Hirnhaut-Entzündung: Wenn es schnell gehen muss
von Laren Müller
Quelle: Imago/Steinach
Eine Hirnhaut-Entzündung nennt man auch Meningitis.
Das ist eine Krankheit, bei der die Häute um das Gehirn und das Rücken-Mark entzündet sind.
Diese Häute schützen das Nerven-System.
Meistens kommt die Entzündung von:
- Viren
- Bakterien
- Pilzen
Wann ist eine Hirnhaut-Entzündung gefährlich?
Wenn die Krankheits-Erreger in das Gehirn kommen, kann es sehr gefährlich werden.
Dann kann sich auch das Gehirn entzünden.
Der Druck im Kopf steigt dann an.
Das kann das Gehirn stark schädigen und dazu führen, dass man stirbt.
Anzeichen einer Hirnhaut-Entzündung bei Erwachsenen
Typische Anzeichen sind:
- starke Kopf-Schmerzen
- hohes Fieber
- ein steifer Nacken (man kann das Kinn kaum zur Brust bewegen)
Manchmal sind die Menschen auch sehr müde oder verwirrt.
Sie können sogar ins Koma fallen.
Anzeichen bei Babys und kleinen Kindern
Bei Babys und kleinen Kindern sind die Anzeichen oft anders.
Zum Beispiel:
- sie trinken schlecht
- sie sind sehr empfindlich, wenn man sie berührt
- sie schreien viel und laut
Ein wichtiges Warn-Zeichen sind dunkle Punkte auf der Haut.
Das sind kleine Blutungen.
Man muss sofort ins Krankenhaus, wenn man denkt, ein Baby oder Kind hat eine Hirnhaut-Entzündung.
Dort bekommt es sofort Medikamente gegen Bakterien (Antibiotika).
Das passiert, auch wenn man noch nicht weiß, welcher Erreger die Krankheit verursacht hat.
Daniel Wertheimer ist Arzt für das Gehirn und das Nerven-System.
Er sagt: Wenn man bei einer bakteriellen Hirnhaut-Entzündung zu lange wartet, kann das Gehirn dauerhaft geschädigt werden.
Man kann dann zum Beispiel:
- schlechter hören oder sehen
- schlechter denken und lernen
Wie findet man den Erreger?
Ärzte suchen im Blut und im Nerven-Wasser nach dem Erreger.
Das Nerven-Wasser ist eine Flüssigkeit.
Diese Flüssigkeit umgibt das Gehirn und Rücken-Mark.
Ärzte prüfen mit einem MRT, ob der Druck im Kopf zu hoch ist.
Ein MRT ist ein spezielles Gerät, das Bilder vom Körper macht.
Ärzte machen das, bevor sie Nerven-Wasser entnehmen.
Wenn der Druck zu hoch ist, kann es gefährlich sein, Nerven-Wasser zu entnehmen.
Was löst eine Hirnhaut-Entzündung aus?
Bakterien können eine Hirnhaut-Entzündung auslösen:
- Pneumokokken sind eine Art von Bakterien.
- Meningokokken sind eine andere Art von Bakterien.
- Haemophilus influenzae ist auch eine Bakterien-Art.
- Listerien sind Bakterien, die zum Beispiel in Lebensmitteln vorkommen können.
- Escherichia Coli sind Bakterien, die oft bei Neugeborenen eine Hirnhaut-Entzündung verursachen.
Viren können eine Hirnhaut-Entzündung auslösen:
- FSME-Viren (Frühsommer-Meningoenzephalitis) sind Viren, die durch Zecken übertragen werden.
- Mumps-Viren verursachen die Krankheit Mumps.
- Herpes-Viren sind Viren, die zum Beispiel Fieberbläschen verursachen können.
- Enteroviren sind Viren, die oft Magen-Darm-Beschwerden verursachen.
- Epstein-Barr-Viren verursachen das Pfeiffersche Drüsenfieber.
- Coxsackie-Viren verursachen die Hand-Fuß-Mund-Krankheit.
- Corona-Viren sind Viren, die zum Beispiel Erkältungen oder COVID-19 verursachen können.
In Deutschland sind meistens Viren die Ursache für eine Hirnhaut-Entzündung.
Diese Entzündungen sind oft wie eine Grippe und heilen meistens von selbst.
Bakterielle Entzündungen sind seltener, aber viel gefährlicher.
Pilze verursachen nur selten eine Hirnhaut-Entzündung.
Das passiert meistens nur bei Menschen, deren Abwehr-System schwach ist.
Arzt Daniel Wertheimer sagt:
"In unserem Krankenhaus haben wir im Jahr zwischen 20 und 30 Fälle pro Jahr von Hirnhaut-Entzündung, die einen schweren Verlauf nehmen.
Es ist also keine seltene Krankheit."
Manche Hirnhaut-Entzündungen stecken an.
Besonders bakterielle Formen stecken sehr an.
Sie können sich übertragen durch:
- Tröpfchen, wenn man hustet oder niest
- Schmier-Infektionen (zum Beispiel über die Hände)
Wer Kontakt zu einem Kranken hat, bekommt oft vorsorglich Antibiotika.
Das Gesundheits-Amt muss eine Hirnhaut-Entzündung durch Meningokokken gemeldet bekommen.
Man muss Kranke und ihre Kontakt-Personen dann von anderen Menschen trennen.
Schutz durch Impfung
Eine bakterielle Hirnhaut-Entzündung ist in Deutschland vergleichsweise selten.
Es gibt Impfungen, die vor einigen Erregern schützen.
Die Stiko ist die Ständige Impf-Kommission.
Sie gibt Empfehlungen für Impfungen in Deutschland.
Die Stiko empfiehlt, Kinder zu impfen.
Seit 2024 gibt es eine wichtige Änderung:
Die Stiko empfiehlt jetzt, alle Babys gegen Meningokokken B zu impfen.
Menschen mit einem schwachen Abwehr-System sollten sich impfen lassen.
Auch Menschen, die in Länder reisen, in denen viele Menschen an Meningokokken erkranken, sollten sich impfen lassen.
Das sind zum Beispiel Länder in Asien oder Afrika.
Impfungen gegen Erreger einer Hirnhaut-Entzündung
- Meningokokken B: ab dem zweiten Lebens-Monat
- Meningokokken C: einmalige Impfung im zweiten Lebens-Jahr
- Meningokokken ACWY: Diese Impfung ist für Jugendliche (12 bis 14Jahre) empfohlen.
Das sind die Serogruppen A, C, W und Y der Meningokokken.
Serogruppen sind verschiedene Unterarten von Bakterien.
- Haemophilus influenzae: im Baby-Alter (oft als Sechs-Fach-Impfung)
- Masern, Mumps und Windpocken: im Baby-Alter
- Pneumokokken: für Babys und für Senioren ab 60 Jahren
- FSME-Virus: Es gibt eine Impfung für Menschen, die in FSME-Risikogebieten leben oder arbeiten und dort Zecken ausgesetzt sind, zum Beispiel Förster oder Bauern.