Tag gegen Lärm:Lärm als Gefahr für die Gesundheit
von Wiba Keke Wermann
Lärm hat negative gesundheitliche Folgen - nicht nur für das Gehör. Auch auf den Körper können die Auswirkungen extrem sein, warnen Experten. Wie man sich vor Lärm schützen kann.
Bei einem "Hörspaziergang" bewusst den Geräuschen aus der Umgebung lauschen: Welche positiven Auswirkungen hat das auf den Körper? Ein Forschungsprojekt untersucht genau das.
29.04.2026 | 5:25 minKaum jemand kann Lärm dauerhaft umgehen. Vor allem Menschen in Städten sind hoher Lärmbelastung ausgesetzt. Straßenverkehr ist die Hauptlärmquelle. Studien zeigen, dass ständige Lärmbelastung gesundheitsschädlich ist - nicht nur für das Gehör, sondern auch für das Herz-Kreislauf-System.
Doch wie kann man sich schützen und wie kann Künstliche Intelligenz helfen, die Lebensqualität in Städten zu verbessern? Der "Tag gegen Lärm" will sensibilisieren und aufklären.
Was für andere normal klingt, ist für Jannes schmerzhaft laut. Der 28-Jährige leidet an Hyperakusis. Wie die Überempfindlichkeit seinen Alltag bestimmt und warum er dennoch Hoffnung hat.
02.03.2026 | 5:21 minWas ist Lärm?
Einen festen Grenzwert, ab dem ein Geräusch als Lärm bezeichnet wird, gibt es nicht. Auch die subjektive Bewertung spielt eine Rolle. Lärm ist gemäß dem Deutschen Institut für Normung (DIN) "unerwünschter Hörschall, der zu Störungen, Belästigungen, Beeinträchtigungen oder Schäden führen kann".
Die objektive Komponente ist die Lautstärke von Hörschall, der sogenannte Schalldruckpegel. Er wird in Dezibel (dB) gemessen. Werden die Eigenschaften des menschlichen Gehörs berücksichtigt, wird er mit dem Buchstaben "A" versehen: dB(A). Fast alle Richtlinien beziehen sich auf diese A-bewerteten Schalldruckpegel.
Ist die Lautstärke zu hoch, kann das Gehör direkt geschädigt werden und beispielsweise Schwerhörigkeit oder Tinnitus verursachen.
Trifft eine Schallwelle auf das Ohr, wird sie in akustische Reize übersetzt. Dabei spielen Haarzellen eine wichtige Rolle. Unter Dauerbelastung können sie abknicken oder absterben.
10.06.2024 | 1:56 minWie Lärm auf den Körper wirkt
Chronische Lärmbelastung kann vor allem drei gesundheitsschädliche Auswirkungen haben: Störung des Nachtschlafs, Blutdruckerhöhung und ein erhöhtes Herzinfarktrisiko. Dennis Nowak, Direktor des Instituts für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der LMU München, warnt vor permanenter Lärmbelastung.
Chronische Lärmexposition ist ein Stressor. Er steigert die Ausschüttung von Adrenalin und vom Stresshormon Cortisol.
Prof. Dr. Dennis Nowak, Internist, Umwelt- und Arbeitsmediziner
Ein Anstieg der Stresshormone versetzt den Körper in Alarmbereitschaft. Anhaltender Lärm führt zu chronischem Stress. Dies kann viele Folgen haben und ist ein bedeutender Umweltfaktor für die Entstehung von Krankheiten.
Schwerhörigkeit kann nicht nur das Innenohr betreffen, sondern auch das Mittelohr. Die Weiterleitung der Schallwellen im Mittelohr ist dabei gestört. Was sind Symptome und wie wird behandelt?
16.01.2026 | 5:21 minDie Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, eine durchschnittliche Belastung durch Verkehrslärm von maximal 45 dB(A) nachts und 53 dB(A) tagsüber nicht zu überschreiten. Laut Umweltbundesamt ist die Hälfte der Bevölkerung hierzulande einem höheren Schalldruck ausgesetzt. Studien haben gezeigt, dass Männer bei erhöhtem Straßenverkehrslärm ein um 20 bis 30 Prozent erhöhtes Risiko haben, einen Herzinfarkt zu erleiden.
Oft bleiben Verkalkungen in den Herzkranzgefäßen lange unbemerkt. Doch sie können tödliche Folgen wie einen Herzinfarkt haben. Wie Aufklärung und Prävention das Risiko senken.
01.11.2025 | 5:07 minNeben Bluthochdruck und erhöhtem Herzinfarktrisiko können Betroffene auch psychische Erkrankungen entwickeln. Konzentrationsstörungen, eine verminderte Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit sowie Veränderungen des Sozialverhaltens sind mögliche Folgen. Bei Kindern können Lernschwierigkeiten auftreten.
