Meningitis-Ausbruch in England: Infektionswelle beunruhigt Briten

Angst vor Hirnhautentzündung:"Beispiellos": Meningitis-Ausbruch beunruhigt die Briten

von Hilke Petersen

|

Zwei Menschen sind in der englischen Grafschaft Kent an Hirnhautentzündung gestorben, 20 haben sich innerhalb weniger Tage infiziert. Im Zentrum der Infektionswelle: Ein Nachtclub.

Studenten mit Masken stehen für Impfung an.

Im Raum Canterbury breitet sich der Erreger der Hirnhautentzündung rasend schnell aus. Inzwischen gibt es 20 Infizierte und zwei Tote. Als Vorsichtsmaßnahme werden Antibiotika ausgegeben.

18.03.2026 | 1:24 min

Wer sich an drei bestimmten Tagen Anfang März im Nachtclub "Chemistry" in Canterbury aufgehalten hat, soll sich melden - so der Aufruf von Premierminister Keir Starmer persönlich heute im britischen Unterhaus. Es geht um eine Meningitis-Infektionswelle, die dort ihren Verlauf genommen hat.

Das "Chemistry" soll sehr voll gewesen sein in diesen Nächten und der Erreger überträgt sich durch engen Kontakt, geteilte Gläser oder Vapes. Das Publikum: Studentisch. Also sind sie ziemlich in Aufruhr in der langen Schlange, die sich über den Campus der Universität von Kent in Canterbury zieht. Dort werden präventiv Antibiotika ausgegeben. Ein Angebot, sich impfen zu lassen, gilt zunächst einmal für 5.000 Studierende. Eine Wartende sagt:

Es macht schon ein bisschen Panikgefühle, dass man sich jetzt auch impfen lassen soll. Aber es ist wohl der beste Weg, das Problem zu lösen.

Studentin der Universität von Kent

Meningitis üblicherweise auf niedrigem Niveau

Die Briten machen sich Sorgen um die gefährliche Infektion. Die Symptome: Fieber, Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit. Im Erfassungsjahr 2024/2025 infizierten sich in ganz Großbritannien 378 Menschen, 31 davon starben. Der Unterschied diesmal: Ein rasanter Ausbruch in einem engen Cluster. Der britische Gesundheitsminister nennt das "beispiellos".

Seit 2015 gehört die Meningitis B-Impfung im Vereinigten Königreich zur Routine für Säuglinge. In Deutschland gilt die MenB-Impfempfehlung erst seit 2024. Die Zahl der Meningokokken-Erkrankungen liegt hier durchschnittlich bei etwa 300. 10 bis 13 Prozent davon sterben.

Meningokokken B sind Bakterien, die schwere Hirnhautentzündungen (Meningitis) und Blutvergiftungen (Sepsis) auslösen können. Die Erkrankung kann sehr schnell verlaufen.

Die Bakterien werden durch Tröpfcheninfektion - Husten, Niesen, Küssen - übertragen. Die ersten Anzeichen einer Infektion sind oft grippeähnlich - Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit, Schüttelfrost, Abgeschlagenheit. Bei schwerem Verlauf kann es zu septischem Schock, Organversagen und Hirnschäden kommen.

In Deutschland wurden nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) in den Jahren 2023 bis 2025 jeweils über 100 Meningokokken-B-Fälle registriert. 2025 waren es 123 Erkrankungen, 2026 bislang über 20. Die Todesfallrate betrage sieben bis 15 Prozent, viele Überlebende litten an schweren Langzeitfolgen, heißt es beim RKI. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt eine Impfung gegen Meningokokken der Untergruppe B für alle Säuglinge ab zwei Monaten.

Quelle: dpa


Eine Kinderärztin hält im Rahmen einer Kinderimpfung gegen Meningokokken eine Spritze in der Hand am 18.03.2019 im sächsischen Radeberg.

In Remscheid stirbt eine Schülerin an einer Meningokokken-Infektion. Die Stadt kümmert sich um Mitschüler, Eltern und Lehrer - und lässt vorsorglich alle Kontaktpersonen behandeln.

08.11.2025 | 4:02 min

Jagd nach Impfstoff

Besonders in der stark betroffenen Grafschaft Kent ist die Nachfrage nach dem Impfstoff groß. In Mital Hedavs Apotheke, am Rande des Uni-Campus in Canterbury, steht das Telefon nicht still. Viele Anrufer, sagt sie, würden panisch klingen: Studierende, aber auch Eltern von Schulkindern.

Jeder frage nach Impfstoff, sei bereit, dafür auch zu zahlen. Auf ihrer Warteliste habe sie inzwischen 100 Kunden. Bei der letzten Bestellung habe man nichts gewusst vom Ausbruch, deshalb einen anderen als den Men B-Impfstoff bestellt.

Wir haben alle möglichen Großhändler angerufen, bekommen aber derzeit nicht einmal eine Antwort darauf, wann der Men B-Impfstoff wieder lieferbar sein wird. Wir stecken also im Moment fest und versuchen weiterhin, die Menschen zu beruhigen.

Mital Hedav, Apothekerin

Selbst Londoner Apotheken bekommen viele solcher Anfragen und müssen erstmal vertrösten: Der richtige Impfstoff ist kaum auf Lager. Ein Infizierter aus Kent liegt auch in einem Krankenhaus in der Hauptstadt.

Hilke Petersen leitet das ZDF-Studio in London.

Über das Thema berichtete ZDFheute Xpress in dem Beitrag "Meningokokken-Ausbruch in England" am 18.03.2026 um 18:57 Uhr.

Mehr zum Thema Krankheiten

  1. 3D-Grafik einer Lunge

    Leben mit Lungenfibrose:Was tun, wenn die Lunge vernarbt?

    von Bianca Koch
    mit Video0:34

  2. In einem Labor wird für eine DNA-Analyse Probenmaterial mit einer Pipette in ein Röhrchen gefüllt.

    Tag der seltenen Erkrankungen:Kaum Forschung und wenig Therapien für seltene Krankheiten

    von Andrea Schuler
    mit Video4:56

  3. Eine 3D-Aufnahme des Mikrobioms im Darmquerschnitt.

    Darmbakterien als Schutz und Therapie:Welchen Einfluss hat das Mikrobiom auf Darmkrebs?

    von Andreas Kürten
    mit Video5:03

  4.  Eine Frau hält sich eine Wärmflasche an den Unterbauch, während sie im Bett liegt (gestellte Szene).

    In letzten 20 Jahren mehr als verdoppelt:Studie: Zahl von Endometriose-Patientinnen stark gestiegen

    mit Video4:03