Eine der häufigsten Todesursachen:Jährlich sieben Millionen Klinikbehandlungen wegen Alkohols
44.000 Todesfälle, sieben Millionen Klinikbehandlungen: Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen hat neue Zahlen zu den Folgen des Alkoholkonsums veröffentlicht.
44.000 Todesfälle jährlich sind nach Angaben der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen auf Alkoholkonsum zurückzuführen. Alkohol gehöre damit zu den führenden vermeidbaren Todesursachen.
16.04.2026 | 0:17 minAlkoholkonsum führt nach Einschätzung von Suchtexperten in Deutschland jedes Jahr zu etwa 44.000 Todesfällen und sieben Millionen Klinikbehandlungen. Alkohol gehöre damit zu den führenden vermeidbaren Todesursachen, teilte die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) bei der Veröffentlichung ihres Jahrbuchs 2026 am Donnerstag in Hamm mit.
Trotz gesunkenen Alkoholkonsums konsumieren demnach rund 8,6 Millionen Menschen zwischen 18 und 64 Jahren alkoholische Getränke in gesundheitlich riskanter Weise. Das entspricht bei Männern dem Konsum von mehr als zwei alkoholischen Getränken und bei Frauen mehr als einem pro Tag.
Jeder Neunte war in den vergangenen 30 Tagen im Alkoholrausch
Rund 9,5 Millionen Menschen gaben an, sich in den vergangenen 30 Tagen mindestens einen Rausch angetrunken zu haben - das sind laut Definition mindestens fünf alkoholische Getränke. Missbräuchlicher Konsum führt nach Definition der Caritas zu körperlichen, seelischen und/oder sozialen Schäden. Alkoholabhängig seien Menschen, die Alkohol bräuchten, um sich wohlzufühlen.
Es gibt keinen gesundheitlich unbedenklichen oder gar gesundheitsförderlichen Konsum.
Francesca Borlak, Suchtmedizinerin und Mitautorin des DHS-Jahrbuchs
Schon gelegentliches Trinken gehe mit einem steigenden Risiko für gesundheitliche Schäden einher.
Laut WHO: Alkohol in Zusammenhang mit bis zu 200 Krankheiten
Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) stünden Bier, Wein, Schnaps und Co. "mit bis zu 200 verschiedenen Krankheiten in Zusammenhang", darunter Krebs. Bei Männern gingen etwa sieben Prozent aller vorzeitigen Todesfälle auf Alkoholkonsum zurück.
1,6 Millionen Menschen sind in Deutschland alkoholsüchtig. Besonders tabuisiert ist das Thema bei Frauen mit Kindern. Eine Fachklinik in Bayern bietet gezielte Hilfe.
09.02.2026 | 3:04 min"Frauen trinken insgesamt zwar meist weniger Alkohol als Männer, doch diese Lücke verringert sich zunehmend", hieß es. Bei gleichem Konsumniveau erlitten sie oft schwerere gesundheitliche Schäden.
Höhere Steuern wären "ein guter Anfang"
Die Hauptstelle kritisierte einen unzureichenden Kampf gegen das Problem in Deutschland. Außerdem forderte sie mit Blick etwa auf den Verkauf alkoholhaltiger Getränke an Tankstellen, die Verfügbarkeit einzuschränken sowie die Steuern auf Alkohol zu erhöhen.
Bier, Wein und Spirituosen gibt es nur in Italien billiger als in Deutschland. Der Preis für Alkohol liegt 14 Prozent unter dem EU-Durchschnittswert, teilt das Statistische Bundesamt mit.
05.01.2026 | 0:40 minDer Forderung nach höheren Steuern schloss sich die Diakonie-Bundesvorständin Sozialpolitik, Elke Ronneberger, an. Alkohol sei "ein Zellgift, das zahlreiche Erkrankungen begünstigt und zu vorzeitigen Todesfällen führt". Dennoch sei er "am breitesten gesellschaftlich akzeptiert". Höhere Steuern wären daher "ein guter Anfang".
Rund ein Drittel der Bevölkerung raucht
Außerdem teilte die DHS mit, gut jeder und jede dritte Erwachsene in Deutschland (33,7 Prozent) rauche Tabakprodukte. Der Pro-Kopf-Verbrauch liege aktuell bei 795 Zigaretten. Ein Großteil der Personen, die konventionelle Tabakprodukte konsumieren, nutzt laut dem DHS-Jahresbericht auch andere Nikotinprodukte wie E-Zigaretten oder Tabakerhitzer.
Auch der Cannabiskonsum lege zu, das gelte auch für einen problematischen Gebrauch. Knapp ein Zehntel der 18- bis 64-Jährigen hätten nach eigener Auskunft im zurückliegenden Jahr Cannabis konsumiert. "Cannabinoidbezogene Störungen sind nach alkoholbezogenen Störungen der zweithäufigste Grund, warum Menschen Suchthilfe in Anspruch nehmen."
Im vergangenen Jahr sind 2.137 Menschen in Deutschland an den Folgen von Drogenkonsum gestorben. Die große Mehrheit der Toten ist männlich und Anfang 40.
07.07.2025 | 1:29 minMehr zu Gesundheit
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