In letzten 20 Jahren mehr als verdoppelt:Studie: Zahl von Endometriose-Patientinnen stark gestiegen
Die Zahl der Endometriose-Diagnosen bei Frauen hat sich zuletzt mehr als verdoppelt. Der Grund dafür ist - laut Barmer Krankenkasse - das gestiegene Bewusstsein für die Erkrankung.
Mandy Mangler ist Professorin für Frauengesundheit und Geburtshilfe und setzt sich für eine feministische Gynäkologie ein. ZDF Volle Kanne hat sie einen Tag lang begleitet.
03.03.2026 | 4:03 minSie leiden unter Schmerzen oder Übelkeit: Die Zahl der Frauen mit der Diagnose Endometriose ist in den letzten 20 Jahren stark gewachsen. Zwischen 2005 und 2024 stieg die Zahl der Betroffenen von rund 230.000 auf gut 510.000, wie aus dem aktuellen Barmer-Arztreport hervorgeht.
Parallel stieg auch die Zahl der Klinikaufenthalte wegen Endometriose stark, wie aus Zahlen des Statistischen Bundesamts für 2014 bis 2024 hervorgeht. Sie stiegen demnach um etwa die Hälfte.
Endo... was? Die Krankheit Endometriose ist noch zu unbekannt.
05.03.2023 | 29:12 minDie deutliche Steigerung begründen die Experten der Krankenkasse Barmer in ihrem Bericht mit Fortschritten in der Diagnostik. Endometriose werde heutzutage deutlich häufiger und deutlich früher festgestellt. So sank das Durchschnittsalter der Frauen bei der Erstdiagnose zwischen 2015 und 2024 um fast vier Jahre.
"Noch vor wenigen Jahrzehnten ist Endometriose häufig unerkannt geblieben", erklärte Barmer-Chef Christoph Straub. Er sagte weiter:
Endometriose ist viel stärker im gesellschaftlichen Bewusstsein angekommen, und für die Frauen entfallen Jahre der Ungewissheit.
Christoph Straub, Barmer-Chef
Aber auch heute werde die Erkrankung in zahlreichen Fällen noch irrtümlich für normale Regelschmerzen gehalten.
Endometriose ist eine gutartige, chronisch verlaufende Erkrankung. Dabei wächst Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutterhöhle. Es siedelt sich an den Eierstöcken, im Bauch- und Beckenraum, am Darm oder Bauchfell an.
Die Folgen reichen von Blutungen außerhalb der Gebärmutter, Entzündungsreaktionen und Schmerzen im Unterbauch über Narbenbildung bis hin zu chronischen Schmerzen und einer verminderten Fruchtbarkeit. Die Ursachen können im Einzelfall unterschiedlich sein und sind bislang nicht hinreichend geklärt.
Ergebnisse Arztreport: Starke Schmerzen dokumentiert
Für den Barmer-Arztreport wurden Daten aus den Jahren 2005 bis 2024 zu jeweils rund acht Millionen Versicherten ausgewertet. Ihm zufolge haben Frauen mit der Diagnose Endometriose auch deutlich häufiger Begleiterkrankungen, als es ihrem Alter entsprechend zu erwarten gewesen wäre.
So wurden Bauch- und Beckenschmerzen mehr als doppelt so häufig dokumentiert. Überdurchschnittlich oft wurden bei den Betroffenen auch Migräne sowie Muskel-Skelett-Erkrankungen diagnostiziert. Zudem litten die betroffenen Frauen häufiger an depressiven Episoden und Angststörungen.
Seit zwölf Jahren lebt Sarah mit der unheilbaren Erkrankung Endometriose. Sie konnte sich ihren Kinderwunsch trotz chronischer Schmerzen erfüllen.
27.03.2023 | 15:35 minAuch der Wohnort ist offenbar entscheidend. So liegt Thüringen bei den Erstdiagnosen um rund 20 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt, das Saarland um etwa 20 Prozent über dem Schnitt. Zudem werde Endometriose verstärkt in dicht besiedelten und weniger in dünn besiedelten Regionen diagnostiziert.
Schonendere Diagnostik geplant
Eine im vergangenen Jahr geänderte Leitlinie sieht eine schonendere Diagnostik vor. Anstatt der Bauchspiegelung mit Gewebeentnahme sollen nichtinvasive bildgebende Verfahren den Vorzug haben. Damit dürfte der Analyse zufolge in den kommenden Jahren auch die Zahl der Krankenhausfälle rückläufig sein.
Zuletzt stieg diese in Deutschland deutlich an, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Demnach erhöhte sich die Zahl stationärer Klinikaufenthalte wegen Endometriose 2024 im Vergleich zu 2014 um 50,1 Prozent oder etwa die Hälfte - nämlich von gut 25.100 auf rund 37.700 Fälle. Mehr als neun von zehn Patientinnen oder 91,1 Prozent waren den Angaben nach zwischen 20 und 49 Jahre alt.
Rund 2 Millionen Frauen in Deutschland leben mit Endometriose – oft still und mit starken Schmerzen. Eine neue Methode am Uniklinikum Gießen macht jetzt selbst schweren Fällen Hoffnung.
30.09.2025 | 5:08 minMehr Diagnosen wegen erhöhter Sichtbarkeit?
Der Anstieg war auch nach Angaben des Bundesamts nicht allein auf häufigere Erkrankungen zurückzuführen, sondern möglicherweise auch auf ein gewachsenes Bewusstsein für Endometriose bei Patientinnen sowie Ärztinnen und Ärzten. Andere gynäkologische Klinikbehandlungen gingen zurück. Wegen eines Myoms der Gebärmutter etwa wurden 2024 rund 48.700 Frauen stationär behandelt, 26,6 Prozent weniger als 2014.
Laut Arztreport sank das Durchschnittsalter bei der Erstdiagnose von 2015 bis 2024 um 3,8 Jahre auf 37,4 Jahre. Eine frühe Diagnose sei dabei entscheidend. Barmer-Vorstandsvorsitzender Christoph Straub erklärte: "Auch wenn die Erkrankung nicht mit einer höheren Sterblichkeit einhergeht, ist die Krankheitslast extrem hoch."
Weiter Aufklärungsarbeit nötig
Die Diagnoserate schwanke jedoch trotz früherer Erkennung stark regional. Es sei, so der Barmer-Report, weitere Aufklärungsarbeit nötig. Straub sagte:
Wichtig ist, dass die betroffenen Frauen rasch eine passgenaue und langfristige Therapie erhalten, die sich stets auch an den individuellen Umständen orientiert.
Christoph Straub, Barmer-Vorstandsvorsitzender
Die Therapie müsse dabei nicht nur die Symptome im Blick behalten, sondern auch mögliche Organschäden, beispielsweise am Darm. Darüber hinaus müsse der Kinderwunsch der Frauen berücksichtigt werden. Ziel sei eine Verbesserung der Lebensqualität.
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