Rundrücken im Alter:Hyperkyphose: Wenn sich die Wirbelsäule krümmt
von Silke Potthoff
Ein ausgeprägter Rundrücken ist häufig die Folge von Osteoporose oder Wirbelbrüchen. Warum eine frühe Diagnose wichtig ist und welche Therapie bei einer krankhaften Kyphose hilft.
Bei einer krankhaften Kyphose ist die Brustwirbelsäule mehr als 40 Grad nach vorne gebeugt. Nicht nur ältere Menschen, auch immer mehr junge Erwachsene sind von einem solchen Rundrücken betroffen.
12.03.2026 | 4:59 minViele Menschen bemerken, dass sie im Laufe des Lebens kleiner werden und sich ihre Haltung verändert: Die Schultern fallen nach vorne, der obere Rücken rundet sich deutlich. Man bezeichnet dies als pathologische Kyphose oder Hyperkyphose, umgangssprachlich auch "Rundrücken" oder "Witwenbuckel" genannt. Dabei ist die natürliche Krümmung der Brustwirbelsäule nach hinten deutlich verstärkt.
Schmerzen in der Schulter können viele Ursachen haben. Nicht immer reichen konservative Verfahren wie eine Physiotherapie für eine erfolgreiche Behandlung aus.
07.08.2025 | 5:05 minNeben der äußerlich sichtbaren Veränderung können Rückenschmerzen, Muskelverspannungen und Bewegungseinschränkungen auftreten. In schweren Fällen kann auch die Atmung beeinträchtigt werden, da sich der Brustkorb nicht mehr ausreichend ausdehnen kann.
Wie eine krankhafte Kyphose entsteht
Die Wirbelsäule hat von Natur aus eine doppelte S-Form. Im Bereich der Brustwirbelsäule ist eine leichte Krümmung (Kyphose) nach hinten normal. Wird der Krümmungswinkel größer, liegt eine Hyperkyphose vor. Die Folge ist eine vorgebeugte Haltung, bei der Kopf und Schultern nach vorne wandern.
Wie Kunststoff und UV-Licht Frakturen heilen und warum vor allem ältere Menschen mit porösen Knochen von dem Verfahren profitieren.
06.03.2026 | 5:11 minFriederike Schömig vom Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie der Charité - Universitätsmedizin Berlin beobachtet eine Zunahme der Erkrankungen.
Die Zahl der pathologischen Kyphosen steigt aufgrund des modernen Lebensstils, der mit vermehrtem Sitzen einhergeht.
Prof. Dr. Friederike Schömig, Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie
Ursachen für einen Rundrücken sind vor allem Fehlhaltungen und muskuläre Dysbalancen, aber auch strukturelle Veränderungen der Wirbelkörper oder Wirbelbrüche - meist aufgrund von Osteoporose. Schmerzen führen oft zu Schonhaltungen, die den Rundrücken weiter verstärken.
Unterschiedliche Formen der krankhaften Kyphose
Eine funktionelle Kyphose wird nicht durch knöcherne Veränderungen verursacht. Meist ist sie muskulär bedingt. Typisch ist, dass sich die Krümmung aktiv oder passiv aufrichten lässt, zum Beispiel durch eine bewusste Haltungskorrektur oder physiotherapeutische Übungen. Besonders bei Jugendlichen tritt sie häufig als sogenannte Haltungsinsuffizienz auf.
Eine strukturelle Kyphose beruht auf dauerhaften Veränderungen der Wirbelkörper oder Bandscheiben. Die Krümmung ist dabei starr und lässt sich nicht oder nur geringfügig ausgleichen. Ursachen können angeborene Fehlbildungen, Wirbelbrüche oder Erkrankungen wie der Morbus Scheuermann sein. Diese Form erfordert oft eine intensivere medizinische Behandlung, je nach Ausprägung auch eine Korsetttherapie und operative Maßnahmen.
Taubheitsgefühle, Schmerzen in Rücken und Beinen sowie Lähmungserscheinungen sind typische Symptome für einen Bandscheibenvorfall – sie treten aber auch beim Wirbelgleiten auf.
