Notfall Hirnhautentzündung:Lebensgefährliche Meningitis erkennen und behandeln
von Laren Müller
Starke Kopfschmerzen, hohes Fieber und ein steifer Nacken: Bei diesen Anzeichen einer Meningitis droht Lebensgefahr. Wie man richtig handelt und wie Impfungen davor schützen.
Eine Meningitis kann durch verschiedene Errgeger ausgelöst werden. Besonders gefährlich ist eine Infektion mit Bakterien wie Meningokokken.
Quelle: Imago/SteinachIm März 2026 sterben in Großbritannien zwei junge Menschen infolge einer Meningitis. Der Ausbruch dort zeigt, wie tückisch diese Infektionserkrankung sein kann.
Bei einer Meningitis kommt es zu einer Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute, die als Bindegewebsschichten das zentrale Nervensystem umhüllen. Verursacht wird sie meist durch eine Infektion mit Viren, Bakterien, Pilzen oder anderen Mikroorganismen.
Im Raum Canterbury breitet sich im März 2026 der Erreger der Hirnhautentzündung rasend schnell aus. Es gibt zahlreiche Infizierte und zwei Todesfälle. Als Vorsichtsmaßnahme werden Antibiotika ausgegeben.
18.03.2026 | 1:24 minBesonders gefährlich wird eine Meningitis, wenn die Erreger die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Es kann zu einer Gehirnentzündung mit einem Druckanstieg im Schädel kommen. Mediziner sprechen dann von einer Meningoenzephalitis. Sie kann schwere Schäden im Gehirn verursachen und zum Tod führen.
Typische Symptome einer Meningitis
Klassische Anzeichen einer Meningitis bei Erwachsenen sind hohes Fieber, extreme Kopfschmerzen und eine schmerzhafte Nackensteifigkeit, auch Meningismus genannt. Betroffene können ihr Kinn kaum noch zur Brust führen. Auch Bewusstseinsstörungen wie starke Schläfrigkeit bis hin zu Verwirrtheit oder Koma sind Anzeichen für die Erkrankung.
Im Zentrum der Infektionswelle im März 2026 mit zwei Todesfällen in Großbritannien steht ein Nachtclub in Kent. Ein Impfprogramm und Antibiotika sollen die Ausbreitung eindämmen.
21.03.2026 | 1:31 minSchwierige Diagnose bei Säuglingen und Kleinkindern
Bei Säuglingen und Kleinkindern fehlen häufig die typischen Symptome. Statt Nackensteife zeigen sie eher allgemeine Krankheitszeichen wie Trinkschwäche, extreme Berührungsempfindlichkeit oder schrilles Schreien. Ein wichtiges Alarmsignal sind dunkle, punktförmige Hauteinblutungen (Petechien).
Bei Verdacht auf eine Meningitis werde im Krankenhaus sofort die Behandlung mit Antibiotika begonnen, noch bevor der Erreger feststehe, erklärt Daniel Wertheimer, Facharzt für Neurologie am Neurozentrum der Schön Klinik Hamburg.
Jede verzögerte Stunde steigert gerade bei einer bakteriellen Meningitis das Risiko für neurologische Langzeitfolgen, die nicht mehr umkehrbar sind.
Daniel Wertheimer, Neurologe
Laut Wertheimer kann eine verzögerte Therapie etwa dauerhafte Sinnesbeeinträchtigungen und kognitive Einschränkungen zur Folge haben.
Suche nach Erregern im Blut und im Nervenwasser
Um die Ursache gezielt behandeln zu können, wird so schnell wie möglich versucht, Hinweise auf den Erreger im Blut und im Nervenwasser (Liquor) zu finden. Dies geschieht über eine Blutkultur und eine Liquor-Punktion. Zuvor wird über eine Magnetresonanztomografie ausgeschlossen, dass ein erhöhter Hirndruck vorliegt. Dies kann bei der Entnahme von Nervenwasser zu lebensgefährlichen Einklemmungen von Gehirnstrukturen führen.
