Vapes "wahrscheinlich krebserregend":Neue Studie: Wie gefährlich sind E-Zigaretten wirklich?
von Oliver Klein
Der Markt von E-Zigaretten wächst rasant, beworben als harmlosere Alternative. Studien finden jedoch Schadstoffe und Metalle im Dampf. Droht ein unterschätztes Krebsrisiko?
Wird das Gesundheitsrisiko von E-Zigaretten unterschätzt?
Quelle: ImagoDer Markt für E-Zigaretten boomt - der Umsatz hat sich laut dem Branchenverband BfTG allein im vergangenen Jahr um 25 Prozent gesteigert, auf 2,4 Milliarden Euro. Die bunten Designs und Geschmacksrichtungen wie Minze, Melone oder Omas Apfelkuchen sprechen vor allem junge Menschen an.
"Vapes", also E-Zigaretten mit Aroma, werden immer beliebter und gelten als Einstiegsdroge für eine Nikotinsucht.
31.05.2025 | 1:50 minIn der Werbung, in Foren und Sozialen Medien werden die sogenannten Vapes als deutlich harmlosere Alternative zu klassischen Zigaretten angepriesen. "Das Krebsrisiko sinkt um 99,6 Prozent", heißt es etwa in einem selbstbetitelten "Faktenpapier" des Branchenverbands Bündnis für Tabakfreien Genuss von 2021.
Giftstoffe des Zigarettenrauchs seien im E-Zigaretten-Dampf "nicht oder nur in sehr kleinen Mengen vorhanden", schreibt ein Onlineshop auf seiner Webseite. Doch wie gesundheitsschädlich sind E-Zigaretten wirklich? Was ist dran an den Aussagen der Industrie? Welche aktuellen Studien gibt es dazu? ZDFheute mit einem Faktencheck.
Sie sind aufwendig designt, schmecken wie Süßigkeiten und sind bei jungen Menschen extrem beliebt: Vapes. Fast jeder Siebte zwischen 18 und 25 Jahren konsumiert sie regelmäßig.
06.11.2025 | 44:54 minEinweg-E-Zigaretten besonders problematisch
Weil in E-Zigaretten eine Flüssigkeit verdampft, aber kein Tabak verbrannt wird, entstehen kein Teer, Kohlenmonoxid oder andere Verbrennungsgase. Aber Experten warnen seit Jahren, dass die Aerosole neben Nikotin auch Substanzen enthalten, die als gesichert oder wahrscheinlich krebserzeugend eingestuft sind.
Vapen bedeutet "verdampfen". Vapes bestehen meist aus vier Teilen: Mundstück, Tank für das sogenannte Liquid, Heizelement und Akku.
Vapes gibt es als Einweg-Produkte, mit austauschbarem Tank oder zum Wiederauffüllen. Einweg-Vapes sind besonders umstritten, weil sie mit ihren Batterien oft unerlaubt im Hausmüll landen. Einweg-Vapes mit fest eingebauter Batterie sind in der EU ab 2027 verboten.
China gehört zu den größten Produzenten für E-Vapes, doch die elektronischen Zigaretten sind dort verboten. In Deutschland wird der Umgang mit dem süßen Süchtigmacher diskutiert.
28.05.2024 | 10:53 minZum einen können manche Bestandteile der Liquids miteinander reagieren und so neue, unvorhergesehene Stoffe entstehen, warnt das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Zum anderen können Giftstoffe über Bauteile der Geräte in den Dampf gelangen, wenn sich beispielsweise die Heizspule während des Gebrauchs zersetzt.
Das gilt besonders für die Wegwerf-Varianten der E-Zigarette: Eine im Fachblatt ACS Central Science veröffentlichte Studie der University of California zeigt, dass im Dampf dieser Geräte zuweilen etliche gesundheitsschädliche Metalle wie Blei, Antimon und Nickel enthalten sind. Der Bleigehalt im Dampf von Geräten der US-Marke Esco Bar überraschte sogar die Wissenschaftler selbst, heißt es in einer Pressemitteilung der Universität:
Als ich die Bleikonzentrationen zum ersten Mal sah, waren sie so hoch, dass ich dachte, unser Messgerät sei kaputt.
Studienautor Mark Salazar über Einweg-E-Zigaretten
Ab 1. Juni sind in Großbritannien der Verkauf und die Abgabe dieser Einwegprodukte verboten. Ziel ist, den Markt von Wegwerfprodukten zu befreien, ein Zeichen für mehr Nachhaltigkeit.