22.08.2025 | 5:16 minWie ein Rundrücken diagnostiziert wird
Bei der körperlichen Untersuchung wird die Haltung beurteilt, die Beweglichkeit der Wirbelsäule geprüft und schmerzhafte Bereiche abgetastet. Zur genauen Beurteilung wird in der Regel eine Röntgenaufnahme angefertigt.
Anhand der Aufnahme wird der sogenannte Cobb-Winkel bestimmt, der das Ausmaß der Verkrümmung angibt. Ist er größer als 40 Grad, liegt eine krankhafte Kyphose vor. Besteht der Verdacht auf Osteoporose, wird zusätzlich eine Knochendichtemessung durchgeführt.
Ein Bandscheibenvorfall kann zu starken Schmerzen führen. Wann reichen konservative Therapien aus und in welchen Fällen ist eine Operation wirklich sinnvoll?
19.01.2026 | 4:57 minWie eine Hyperkyphose behandelt wird
Ein zentraler Baustein ist die Physiotherapie. Kräftigungsübungen für Rücken- und Bauchmuskulatur, Haltungsschulung und Gleichgewichtstraining helfen, die Wirbelsäule zu stabilisieren und Stürze zu vermeiden.
Betroffene müssen viel Eigeninitiative zeigen und die Übungen zu Hause täglich wiederholen, sagt Physiotherapeut René Rimkus. Außerdem solle man auch im Sitzen in Bewegung bleiben. "Die nächste Haltung ist immer die beste Haltung", erklärt Rimkus.
Nur in schweren Fällen, etwa bei ausgeprägten Wirbelbrüchen oder sehr starker Krümmung, wird eine Operation, bei der die Wirbelsäule wieder aufgerichtet wird, in Betracht gezogen.
Häufigste Ursache einer ausgeprägten Kyphose im Alter ist Osteoporose, bei der die Knochendichte abnimmt und die Knochen poröser werden. Durch den Abbau der Knochensubstanz verlieren die Wirbelkörper an Stabilität. Es kann zu sogenannten Keilwirbeln kommen - kleine Einbrüche im Wirbelkörper, die die Krümmung verstärken.
Liegt eine Osteoporose vor, steht die Behandlung des Knochenschwunds im Vordergrund, etwa durch Vitamin-D-Gabe, kalziumreiche Ernährung und spezifische Medikamente. Wirbelbrüche und eine weitere Krümmung können dadurch vermieden werden.
Abgrenzung zu anderen Wirbelsäulen-Erkrankungen
Von der altersbedingten Hyperkyphose abzugrenzen ist der Morbus Scheuermann, der während des Wachstums im Jugendalter auftritt und ebenfalls zu einer verstärkten Krümmung der Brustwirbelsäule führt. Ursache sind Entwicklungsstörungen der Wirbelkörper.
Die Wachstumsstörung Morbus Scheuermann kann Teenager treffen. Was hinter der Erkrankung steckt und welche Therapiemöglichkeiten es gibt.
20.01.2025 | 5:30 minBei der Skoliose handelt sich um eine seitliche Verbiegung der Wirbelsäule. Sie tritt häufig zusammen mit einer krankhaften Kyphose auf.
Welche Risiken drohen
Bleibt eine ausgeprägte Kyphose unbehandelt, kann sich die Fehlhaltung weiter verstärken. Chronische Schmerzen und eingeschränkte Beweglichkeit sind die Folge. Selbst eine Operation kann dann oft nicht mehr das gewünschte Ergebnis erreichen, weiß Friederike Schömig.
Es ist nicht immer möglich, eine starke Kyphose durch eine Operation wieder in den Normbereich zu korrigieren.
Prof. Dr. Friederike Schömig, Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie
Mit einer frühzeitigen Diagnose und konsequenter Therapie bestehen jedoch gute Chancen, Beschwerden zu lindern, die Haltung zu verbessern und die Lebensqualität im Alter zu erhalten.
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