Häufige Auslöser für Meningitis
- Pneumokokken
- Meningokokken
- Haemophilus influenzae
- Listerien
- Escherichia Coli (gerade bei Neugeborenen)
- FSME-Viren (Erreger der Frühsommer-Meningoenzephalitis)
- Mumps- und Herpesviren
- Enteroviren
- Epstein-Barr-Viren (Erreger des Pfeifferschen Drüsenfiebers)
- Coxsackie Viren (Erreger der Hand-Fuß-Mund-Krankheit)
- Coronaviren
Impfungen schützen vor schweren Infektionskrankheiten. Doch die Bereitschaft sinkt, sich impfen zu lassen. Woran liegt das?
20.04.2026 | 3:03 minUnterschiedliche Auslöser und Verlaufsformen einer Meningitis
In Deutschland sind meist Viren die Ursache einer Meningitis. Die Infektion verläuft oft grippeähnlich und heilt in der Regel von selbst ab. Bakterielle Infektionen sind seltener, aber deutlich gefährlicher. Infektionen mit Pilzen, zum Beispiel eine Kryptokokkose, spielen nur in Einzelfällen bei Immungeschwächten eine Rolle. Wertheimer sieht auf seiner Station zwischen 20 und 30 Meningitisfälle im Jahr, die einen schweren Verlauf nehmen.
Im klinischen Alltag ist die Mengingitis keine seltene Erkrankung.
Daniel Wertheimer, Schön Klinik Hamburg
Je nach Erreger, kann eine Meningitis ansteckend sein. Besonders bakterielle Formen sind oft hochinfektiös. Sie können sowohl durch Tröpfcheninfektio als auch durch Schmierinfektion übertragen werden. Kontaktpersonen wird daher eine vorbeugende Antibiotikabehandlung empfohlen.
Eine Meningitis ausgelöst durch Meningokokken ist nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtig. Zudem ist die Isolation der Erkrankten und ihrer Kontaktpersonen verpflichtend.
Was beeinflusst das Impfverhalten in Deutschland, welche Bedenken gibt es und wie trifft man Impfentscheidungen? Dr. Greta Steckhan vom Robert-Koch-Institut (RKI) Berlin über neue Erkenntnisse.
20.04.2026 | 5:57 minImpfung als wichtigster Schutz gegen Meningitis
Die bakterielle Meningitis ist in Deutschland vergleichsweise selten. Gegen einige der Erreger stehen Impfstoffe zur Verfügung, die von der Ständigen Impfkommission (Stiko) im Rahmen der Kinderschutzimpfungen empfohlen werden.
Seit 2024 gibt es wichtige Neuerungen, insbesondere bei der Impfung gegen Meningokokken der Gruppe B, die nun als Standard für alle Säuglinge empfohlen wird.
Darüber hinaus werden Impfungen zum Schutz vor einer Meningitis Menschen empfohlen, die ein besonders geschwächtes Immunsystem haben oder die in Länder mit vielen Meningokokken-Erkrankungen reisen, etwa Länder in Asien oder Afrika.
- Meningokokken B: ab dem zweiten Lebensmonat
- Meningokokken C: einmalige Impfung im zweiten Lebensjahr
- Meningokokken ACWY: empfohlen für Jugendliche (12 bis 14 Jahre)
- Haemophilus influenzae im Säuglingsalter (meist als Sechsfach-Impfung)
- Masern, Mumps und Windpocken im Säuglingsalter
- Pneumokokken: für Säuglinge und für Senioren ab 60 Jahren
- FSME-Virus: für Personen, die in FSME-Risikogebieten gegenüber Zecken exponiert und beruflich gefährdet sind wie Forst- und Landwirte
Schutz für Mutter und Kind:Wichtige Impfungen in der Schwangerschaft
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