Auch Stoffwechselerkrankungen wie Leberverfettung, Diabetes und massives Übergewicht stehen mit chronischem Lärm in Zusammenhang. Das erhöhte Cortisol führt zu einer erhöhten Energiebereitstellung: Der Blutzucker steigt. Um den Blutzucker in die Zellen zu transportieren, benötigt der Körper mehr Insulin. Hält der Lärm an, bleibt dieses System aktiviert. Im Verlauf kommt es zu einer zunehmenden Resistenz der Zellen gegenüber dem Insulin.
Nächtlicher Lärm führt außerdem zu wiederholten, oft unbemerkten Weckreaktionen durch Aktivierung des Nervensystems. Auch das beeinflusst den Hormonhaushalt: Das Hungerhormon steigt, das Sätttigungshormon fällt, es kommt zu vermehrtem Appetit und zur Gewichtszunahme.
Was hilft gegen Lärm?
Chronische Lärmbelastung sollte möglichst vermieden werden. Zwischendurch Ruhezonen aufzusuchen, kann kurzfristig für Entspannung sorgen, die Folgen dauerhafter Lärmbelastung jedoch nicht verhindern.
Die biologischen Wirkungen von Lärm kann man durch eigenes Verhalten kaum beeinflussen (…). Da ist eher der Gesetzgeber gefragt.
Prof. Dr. Dennis Nowak, Umweltmediziner
Lärmquellen im Alltag müssen reduziert werden. Neben der Wahl des Wohnortes, Schallschutzfenstern und einem ruhig gelegenen Schlafzimmer sind Vorhänge, Teppiche, Bücherregale und große Pflanzen hilfreich, sie wirken neben textilem Wandschmuck schalldämpfend. Ohrstöpsel können den Nachtschlaf verbessern.
Zudem ist es ratsam, auch Freizeitlärm gering zu halten und Ohren und Körper Lärmpausen zu gönnen. Dafür eignen sich Orte mit angenehmer und ruhiger Geräuschkulisse.
Kopfhörer kommen zu Hause und unterwegs häufig zum Einsatz - sei es für Musik, Podcasts oder Telefonate. Worauf man bei der Nutzung achten sollte.
23.09.2025 | 3:51 minStädtebaulichen Maßnahmen wie Verkehrsberuhigung, lärmarmen Straßenbelägen, Lärmschutzwällen und -wänden, optimierten Ampelschaltungen, Grünflächen sowie Gebäudebegrünung kommt eine besondere Bedeutung zu.
Das Projekt "CitySoundscapes" der Technischen Universität München (TUM), der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und weiterer Partner arbeitet daran, urbane Akustiksignale mit Biodiversität und menschlichem Wohlbefinden zu verbinden.
Bei einem "Hörspaziergang" legen die Teilnehmer beim Spazierengehen mehrere Pausen an bestimmten Orten ein, um dort den Umgebungsgeräuschen bewusst zuzuhören. Untersucht wird, welche Wirkung dies auf ihr Wohlbefinden hat.
Zu bestimmten Zeitpunkten geben die Probanden Speichelproben ab. Darin wird die Menge des Stresshormons Cortisol gemessen, um physiologische Stress- und Erholungsreaktionen des Körpers zu untersuchen. Das Forschungsprojekt ist auf vier Jahre ausgelegt. Erste Ergebnisse aus einer Pilotstudie wurden bereits 2024 veröffentlicht. Weitere umfassende Auswertungen folgen im Verlauf des Projekts.
Mithilfe von KI Lärmquellen reduzieren
Künftig soll schon bei der Städteplanung mehr auf Ruhezonen und reduzierte Lärmquellen geachtet werden. Künstliche Intelligenz kann bei der Analyse, Vorhersage und Minderung von Lärm helfen. Werden Daten in Echtzeit gesammelt und mit Verkehrsmodellen, maschinellem Lernen, Lärmkarten und Ampelschaltung kombiniert, erhofft man sich beispielsweise das Vermeiden von "Stop-and-Go"-Verkehr - eine häufige Quelle von Lärmbelastung. Eine "Smart City" mit KI-gestützter Umweltsteuerung könnte für Verbesserung sorgen.
In Europa muss jeder Fünfte mit einem ungesund hohen Verkehrslärmpegel leben. Das berichtet die europäische Umweltagentur. Langfristig kann der Lärm zu Gesundheitsproblemen führen.
24.06.2025 | 0:21 minMehr zum Thema Lärm und Folgen
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