von Dysphonie betroffen. Was bei Stimmproblemen hilft.
Heiserkeit bis hin zu Stimmverlust - bei Dysphonie wird Sprechen zur Herausforderung. Besonders kritisch ist das, wenn Sprechen zum Beruf gehört.
07.05.2026 | 5:09 minRund 30 Prozent der Bevölkerung leiden laut Deutschem Bundesverband für Logopädie e. V. im Laufe ihres Lebens an einer Stimmstörung. Eine Personengruppe ist davon besonders betroffen, erklärt Logopäde Marco Parrino.
Menschen, die ihre Stimme im Job viel gebrauchen wie Lehrkräfte oder Sängerinnen und Sänger haben eine deutlich höhere Tendenz zu einer Stimmstörung.
Marco Parrino, Logopäde für Stimmstörung
Wer viel spricht oder singt, beanspruche die Stimmlippen intensiver - oft ohne ausreichende Erholungsphasen. Das mache die Stimme anfälliger für Störungen, so Parrino.
Was ist Dysphonie?
Dysphonie bedeutet übersetzt Stimmstörung oder Heiserkeit. Dabei liegt an der Entstehungsstelle der Stimme, dem Kehlkopf, eine Störung vor. Im Normalfall schwingen die Stimmlippen harmonisch. Allerdings kann dieser Prozess durch verschiedene Einflüsse beeinträchtigt sein, etwa durch falsche oder übermäßige Benutzung der Stimme.
Tonhöhe, Klangfarbe und Melodie machen die menschliche Stimme so einzigartig wie ein Fingerabdruck. Wo liegen die Gefahren der Manipulation - gerade im Zeitalter von KI?
08.05.2025 | 43:59 minDie Folge: Heiserkeit und eine verminderte Belastbarkeit der Stimme. Zudem entspricht die Stimme nicht mehr der gewohnten Klangqualität. Die Symptome können vorübergehend sein. Sie können aber auch chronisch werden, sodass ein Besuch beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt nötig wird.
Die Stimmbildung erfolgt im Kehlkopf (Larynx). Dort liegen die Stimmlippen, zwei elastische Muskelbänder. Strömt Luft aus der Lunge hindurch, beginnen sie zu schwingen, ein Ton entsteht. Tonhöhe und Lautstärke hängen von Spannung, Länge der Stimmlippen und dem Luftdruck ab. Fachleute sprechen vom sogenannten myoelastisch-aerodynamischen Prinzip. Mund-, Nasen- und Rachenraum wirken als Resonanzräume und formen den individuellen Klang der Stimme. Ist dieses Zusammenspiel gestört, kann die Stimme heiser, rau oder kraftlos klingen.
Jede Stimme ist einzigartig. Aber wie entsteht unsere Stimme überhaupt?
05.03.2025 | 1:17 minSo äußert sich eine Stimmstörung
Hält Heiserkeit länger als drei Wochen an, sollte sie ärztlich abgeklärt werden. Auch angestrengtes Sprechen, Veränderungen in der Stimme selbst (Klang, Tonlage) und Missempfindungen im Halsbereich können Anzeichen für eine Dysphonie sein.
Eine Kehlkopfspiegelung und Stimmtests zeigen mögliche Veränderungen der Stimmbänder. Zu den wichtigsten Risikofaktoren für Stimmstörungen zählen neben starker Stimmbelastung auch Infekte, Rauchen und Stress.
Laut einer Studie der Techniker Krankenkasse sind zwei Drittel der Deutschen zumindest manchmal gestresst. Stressfaktor Nummer Eins: zu hohe Ansprüche an sich selbst.
26.11.2025 | 1:33 minFormen und Ursachen der Dysphonie
Grundsätzlich unterscheiden Fachleute zwischen einer funktionellen und organischen Dysphonie. Bei der funktionellen Variante sind die Bewegungsabläufe des Stimmapparates gestört. Durch Überlastung oder falsche Belastung wird die Stimme brüchig.
In seltenen Fällen können psychische Faktoren wie Stress oder emotionale Belastung eine Rolle spielen und Heiserkeit hervorrufen. Diese funktionelle Form macht etwa 60 bis 70 Prozent aller Fälle aus. Eine funktionelle Dysphonie lässt sich in der Regel gut therapieren.
Wird mit der Therapie zu lange gewartet, können auch organische Veränderungen entstehen wie Knötchen an den Stimmlippen oder Entzündungen.
Marco Parrino, Logopäde für Stimmstörung
Sind Veränderungen am Kehlkopf oder an den Stimmlippen die Ursache der Stimmstörung, spricht man von einer organischen Dysphonie.
Eine Hirnhautentzündung wird oft erst spät erkannt. Umso wichtiger ist es zu wissen, bei welchen Anzeichen man aufmerksam werden sollte und wann ärztliche Hilfe dringend notwendig ist.
