Viertelfinale gegen Real Madrid:Bayern will endlich wieder die Bestie sein
von Maik Rosner
Keine andere Partie im Europacup gab es so oft wie Real gegen den FC Bayern. Die Münchner treten mit vielen schlechten Erinnerungen im Bernabéu an, aber auch mit viel Zuversicht.
Das tut gut: Min-Jae Kim, Tom Bischof, Torwart Jonas Urbig und Luis Diaz (v.l.) bejubeln den Sieg gegen Freiburg.
Quelle: Imago / Ulmer / TeamfotoÜberzeugender als in dieser Saison ist der FC Bayern kaum einmal aufgetreten: Mit dem späten 3:2-Sieg in Freiburg nach einem 0:2-Rückstand haben sich die Münchner vor dem Viertelfinal-Hinspiel der Champions League bei Real Madrid (Dienstag, 21 Uhr / ausführlicher Bericht im ZDF am Mittwoch, 23 Uhr) zusätzlich bestärkt.
"Mehr positives Gefühl, um nach Madrid zu fahren, geht nicht", sagte Sportvorstand Max Eberl.
Mit dem 2:2 nach 0:2-Rückstand hätte Bayern in Freiburg gut leben können, doch die Münchner wollen mehr: Lennart Karl trifft in der Nachspielzeit gegen den am Ende konsternierten SC noch zum 3:2.
06.04.2026 | 13:13 minAm Montag folgte noch eine gute Nachricht für sie. Harry Kane nahm nach seiner Sprunggelenkblessur am Abschlusstraining teil. Real dagegen wirkt derzeit fragil. Durch die jüngste 1:2-Niederlage auf Mallorca ist die Hoffnung auf den Meistertitel wohl erloschen.
Hoeneß sieht große Titel-Chance
Schon lange bevor die Bayern in einem der berühmtesten Stadien des Weltfußballs beim Verein mit der größten Aura antreten werden, war ihre Zuversicht zu vernehmen, sich erstmals seit 2012 wieder gegen Real durchzusetzen.
Danach hatte es gegen die Königlichen dreimal das Aus im Halbfinale gesetzt (2014, 2018, 2024) und einmal im Viertelfinale (2017). "Wenn man im Viertelfinale gegen Real Madrid spielt, kann man nicht sagen, dass man die Champions League gewinnt", befand Ehrenpräsident Uli Hoeneß zuletzt zwar, "aber vom spielerischen Niveau her haben wir lange nicht mehr so große Chancen gehabt wie in diesem Jahr".
Rummenigge: "Das Spiel aller Spiele"
Die Basis fürs Weiterkommen soll nun gelegt werden, ehe das Rückspiel am 15. April in München stattfindet. Auch darin sehen die Bayern einen Vorteil. Doch sie wissen, dass mit Real stets zu rechnen ist.
Der FC Bayern dominiert auch die zweite Partie gegen Atalanta Bergamo klar. Nach dem 6:1 im Hinspiel heißt es nach 90 einseitigen Minuten 4:1. Harry Kane schießt ein Traumtor.
18.03.2026 | 2:59 minAuch deshalb bleibt es das Königsspiel des Weltfußballs, "der Gipfel, das Spiel aller Spiele, das vorweggenommene Finale", wie es der frühere Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge jüngst formulierte. Keine andere Partie gab es im Europapokal so oft, keine weckt so viele Emotionen.
Als ein Fan Gerd Müller schlug
Das galt schon für die erste Begegnung 1976, das Halbfinal-Hinspiel vor 110.000 Zuschauern im Bernabéu (1:1). Ein junger Real-Fan hatte damals direkt nach dem Abpfiff erst Gerd Müller einen Faustschlag ins Gesicht verpasst und dann auch dem Schiedsrichter Erich Linemayr eine mitgegeben.
Sepp Maier und Uli Hoeneß rangen den Teenager nieder und hielten ihn fest, bis Ordnungskräfte übernahmen. Im "kicker" war jüngst ein Foto dieser wilden Szene zu sehen.
Rummenigges Wut auf Kassai
In der jüngeren Vergangenheit endeten die Reisen ins Bernabéu für die Bayern dagegen oft mit sportlichen Niederschlägen. Wie im Viertelfinal-Rückspiel 2017, als sie nach 90 Minuten zwar die 1:2-Niederlage aus der ersten Verabredung ausgeglichen, aber Arturo Vidal wegen eines Platzverweises verloren hatten und nach Verlängerung 2:4 unterlagen.
Den Beinamen verdienten sich die Bayern aus der Zeit vor dem bislang letzten Sieg, dem Erfolg im Champions-League-Halbfinale 2012. In den 19 Spielen davor hatte Real nur sechs gewonnen.
Nach dem Halbfinale 2012 sind die Münchner allerdings sieglos gegen Real.
Zudem erlitt Manuel Neuer einen Mittelfußbruch. Die Mannschaft liege "in Trümmern", sagte Rummenigge danach und beklagte mehrere Fehlentscheidungen des Schiedsrichters Viktor Kassai. Er verspüre "wahnsinnige Wut, weil wir beschissen worden sind".
Manuel Neuer und der "minimale Maulwurf"
Auch der letzte Besuch im Bernabéu im Halbfinal-Rückspiel 2024 hielt für die Bayern ein Drama bereit. Erst ließ Neuer vorm 1:1 einen Ball prallen, was ihm zufolge ein "minimaler Maulwurf" zu verantworten hatte. Drei Minuten später kassierte er das 1:2.
Bis zur 88. Minute führt Bayern 1:0, dann bringt ein Patzer von Manuel Neuer die Wende für Real. Joselu trifft erst zum 1:1 und dann zum Sieg für Real Madrid.
08.05.2024 | 2:59 minDas Halbfinale im Mai 2024:
Zum späten Doppelschock durch Joselu kam hinzu, dass Bayerns 2:2 in der 13. Minute der Nachspielzeit nicht gegeben wurde, weil kurz vor Matthijs de Ligts Schuss auf Abseits entschieden und sofort abgepfiffen worden war. Eine VAR-Korrektur war dadurch unmöglich.
Schiedsrichter Szymon Marciniak bat danach um Verzeihung. "Da können wir uns einen Scheißdreck für kaufen", schimpfte Eberl.
Diesmal soll es endlich klappen, bestenfalls mit dem ersten Sieg bei Real seit 25 Jahren.
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