Iran-Krieg: "Regime spielt mit der Weltwirtschaft"

Interview

Experte zur Hormus-Blockade:Schindler: "Das iranische Regime spielt mit der Weltwirtschaft"

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Experte Schindler sieht in der Blockade von Hormus und den Angriffen auf Schiffe Hinweise auf wachsenden Druck im iranischen Regime. Er pocht auf die Wichtigkeit von Verhandlungen.

Nahost-Experte Hans-Jakob Schindler in seinem Büro

Die Straße von Hormus ist erneut gesperrt. Iran nutzt die Blockade als Druckmittel, braucht aber dringend Verhandlungsfortschritte, so Nahost-Experte Schindler bei ZDFheute live.

19.04.2026 | 13:33 min

Vor dem bislang für kommenden Mittwoch geplanten Ende der Waffenruhe im Iran-Krieg bleibt die Lage in dem Konflikt extrem angespannt. Nach der erneuten iranischen Blockade der für den Welthandel immens wichtigen Straße von Hormus drohte Teheran am Wochenende mit dem Beschuss aller Schiffe, die sich der Meerenge nähern. Mindestens ein Öltanker in der Region geriet bereits unter Beschuss. US-Präsident Donald Trump warnte indes, die USA ließen sich nicht vom Iran "erpressen".

Nahost-Experte Hans-Jakob Schindler versucht im Gespräch mit ZDFheute live zu erklären, ob die kurzzeitige Öffnung und dann sofortige Schließung der Straße von Hormus sowie der Beschuss von Schiffen auf Risse innerhalb des iranischen Regimes hindeuten könnte.

Iran, Qeschm: Tanker ankern in der Straße von Hormuz vor der Küste der Insel Qeschm.

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18.04.2026 | 1:52 min

Zunächst sei die erneute Schließung von Hormus eine "extrem aggressive Reaktion des Iran auf die Aussage von Donald Trump", sagt Schindler. Trump habe es natürlich begrüßt, dass die Straße wieder offen sei, er selbst setze aber die Seeblockade für iranische Schiffe fort. Diese Schiffe seien eine Haupteinnahmequelle des Regimes und wenn sie die Straße von Hormus nicht passieren könnten, "geht dem Regime in Teheran kurzfristig das Geld aus".

 Nahost-Experte Hans-Jakob Schindler
Quelle: ZDF

... ist Nahost-Experte und "Senior Director" beim "Counter Extremism Project". Er arbeitete unter anderem in der Forschung und für den UN-Sicherheitsrat im Bereich Terrorismusüberwachung. Schindler schrieb seine Doktorarbeit über internationalen Terrorismus an der schottischen Universität in St. Andrews. 


Experte: Die Meerenge sei vermint ist absurdes Argument

Ein anderes Argument des Regimes wird laut Schindler mit dem Beschuss von Schiffen - wie am Samstag geschehen - ad absurdum geführt: Dass die Meerenge vermint sei. "Denn wenn Minen in der Straße von Hormus verlegt worden wären, dann wäre das ein Problem für iranische Schiffe und für alle anderen Schiffe und dann könnten die iranischen Revolutionsgarden die Straße auch nicht öffnen oder schließen, weil da eben die Minen sind."

Grafikvideo zur Bedeutung der Meerenge starten

Grafikvideo zur Bedeutung der Meerenge

18.06.2025 | 1:13 min

Aber in den vergangenen fünf Wochen seien täglich iranische Schiffe durch die Straße von Hormus gefahren und hätten 2,1 Millionen Barrel pro Tag exportiert, während andere Schiffe nicht durchgelassen worden seien, so Schindler.

Minen unterscheiden nicht zwischen iranischen Schiffen und anderen Schiffen. Es gibt sehr hochmoderne Minen, die das können, aber diese haben die Iraner nicht.

Hans-Jakob Schindler, Nahost-Experte

Für ihn sei klar: "Das iranische Regime, insbesondere die Marine der Revolutionsgarden, spielt mit der Weltwirtschaft, indem sie Drohungen ausstößt und die zivilen Schifffahrt von Staaten, die an diesem Krieg nicht beteiligt sind, aktiv beschießt." Das sei im Grunde genommen ein ziemlich schweres Kriegsverbrechen.

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18.04.2026 | 2:49 min

Regime sieht sich "mit Rücken an der Wand"

Auch andere Maßnahmen, die sehr viel aggressiver seien als das, was die iranische Führung in den letzten Jahren gezeigt habe, würden andeuten, dass sich das Regime doch ziemlich "mit dem Rücken an der Wand" sieht, wie sehr es sich "unter Druck setzt".

Es sei ein Kriegsziel der Amerikaner und Israelis gewesen, das Regime zu destabilisieren und der Opposition eine Chance zu geben, das Regime herauszufordern. Das sei offensichtlich aktuell noch nicht der Fall, erklärt Schindler.

Das Regime hat weiterhin alle Machtmittel in der Hand.

Hans-Jakob Schindler, Nahost-Experte

Das Ziel insbesondere der Revolutionsgarden sei schlicht und ergreifend gewesen, den Konflikt zu überstehen und am Ende des Krieges weiterhin als Machtapparat im Land zu existieren. "Insofern hat die iranische Seite schon recht, dass dieses Kriegsziel nicht erreicht ist."

Aber das Regime sei, so Schindler, innerlich geschwächt und international noch isolierter als vor dem Konflikt. "Die ganzen Golfstaaten sind mittlerweile sehr kritisch, weil sie beschossen worden sind. Die Inder wurden dann heute beschossen." Dieses Regime müsse Stärke vermitteln und wolle nicht in eine schwache Verhandlungsposition kommen. "Also deklariert man sich einfach zum Sieger."

Ein Tanker liegt in der Straße von Hormus

Bei den Verhandlungen zwischen den USA und Iran sind laut dem iranischen Parlamentspräsident Ghalibaf Fortschritte zu verzeichnen. Eine Einigung sei jedoch noch weit entfernt.

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Verhandlungen mit den USA wichtig für Iran

Ob es unter den Bedingungen überhaupt zu einer neuen Verhandlungsrunde kommen kann? Iran habe ein "absolutes Interesse" daran, dass es zu Verhandlungen kommt, erklärt Schindler. "Denn solange diese Seeblockade für die Schiffe aus iranischen Häfen, insbesondere die iranischen Öltanker [aufrecht gehalten wird], ist jeden Tag weniger Geld in Teheran vorhanden."

Irgendwann wird das Regime an einen Punkt kommen, wo es auch seine Hardliner nicht mehr bezahlen kann.

Hans-Jakob Schindler, Nahost-Experte

Und dann sei es sehr interessant, "wie viele der Revolutionsgarden, es sind 1,2 Millionen insgesamt, plus die Basidsch-Miliz, wie viele von denen sind wirklich tief ideologisch überzeugt und machen bei der Sache mit, auch ohne Bezahlung". Dieser Tag rücke näher, darum brauchten die Iraner Verhandlungen.

Das Interview wurde geführt bei ZDFheute live, Moderatorin Jessica Zahedi. Zusammengefasst wurde es von Nina Bogert-Duin.

Mit Material von AFP

Quelle: ZDF
Über dieses Thema berichtete ZDFheute live am 19.04.2026 um 13:19 Uhr.

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