21.04.2026 | 4:47 minIm Fall der Sängerin Judith Holofernes ist die Stimmstörung offenbar neurologisch bedingt. Sie leidet seit 2017 an einer sogenannten spasmodischen Dysphonie und macht eine Hirnhautentzündung (Meningitis) dafür verantwortlich. Diese Form der Dysphonie gilt als nicht heilbar. Eine Therapie kann die Beschwerden jedoch mindern.
Eine spasmodische Dysphonie ist sehr selten. Es handelt sich um eine neurologisch bedingte Stimmstörung, unter der laut eigenen Aussagen auch Judith Holofernes, die Sängerin der Deutschpop-Band "Wir sind Helden", leidet.
Beim Sprechen kommt es zu Krämpfen der Muskeln, die auch an der Stimmgebung beteiligt sind. Das führt zu einer Veränderung des Stimmklangs. Die Stimme kann zwischenzeitlich ganz verschwinden, klingt sonst oft leise oder abgehackt, typisch sind plötzliche "Stolperer" beim Sprechen oder Singen.
Die Therapie erfolgt oft mit Injektionen von Botulinumtoxin in die betroffenen Kehlkopfmuskeln. Dadurch sollen die überaktiven Muskeln entspannen, sodass es nicht zu Krämpfen kommt und wieder möglichst normal gesprochen werden kann. Die Injektionen müssen alle drei bis vier Monate wiederholt werden.
Autorin Judith Holofernes zu Gast bei Volle Kanne: Sie spricht über ihre ADHS-Diagnose, ihre neue Rolle als Autorin und ab Minute 20:20 über eine Stimmstörung, die das Singen für sie unmöglich macht.
12.03.2026 | 80:20 minStimmstörung behandeln und vorbeugen
Die Behandlung der Dysphonie richtet sich nach der Ursache. In vielen Fällen hilft Logopädie. Gezielte Stimm- und Atemübungen unterstützen dabei, die Stimme schonend und effizienter als vorher einzusetzen. Die Prognose ist gut. Oft tritt nach einigen Wochen eine deutliche Verbesserung ein. Operative Eingriffe kommen in Betracht, wenn organische Ursachen vorliegen oder konservative Maßnahmen nicht ausreichen.
Wenn die Stimme dauerhaft versagt, können Stimmlippenknötchen dahinterstecken, so wie bei Farida Ali. Wie die junge Frau ihre Stimme zurückbekam.
18.09.2024 | 4:54 minEin einfacher, aber wirkungsvoller Schutz ist es, der Stimme immer wieder bewusst Ruhe zu gönnen.
Regelmäßige Stimmpausen können helfen, besonders in Umgebungen mit lauten Störgeräuschen wie Restaurants oder Bars.
Marco Parrino, Logopäde für Stimmstörung
Ebenso rät der Logopäde, sich nicht zu häufig intensiv zu räuspern. Denn das könne eine Dysphonie begünstigen. Besser sei es, etwas zu trinken oder alternativ zu summen.
Wer erste Anzeichen anhaltender Heiserkeit bemerkt, sollte seine Stimme schonen und rechtzeitig ärztlichen Rat einholen, um langfristige Folgen oder Schäden zu verhindern.
Wichtiger Hinweis in eigener Sache
Wer bei Google etwas sucht, bekommt neben den Suchergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen angezeigt.
Mit ZDFheute als hinterlegter Quelle bekommen Sie unsere Inhalte häufiger in die Schlagzeilen-Box gespielt - geprüfte Inhalte, direkt in Ihrem Überblick.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.
Weitere Gesundheits-Themen
Notfall Hirnhautentzündung:Lebensgefährliche Meningitis erkennen und behandeln
von Laren Müllermit Video4:47Aktiv mit chronischer Atemwegserkrankung:Warum Sport bei Asthma wichtig ist
von Laren Müllermit Video5:12Hautkrebs-Screening überflüssig?:Früherkennung von Hautkrebs auf dem Prüfstand
von Isabel de la Vegamit Video4:48
Weitere Ratgeber-Themen
Auszeit ohne Stress:Calmcation: Wie Sie im Urlaub echte Ruhe und Erholung finden
von Sven Schefflermit Video0:56Phishing-Versuche nach Datenleck:So schützen Sie sich vor Betrugsversuchen über Booking.com
von Thilo Hopertmit Video0:40Kostenfallen bei Pflegeleistungen:Dubiose Geschäfte rund um die Pflegeversicherung
von Sybille Schultzmit Video0:50Akku-Sicherheit bei E-Bikes:So senken Sie das Brandrisiko von E-Bike-Akkus
von Jenny Busannymit Video0:43