Ende des Hautkrebs-Screenings? Kritik an Sparplänen der Regierung

Hautkrebs-Screening überflüssig?:Früherkennung von Hautkrebs auf dem Prüfstand

von Isabel de la Vega

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Hautkrebs zählt zu den häufigsten Krebsarten in Deutschland. Die Fallzahlen sind in den letzten 20 Jahren stark angestiegen. Doch jetzt soll bei der Früherkennung gespart werden.

Ein Arzt untersucht mit einer Lupe eine Patientin auf Hautkrebs.

Trotz steigender Diagnosen ist das Hautkrebs-Screening fachlich umstritten. Im Zuge von Sparmaßnahmen steht die Früherkennungsuntersuchung jetzt auf dem Prüfstand.

28.04.2026 | 4:48 min

Sonnenbaden satt - das waren die 80er- und 90er-Jahre. Oder: Im Freien arbeiten - ohne Sonnenschutz. Wozu das führen kann, ist täglich Thema in der dermatologischen Praxis von Michael Mensing im Odenwald. "Die Hautkrebsrate hat enorm zugenommen", so der Hautarzt.


In Deutschland gibt es jährlich bis zu 380.000 Neuerkrankungen. Melanome, also der schwarze Hautkrebs, sind seltener, aber gefährlich, weil sie aggressiv sind und Metastasen bilden können. Doch auch der weiße Hautkrebs sei nicht zu unterschätzen, da seine Entfernung zu größeren und unschönen Narben im Gesicht führen kann, erklärt Mensing.

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27.05.2025 | 5:18 min

Hautkrebs-Screening: Was die Krankenkasse zahlt

Seit 2008 haben gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren alle zwei Jahre Anspruch auf ein kostenloses Hautkrebs-Screening. Die Untersuchung der gesamten Körperoberfläche zur Früherkennung wird von Hautärzten oder entsprechend weitergebildeten Hausärzten durchgeführt.

Es gibt eine enorm hohe Nachfrage nach diesem Screening.

Dr. Michael Mensing, Hautarzt

In seiner Praxis sucht Mensing 2.000 Patienten jährlich mit einem "Auflicht-Mikroskop" vom Scheitel bis zur Sohle nach auffälligen Hautveränderungen ab. Bei ungefähr fünf Prozent finde er Hautkrebs oder eine Vorstufe davon, sagt der Dermatologe. Er halte es daher für wichtig, dass die Untersuchung weiterhin von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen werde. "Dadurch ist die Hemmschwelle für Leute, sich untersuchen zu lassen, niedrig", so Mensing.

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Ein männlicher Patient unterzieht sich einem Hautscreening.

Sparmaßnahmen bei Hautkrebsfrüherkennung geplant

Die Bundesregierung will genau hier auf Vorschlag einer Experten-Kommission den Rotstift ansetzen. Einsparvolumen: 450 Millionen Euro jährlich. Die "Finanzkommission Gesundheit" will alle Leistungen streichen, deren Nutzen nicht erwiesen sei.

Wir sind das einzige Land, das ein Hautkrebs-Screening bei gesunden Erwachsenen ohne Symptome durchführt.

Prof. Dr. Ferdinand Gerlach, Stellvertretender Vorsitzender der Finanzkommission Gesundheit

Das Hautkrebs-Screening bringe nichts, so das vernichtende Urteil von Ferdinand Gerlach, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Mitglied der Finanzkommission Gesundheit. Die Begründung: Das flächendeckende Screening habe seit 2008 die Mortalität beim Hautkrebs nicht gesenkt - im Gegensatz zu anderen Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung, etwa bei Brustkrebs oder Darmkrebs.

Hinzu komme, so Gerlach, dass es zu viel Personal binde: "Für das Hautkrebs-Screening brauchen wir etwa 600 bis 900 Haus- und Hautärzte in Vollzeit." Diese Ärzte könnten in der gleichen Zeit andere Menschen nicht behandeln, die Krankheiten hätten, so Gerlach. Deshalb gebe es Wartezeiten bei Haus- und Hautärzten.

Die "Finanzkommission Gesundheit" hat von der Bundesregierung den Auftrag erhalten, Sparvorschläge für das defizitäre Gesundheitssystem vorzulegen. Herausgekommen ist ein fast 500 Seiten starker Bericht mit Hinweisen, wo Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung abgeschafft oder geändert werden könnten.

Beim Hautkrebs-Screening favorisiert die Kommission langfristig ein risikobasiertes Modell, also eine gezielte Untersuchung nur für Risikogruppen. Sie schlägt vor, dass der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) innerhalb von zwei Jahren prüfen und definieren soll, welche Personengruppen davon profitieren und ob dazu neue technische Untersuchungen genutzt werden könnten.


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Nutzen von Hautkrebs-Screening umstritten

Dagegen hält Professor Dirk Schadendorf, Direktor der Klinik für Dermatologie am Universitätsklinikum Essen, den Nutzen von Untersuchungen zur Hautkrebsfrüherkennung für klar belegt. Die Einführung des Hautkrebs-Screenings sei basierend auf einer großen Feldstudie in Schleswig-Holstein eingeführt worden - mit starker Evidenz.

Damals sei die Sterblichkeit bei Hautkrebs-Patienten auch gesunken, allerdings habe die Feldstudie strenge Vorgaben für die Durchführung des Screenings gemacht. Die sehe die Kassenleistung aber nicht vor. In manchen Praxen werde das Screening vom Hausarzt mit dem bloßen Auge durchgeführt. Manche Dermatolgen nutzen hochmoderne Ganzkörperscanner mit KI.

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Hautkrebsfrüherkennung qualitativ verbessern

Das Hautkrebs-Screening müsse nicht abgeschafft, sondern verbessert werden, davon ist Schadendorf überzeugt. Es müsse Einladungen für Risiko-Patienten geben, so wie beim Brustkrebs-Screening. Und es brauche eine Qualitätssicherung und eine Dokumentation, die es ermögliche, den Nutzen zu belegen. Dies sei derzeit nicht der Fall, so Dirk Schadendorf.

Den ökonomischen Nutzen der Sparmaßnahme zweifelt der Mediziner im Übrigen an. Durch ein Screening könne der Krebs in einem frühen Stadium entdeckt und behandelt werden. Hat der Tumor erst einmal gestreut, bedeute das hohe Behandlungskosten, etwa für eine Immuntherapie von jährlich um die 100.000 Euro.

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Isabel de la Vega ist Redakteurin im ZDF-Landesstudio Hessen.

Über dieses Thema berichtete das ZDF in der Sendung "Volle Kanne" am 28.04.2026, ab 09:05 Uhr.

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