Ergebnisse der Gesundheits-Kommission: Was macht die Regierung?

Analyse

Ergebnisse der Gesundheits-Kommission:Milliarden-Sparplan vorgeschlagen: Was macht Warken draus?

von Johannes Lieber & Marie Ries

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Für die Zukunft des Gesundheitssystems liegen seit heute 66 Sparvorschläge auf dem Tisch. Reformen sind hier dringend notwendig - Streit in der Regierung ist aber zu erwarten.

Bei Umsetzung aller Maßnahmen könnten die Krankenkassen kommendes Jahr rund 42 Milliarden Euro einsparen.

Mit den Vorschlägen der Reformkommission könnten die gesetzlichen Krankenkassen nächstes Jahr bis zu 42 Milliarden Euro einsparen.

30.03.2026 | 1:55 min

Es ist ein massives Sparprogramm, das die Finanzkommission Gesundheit für die Bundesregierung ausgearbeitet hat. Deutlich größer sogar, als es gebraucht wird. Die gesetzlichen Krankenkassen müssen laut Kommission allein im nächsten Jahr mit einem Minus von über 15 Milliarden Euro rechnen.

So steigt die Deckungslücke der Krankenkassen

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Zusammengerechnet ergeben alle Vorschläge fast das Dreifache. Man wolle der Bundesregierung einen "sehr weiten Ermessensspielraum" lassen, welche der 66 Maßnahmen sie umsetzen wolle, so der Kommissionsvorsitzende, Wolfgang Greiner.

Diesen Spielraum wird die Koalition wohl auch brauchen. Schon jetzt ist abzusehen, dass diese Reformen allen Seiten viel abverlangen werden.

Experte: Patienten vor "falscher Medizin" schützen

Grundsätzlich gilt: In Zukunft soll nur noch das ausgegeben werden, was man auch einnimmt. Einige der Sparvorschläge könnten nach Einschätzung der Kommission dabei sogar positive Auswirkungen auf die Versorgung haben. So soll beispielsweise bei langfristig planbaren Operationen in Zukunft die Zweitmeinung eines anderen Arztes eingeholt werden, so der Vorschlag.

So steigen die Beiträge für die Krankenkassen

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Der Patient soll danach selbst entscheiden können, ob er eine Operation für nötig hält oder beispielsweise eine Physiotherapie macht. So könne man die Versicherten vor "unnötigen Ausgaben" und die Patienten vor "zu viel und falscher Medizin" schützen, so Ferdinand Gerlach, Arzt und Vize-Chef der Kommission.

Zudem sollen nach Ansicht der Experten in Zukunft nur noch Leistungen erstattet werden, bei denen eine positive Wirkung wissenschaftlich nachgewiesen ist. Sie schlagen unter anderem vor, die Gelder für Homöopathie, Cannabisblüten oder auch die anlasslosen Früherkennungsuntersuchungen auf Hautkrebs zu streichen.

Bundesgesundheitsministerin Warken will mit einer Reform dem Milliardendefizit der gesetzlichen Krankenversicherung entgegenwirken. Die Kommission präsentierte heute ihre Vorschläge.

Knapp 15 Milliarden Euro fehlen den Kassen jährlich zur Finanzierung ihrer Aufgaben. Geld, das der Staat zuschießen muss.

30.03.2026 | 1:20 min

Kommission schlägt Steuererhöhungen vor

Im Bericht der Kommission finden sich allerdings nicht nur Sparmaßnahmen. So schlagen die Experten beispielsweise auch vor, die Steuern auf Tabak und Spirituosen zu erhöhen. Auch eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke findet sich im Bericht. Knapp zwei Milliarden Euro mehr würde das schon für das kommende Jahr bedeuten.

In der Bundesregierung wird das für Diskussionsstoff sorgen. Hatte die Union doch nicht nur im Wahlkampf, sondern bis zuletzt, Steuererhöhungen ausgeschlossen. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) wollte einer Zuckersteuer zuletzt noch keine Absage erteilen.

