BGH folgt gesundheitlichen Bedenken:Leere Vape-Tanks: Verkauf an Kinder und Jugendliche verboten
Der Bundesgerichthof stärkt den Jugendschutz: Leere E-Zigaretten-Tanks dürfen nicht an Jugendliche verkauft werden. Der Grund sind gesundheitliche Bedenken.
Händler müssen beim Verkauf leerer Ersatztanks für E-Zigaretten das Alter der Käufer prüfen. Der BGH stärkte mit der Entscheidung den Jugendschutz.
11.03.2026 | 0:26 minMit bunten Designs und Geschmacksrichtungen wie Minze, Melone oder Omas Apfelkuchen sprechen E-Zigaretten oft vor allem junge Menschen an. Das Jugendschutzgesetz verbietet dabei ausdrücklich den Verkauf an Kinder und Jugendliche.
Das gilt auch für leere Ersatztanks, die erst noch mit Flüssigkeit gefüllt werden müssen, entschied heute der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe.
"Vapes", also E-Zigaretten mit Aroma, werden immer beliebter und gelten als Einstiegsdroge für eine Nikotinsucht. Ein Aufklärungsprojekt in Hamburg will dem entgegenwirken.
31.05.2025 | 1:50 minDie wichtigsten Fragen und Antworten zum Verfahren und einem umstrittenen Produkt:
Wie gesundheitsschädlich sind E-Zigaretten?
E-Zigaretten oder Vapes (vom englischen Begriff Vaporizer, auf Deutsch: Verdampfer) sind elektronische Zigaretten, die mit einer Flüssigkeit, dem E-Liquid, gefüllt sind. Sie enthält neben Nikotin auch Aroma- und Geschmacksstoffe. Neben Einweg-Vapes gibt es Pod-Systeme, bei denen die Tanks zum Teil selbst mit Liquids befüllt werden können.
Auch wenn E-Zigaretten-Dampf weniger Schadstoffe enthält als verbrennender Tabak, warnen Gesundheitsexperten vor Gefahren. So deuten etwa laut Bundesinstitut für Risikobewertung Analysedaten darauf hin, dass beim Erhitzen der Flüssigkeiten krebserzeugende Substanzen entstehen könnten.
Der ausgestoßene Dampf enthält eine große Zahl an festen und flüssigen Stoffen, die unter anderem das Herzkreislaufsystem und die Lunge schädigen können.
Bundesinstitut für Risikobewertung
Politiker von Union und SPD fordern eine höhere Tabaksteuer, um damit die gesetzlichen Krankenkassen zu unterstützen. ZDFheute live dazu, was die Erhöhung dem Gesundheitssystem bringen soll.
30.01.2026 | 8:10 minWas sagt das Jugendschutzgesetz zum Verkauf von E-Zigaretten?
Im Jugendschutzgesetz steht, dass Tabakwaren und andere nikotinhaltige Erzeugnisse in Geschäften und im Versandhandel nicht an Kinder und Jugendliche abgegeben werden dürfen.
Das gilt explizit "auch für nikotinfreie Erzeugnisse, wie elektronische Zigaretten oder elektronische Shishas, in denen Flüssigkeit durch ein elektronisches Heizelement verdampft und die entstehenden Aerosole mit dem Mund eingeatmet werden, sowie für deren Behältnisse".
Was sagt der BGH zu den Ersatztanks?
Der BGH hat entschieden, dass auch ungefüllte Ersatztanks zu den vom Jugendschutz erfassten "Behältnissen" zählen. Die Tanks könnten gar nicht anders verwendet werden, als zum Konsum von E-Liquids in E-Zigaretten, erklärte der Vorsitzende Richter Thomas Koch in Karlsruhe.
Umweltminister Schneider setzt sich für ein Verbot von Einweg-E-Zigaretten ein. Denn: Die Vapes können bei einer Beschädigung Feuer fangen. Das ist auch bei der Müllentsorgung problematisch.
29.12.2025 | 1:32 minEs gehe daher auch dann eine Gesundheitsgefahr von ihnen aus, wenn sie leer seien. Versandhändler müssten daher sicherstellen, dass auch leere Ersatztanks nicht an Kinder und Jugendliche abgegeben werden.
Wie wird das Alter überprüft?
Wenn man im Netz E-Zigaretten bestellt, führt der Händler nach Angaben des Branchenverbandes "Bündnis für Tabakfreien Genuss" (BfTG) bisher eine Online-Kontrolle durch - er lässt beispielsweise von der Schufa bestätigen, dass der Bestellende volljährig ist.
Hinzu kommt eine Sichtkontrolle des Paketboten bei der Übergabe an der Haustür, damit zum Beispiel nicht ein minderjähriger Sohn mit Kontodaten seines Vaters bestellt und den Paketboten an der Haustür abfängt.
Ab 1. Juni sind in Großbritannien der Verkauf und die Abgabe von Einweg-E-Zigaretten verboten. Ziel ist, den Markt von Wegwerfprodukten zu befreien, ein Zeichen für mehr Nachhaltigkeit.
30.05.2025 | 1:51 minFür beide Dienstleistungen zahlen die E-Zigaretten-Händler Geld. Je nach Bestellung wird ein hoher zweistelliger Cent-Betrag oder ein niedriger einstelliger Euro-Betrag fällig, um den Jugendschutz zu gewährleisten, heißt es vom BfTG.
Was sagen die Unternehmen?
Die Anwältin des beklagten Unternehmens, Brunhilde Ackermann, hatte argumentiert, dass die Jugendschutz-Regelung nicht greift, wenn das Behältnis leer ist. Zigarettenpapier ohne Tabak, das für Zigaretten zum Selberdrehen genutzt wird, oder Pfeifen seien schließlich auch kein nikotinhaltiges Produkt im Sinne des Jugendschutzes, sagte sie.
Die klagende Firma ist Mitglied im BfTG. Dessen Vorsitzender Dustin Dahlmann sagte:
Die Altersprüfung beim Online-Versand von unbefüllten Ersatztanks ist ein wichtiger Bestandteil eines effektiven Jugendschutzes.
Dustin Dahlmann, Vorsitzender "Bündnis für Tabakfreien Genuss"
Der Einwand, ein unbefüllter Tank sei für sich genommen harmlos, greife zu kurz. "Wenn Jugendliche sich funktionsnotwendige Einzelteile wie Akkuträger, Verdampferköpfe und Tanks ohne Alterskontrolle im Internet zusammenstellen können, wird der Schutzzweck des Jugendschutzgesetzes unterlaufen."
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