30.05.2025 | 1:51 minBauteile der Geräte vergiften den Dampf
Die klassischen Einweg-E-Zigaretten von Esco Bar dürfen in Deutschland zwar nicht verkauft werden, weil Tankvolumen und Nikotingehalt zu hoch sind. Doch der Marktführer bei Einweg-E-Zigaretten hierzulande - die chinesische Marke Elfbar - fiel ebenfalls negativ in der Studie auf: In den Aerosolen wurden unter anderem Nickelkonzentrationen gemessen, die weit über den Werten liegen, die noch als gesundheitlich sicher gelten.
Inhaliert man diese Stoffe, könne sich nicht nur das Risiko für Lungenkrebs erhöhen, sondern auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Leiden oder Nieren- und Atemwegsschäden, so die Studie. Der Hersteller Elfbar widerspricht in einer Stellungnahme: Die in der US-Studie getesteten Geräte seien wohl Fälschungen und nicht von Elfbar produziert worden.
Der Klick zum Kick: Drogen wie Fentanyl & Nitazene, stärker als Heroin, werden immer gefragter. Synthetische Opioide machen extrem süchtig und werden online als Liquid zum Vapen verkauft.
03.09.2025 | 17:20 minWissenschaft kann Krebsrisiko schwer messen
Bei der Erforschung des Krebsrisikos durch Vaper stehen Wissenschaftler vor einem Problem: Viele Krebsarten treten erst nach Jahren oder Jahrzehnten auf, E-Zigaretten sind jedoch erst seit etwa 2010 breit verfügbar. Beim Lungenkrebs zum Beispiel beträgt die sogenannte Latenzzeit zwischen Rauchbeginn und Diagnose typischerweise 20 bis 40 Jahre, erklärt Martin Widschwendter, Professor für Krebsprävention und -Screening, an der Universität Innsbruck.
Hinzu kommt, dass in den bisher verfügbaren Studien bis zu 97 Prozent der E-Zigaretten-Nutzer auch Tabak geraucht haben, was die Isolierung eines eigenständigen Vaping-Effekts erschwert.
Martin Widschwendter, Professor für Krebsprävention, Universität Innsbruck
Darum wurde der eindeutige Nachweis, dass E-Zigaretten Krebs auslösen, noch nicht erbracht - anders als bei normalen Zigaretten.
Politiker von Union und SPD fordern eine höhere Tabaksteuer, um damit die gesetzlichen Krankenkassen zu unterstützen. ZDFheute live dazu, was die Erhöhung dem Gesundheitssystem bringen soll.
30.01.2026 | 8:10 minNeue Studie: Dampfen "wahrscheinlich krebserregend"
Doch die Hinweise verdichten sich: Eine aktuelle Studie kommt zu dem Schluss, dass regelmäßiges Dampfen von E-Zigaretten wahrscheinlich Lungen- oder Mundhöhlenkrebs verursachen kann.
Wissenschaftler analysierten dafür Forschungsarbeiten, die seit 2017 zu dem Thema veröffentlicht wurden - Tierstudien, Zellstudien und Studien am Menschen. Die Evidenz sei "substanziell", so Widschwendter. Beim Tabak habe es Jahrzehnte gedauert, bis die tatsächlichen Krankheitsfälle die Gefahren bewiesen haben und die Epidemiologie die Biologie einholte. "Diesen Fehler sollten wir bei E-Zigaretten nicht wiederholen."
Umweltminister Schneider hat erklärt, ein Verbot von Einweg-E-Zigaretten anzustreben. Als Gründe nannte er neben Gesundheit und Umweltschutz auch die Sicherheit in Müllverbrennungsanlagen.
29.12.2025 | 1:02 minDoch wie gefährlich sind E-Zigaretten nun im Vergleich zu Tabak? Ute Mons vom Deutschen Krebsforschungszentrum weist darauf hin, dass Menge und Konzentration krebserzeugender Substanzen im Aerosol von E-Zigaretten "in der Regel deutlich geringer sind als im Rauch herkömmlicher Tabakzigaretten".
Darum sei davon auszugehen, dass auch das Potenzial, Krebs zu erzeugen, von E-Zigaretten geringer sei. "Dies bedeutet jedoch nicht, dass E-Zigaretten als unbedenklich einzustufen sind", so Mons.
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