Diphtherie: Steigende Infektionszahlen in Deutschland

Rückkehr der Infektionskrankheit?:Diphtherie: Fallzahlen in Deutschland steigen wieder

von Thomas Förster

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Nach Jahrzehnten sterben in Deutschland wieder Menschen an Diphtherie, auch ein Zehnjähriger überlebte die Infektionskrankheit nicht. Inwieweit Impfungen schützen können.

Diphtherie-Bakterien unter dem Mikroskop.

Kinderarzt Steven Rohbeck ist entschiedener Verfechter der Diphtherie-Impfung und erklärt, warum nur diese vor steigenden Infektionszahlen schützen kann.

20.03.2026 | 5:03 min

In Deutschland gilt Diphtherie als nahezu ausgerottet, die Fallzahlen waren kaum messbar. Inzwischen warnt das Robert Koch-Institut (RKI), dass die Krankheit wieder vermehrt auftritt. 2022 wurden 172 Fälle von Diphtherie registriert, 2023 waren es 138. Und: Es sterben wieder Menschen daran, im vergangenen Jahr auch ein zehnjähriger Junge. Das RKI mahnt, den Impfschutz zu überprüfen und weist auf das Risiko für schwere Verläufe hin.

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Was ist die Diphtherie?

Diphtherie ist eine hochansteckende Infektionskrankheit. Auslöser ist das Bakterium Corynebacterium diphtheriae. Mediziner unterscheiden zwei Formen. Die Hautdiphtherie befällt Wunden oder Hautstellen.

Die respiratorische Diphtherie (Rachen-Diphtherie) greift die Atemwege an - sie ist seltener, aber gefährlicher. Im Rachen können feste Beläge entstehen, die die Atmung behindern. Früher erstickten viele Kinder daran.

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Diphtherie: Ansteckung und Symptome

Die Ansteckung mit Hautdiphtherie erfolgt über Schmierinfektion. Auch der Kontakt mit verunreinigten Oberflächen ist eine mögliche Infektionsquelle. Es entstehen schmerzlose Geschwüre mit eitrigem Belag, die mit harmlosen Ekzemen verwechselt werden können.

Die Atemwegsform wird durch Tröpfcheninfektion übertragen, etwa beim Husten oder Sprechen. Symptome wie Halsschmerzen, Fieber und Schluckbeschwerden können mit einer Mandelentzündung verwechselt werden, sagt Steven Rohbeck, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin.

Es ist eine heimtückische Erkrankung, weil die Symptome denen anderer Erkrankungen ähneln.

Steven Rohbeck, Kinderarzt

Es besteht die Gefahr, dass dann falsch behandelt wird und die Diphtherie weiter fortschreitet. Das von den Bakterien produzierte Gift kann in den Blutkreislauf gelangen, sich im gesamten Körper ausbreiten und Organe schädigen.

Vielen Ärzten fällt es aufgrund der unspezifischen Symptome und fehlender Erfahrung im Behandlungsalltag schwer, Diphtherie zu diagnostizieren. Der Goldstandard in der Diagnostik ist ein Abstrich, der im Labor auf das Bakterium untersucht wird. Die Therapie folgt dann einem einheitlichen Schema.


So wird Diphtherie behandelt

Patienten werden mit Antibiotika behandelt, die das Bakterium bekämpfen. Zudem erhalten sie ein Antitoxin, das das Gift neutralisieren soll.

Die stationäre Behandlung dauert in der Regel zwei Wochen. Ziel ist, dass die Symptome zurückgehen und keine Diphtheriebakterien mehr nachweisbar sind. Die Überlebenschancen sind gut, wenn die Infektion früh erkannt wird.

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Impfung gegen Diphtherie

Die Impfung schützt nicht vor einer Infektion, aber vor schweren Krankheitsverläufen. Vor Einführung der Impfung vor rund 100 Jahren starben jedes Jahr Tausende Menschen an Diphtherie - vor allem Kinder.

Durch die Impfung gingen Erkrankungen und Todesfälle stark zurück. Für Rohbeck ist sie alternativlos, um die Diphtherie unter Kontrolle zu behalten und Ausbrüche zu verhindern.

Wir würden sonst in kurzer Zeit wieder steigende Zahlen mit dramatischen Folgen haben.

Steven Rohbeck, Kinderarzt

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt eine Grundimmunisierung und regelmäßige Auffrischungen. Die Impfung erfolgt heute in der Regel mit einem Kombinationsimpfstoff, der vor sechs Infektionskrankheiten schützt.

Für Kinder werden im ersten Lebensjahr drei Impfungen zum Schutz vor Diphtherie empfohlen: im Alter von zwei, vier und elf Monaten. Danach erhalten Kinder und Jugendliche Auffrischungsimpfungen: im Alter von fünf bis sechs Jahren sowie zwischen neun und 17 Jahren. Anschließend sollte der Impfschutz alle zehn Jahre aufgefrischt werden.


Sinkende Impfquoten in der Bevölkerung

Zwar erhalten 96 Prozent der Babys die erste Impfdosis, die dritte jedoch nur noch 76 Prozent, sagt der Kinderarzt.

Bei der dritten Impfung sind manche Eltern schon etwas impfmüde.

Steven Rohbeck, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin

Bei Erwachsenen sieht die Quote noch schlechter aus: Nur 53 Prozent sind durch regelmäßige Auffrischungsimpfungen ausreichend gegen die Infektionskrankheit geschützt. Schlechte Impfquoten begünstigen laut Experten die Ausbreitung der Diphtherie.

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Warum wieder mehr Fälle von Diphtherie auftreten

2022 sind die gemeldeten Diphtherie-Fälle in Deutschland sprunghaft angestiegen. In den Jahrzehnten zuvor waren die Fallzahlen meist einstellig, manchmal wurde nur ein einziger Fall gemeldet.

Der Anstieg ist laut RKI vor allem auf Infektionen von Geflüchteten aus verschiedenen Ländern zurückzuführen. Als Ursache vermuten die Experten schlechte hygienische Bedingungen auf der Flüchtlingsroute und geringe Impfquoten.

Derzeit gilt ein großer flächendeckender Ausbruch als unwahrscheinlich. Experten warnen jedoch, dass die Diphtherie wieder häufiger auftreten könnte, wenn Impfquoten weiter sinken.

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