Welche Maßnahmen wird die Bundesregierung am ehesten umsetzen? ZDF-Korrespondent Wulf Schmiese mit einer Einordnung.

66 empfohlene Maßnahmen hat die Reformkommission heute vorgestellt. ZDF-Korrespondent Wulf Schmiese mit einer Einschätzung, welche Vorschläge am ehesten umgesetzt werden dürften.

30.03.2026 | 1:30 min

Söder lehnt Vorschlag bereits ab

Doch auch bei einigen Sparvorschlägen dürfte sich die Regierung uneinig sein. So hätten die Kassen nächstes Jahr 3,5 Milliarden Euro mehr zur Verfügung, wenn die beitragsfreie Ehegattenversicherung abgeschafft werden würde. Ein Ehepartner kann aktuell ohne Zusatzbeitrag beim anderen Partner mitversichert werden, wenn er weniger als 565 Euro im Monat verdient.

So viel geben die Krankenkassen aus für ...

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Der CSU-Parteichef und bayerischer Ministerpräsident Markus Söder hatte das zuletzt bereits abgelehnt. Warken erwartet zwar auch Diskussionen, aber:

Ich würde mich freuen, wenn wir jetzt zumindest einige Tage uns mal damit zurückhalten könnten, Dinge von vornherein auszuschließen.

Nina Warken (CDU), Bundesgesundheitsministerin

  • Leistungserbringer und Hersteller: Den größten Beitrag sollen die Leistungserbringer leisten. Zentral ist die Rückkehr zu einer "einnahmenorientierten Ausgabenpolitik" durch eine Begrenzung der Vergütungsanstiege.
  • Bund: Durch eine vollständige Finanzierung der Beiträge von Bürgergeld-Beziehenden aus Steuermitteln soll der Bund rund 12,5 Milliarden Euro zusätzlich beisteuern.
  • Einnahmen: Hier sollen rund 4,8 Milliarden Euro zusätzlich aufgebracht werden. Maßgeblich sind die Abschaffung der beitragsfreien Ehegattenversicherung und die Erhöhung des Beitragssatzes für Minijobs.
  • Versicherte: Patienten sollen durch höhere Zuzahlungen und eine Absenkung des Krankengeldes mit rund 4,1 Milliarden Euro beteiligt werden.
  • Konsumsteuern: Zur Stärkung der Prävention schlägt die Kommission höhere Steuern auf Tabak und Alkohol sowie eine neue Steuer auf zuckergesüßte Getränke vor. Das Gesamtvolumen liegt bei rund 1,9 Milliarden Euro.

Quelle: Reuters


Größter Sparbetrag wird wohl unangetastet bleiben

Der mit Abstand größte Brocken in den Vorschlägen der Kommission würde bereits im kommenden Jahr 12 Milliarden Euro sparen. Die Beiträge für Bürgergeldbeziehende müssen aktuell zu einem großen Teil die Kassen selbst tragen, auch wenn das eigentlich Aufgabe des Staats wäre. Die angegebenen 12 Milliarden Euro müssten demnach eigentlich aus dem Haushalt bezahlt werden.

Krankenhaus

In den letzten Jahren sind die Kosten im Gesundheitswesen kontinuierlich gewachsen. Heute will eine Finanzkommission ihre Reformvorschläge vorstellen. Ein Überblick über die Kostentreiber.

30.03.2026 | 2:32 min

Angesichts der jetzt schon absehbaren Lücken in den Staatsfinanzen scheint es unwahrscheinlich, dass sich die Bundesregierung hier selbst noch mehr Spielraum nimmt.

Bis Ende Juni will die Bundesgesundheitsministerin einen Gesetzentwurf ins Kabinett einbringen. Grundlage dafür sollen die Vorschläge der Kommission sein. Bis dahin sind noch zahlreiche Diskussionen, auch innerhalb der Regierung, zu erwarten.

Über dieses Thema berichtete die heute-Sendung am 30.03.2026 ab 19 Uhr.

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