Neurodivergenz am Arbeitsplatz:Wie Inklusion von ADHS im Job gelingen kann
von Grit Cross
Neurodivergente Menschen bringen wertvolle Perspektiven in Unternehmen ein. Damit ihre Stärken wirken können, braucht es Arbeitsprozesse, die unterschiedliches Denken unterstützen.
Social-Media-Star Malte Zierden erzählt offen von seinem Leben mit ADHS. Wie meistern andere die Diagnose? Was hilft ihnen im Alltag und ist es eine heimliche Superkraft?
29.03.2026 | 43:30 minZu den Aufgaben von Ayse Semiz-Ewald gehört es, neurodivergente Mitarbeitende ins Arbeitsumfeld zu integrieren. Semiz-Ewald ist Psychologin und als Personalmanagerin bei der Deutschen Telekom für den Bereich Culture and Inclusion zuständig. "Vielfalt, Chancengerechtigkeit und Teilhabe sind Teil unserer Unternehmenskultur."
Kein Gehirn arbeitet gleich
Neurodivergent sind beispielsweise Menschen mit ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung), Autismus, Tourette oder Zwangsstörungen, das heißt ihre Gehirne funktionieren etwas anders als die der gesellschaftlichen Norm (neurotypisch). Schätzungen zufolge sind rund 20 Prozent aller Menschen in Deutschland neurodivergent. Arbeitsplätze sind jedoch meist für neurotypische Mitarbeitende gemacht.
Das bedeutet, wer anders denkt oder arbeitet, fällt oft durchs Raster. Während eindeutige Zahlen in Deutschland fehlen, hat die britische Regierung festgestellt, dass nur 31 Prozent der neurodivergenten Menschen erwerbstätig sind.
Manche Menschen geraten an ihre Grenzen, wenn innere Unruhe oder Konzentrationsprobleme den Alltag bestimmen. Influencer Malte Zierden erzählt, wie herausfordernd ADHS sein kann.
12.03.2026 | 7:31 minDabei gelten Menschen mit ADHS beispielsweise als besonders kreativ. Autisten können systematisch und analytisch gut denken. Deshalb lohnt es sich für Unternehmen, die Fachkräfte suchen, ihre Arbeitsprozesse offener zu gestalten.
Arbeitsplatz an Bedürfnisse anpassen
Ayse Semiz-Ewald, Diversity-Managerin bei der Telekom AG, möchte Arbeitsabläufe für neurodivergente Mitarbeitende inklusiv gestalten.
Quelle: ZDFDie Telekom verfolge den Ansatz, dass "jeder die gleichen Chancen hat, auch sein Bestes oder ihr Bestes am Arbeitsplatz zu erbringen", erklärt Semiz-Ewald.
Wir schauen dabei, wie wir das Umfeld fördern können, damit das für alle möglich ist.
Ayse Semiz-Ewald, Personalmanagerin Deutsche Telekom AG
Mitarbeiterin Sarah Lauer profitiert von der Idee. Die 33-Jährige arbeitet im IT-Bereich der Telekom und hat erst mit Ende 20 herausgefunden, dass sie Autistin ist. Vergangenes Jahr erhielt sie außerdem ihre ADHS-Diagnose. Für sie fügten sich endlich "alle Puzzleteile zusammen".
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17.12.2025 | 7:04 minNeurodiversity Community gegründet
Laute Großraumbüros, Sachen, die ablenken, still sitzen, sich anpassen: Das ist für viele Menschen mit ADHS eine echte Herausforderung. Reizüberflutung und mentale Erschöpfung sind die Folge.
Mit Unterstützung ihres Arbeitgebers gründete Sarah Lauer eine Neurodiversity Community. Da seien mittlerweile 750 Mitglieder weltweit versammelt, sagt Lauer.
Ich finde es immer am schönsten, wenn mir Kolleginnen sagen, ich bin so froh, euch gefunden zu haben, endlich versteht mich mal jemand.
Sarah Lauer, Neurodiversity Community Deutsche Telekom AG
Sarah Lauer ist selbst Autistin und hat die Neurodiversity Community bei der Telekom AG gegründet.
Quelle: ZDFNeben dem Austausch erarbeitet die Community gemeinsam Programme oder Leitfäden für das Unternehmen, um Arbeitsabläufe für neurodivergente Mitarbeitende anzupassen. Letztes Jahr hat die Community den Bewerbungsprozess der Telekom angeschaut. Semiz-Ewald erläutert, dass daraus viele Empfehlungen entstanden seien, die die Telekom "in einem Guide für neurodivergente Bewerbende als auch für Recruiter zusammengestellt und eingeführt hat".
Sehen Sie die Doku "ADHS als Gamechanger" von plan b am 29. März um 15:30 Uhr im ZDF oder jederzeit im ZDF-Streaming-Portal.
Inklusion durch offene Kommunikation
Sarah Lauer ist überzeugt, dass ihr Arbeitsalltag durch die Community einfacher geworden ist. Wenn sie mit ihren Noise-Canceling-Kopfhörern im Büro unterwegs sei, schaue keiner mehr komisch, berichtet Lauer. Es gebe inzwischen extra Räume, die Ruhe bieten und ein anderes Arbeiten möglich machen.
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01.03.2026 | 1:31 minDass neurodivergente Mitarbeitende überhaupt gehört werden, dafür braucht es noch nicht mal ein großes Budget, erklärt Semiz-Ewald: "Zuallererst geht es um Dialog. Meistens ist das für die betroffene Person so viel wert, dass jemand auf sie zukommt und sagt, wie kann ich dir helfen oder was muss ich wissen."
Semiz-Ewald betont, dass Leitfäden und Netzwerke gute Werkzeuge zur Integration seien. Aber nur offene Feedbackkultur, flexible Arbeitszeitmodelle und ehrlich interessierte Führungskräfte brächten die Teilhabe aller Mitarbeitenden voran.
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