Fußball-WM-Playoffs: Italiens Angst vor Spiel gegen Nordirland

Italiens Angst vor der Angst:Nächste Fußball-WM ohne Squadra Azzurra?

von Claudio Palmieri, Bergamo

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Zum dritten Mal in Folge droht Italien, eine Fußball-WM zu verpassen. Vor dem Playoff-Halbfinale gegen Nordirland ist der viermalige Weltmeister sich selbst der größte Gegner.

Francesco Pio Esposito

Wie schon vor vier Jahren muss Italien erneut durch die WM-Quali-Playoffs. Welche Teams sonst noch um ein Ticket in die USA kämpfen.

25.03.2026 | 3:14 min

Die Spirale der Angst und Negativität: Fußball-Italien könnte sie vor dem Halbfinale der WM-Playoffs gegen Nordirland am Donnerstag (20:45 Uhr) wohl ins Endlose spinnen.

Die Verlegung des letzten Serie-A-Spieltags vor den Playoffs, die Nationaltrainer Gennaro Gattuso zur besseren Vorbereitung vorgeschlagen hatte? Wurde vom Ligaverband als nicht praktikabel eingestuft.

Inter-Block außer Form

Der Inter-Block um Alessandro Bastoni und Nicolò Barella, der Italiens Liga-Primus ins Champions-League-Finale 2025 geführt hatte? Ist teils angeschlagen, teils außer Form, wie sich bei Mailands doppelter Blamage gegen Bodö/Glimt in den Playoffs der Königsklasse zeigte.

Der norwegische Nationalspieler Erling Haaland gewinnt den Luftzweikampf gegen den italienischen Kontrahenten Manuel Locatelli

Italien hält gegen Norwegen eine Halbzeit mit, dann bricht Erling Haaland über die Squadra Azzurra herein. Mit dem 4:1 holt sich Norwegen das WM-Ticket, Italien muss aufs Playoff hoffen.

17.11.2025 | 2:59 min

Und dann wäre da die sportliche Ausgangslage, die zwangsläufig wieder ein Trauma hervorruft. Italien droht zum dritten Mal in Folge, eine Weltmeisterschaft zu verpassen.

Im ausverkauften Hexenkessel von Bergamo und im möglichen Playoff-Finale in Bosnien oder Wales am kommenden Dienstag gilt es abzuwenden, was sich 2017 als Apokalypse ins Gedächtnis der Tifosi einbrannte - und wofür es 2022 kaum noch kreativere Wortschöpfungen gab.

Kollektive Angst bei Azzurri ist allgegenwärtig

Die kollektive Angst ist allgegenwärtig. Das weiß auch Gattuso, der seine Spieler nach der 1:4-Schmach von San Siro gegen Norwegen im November zu mehreren Abendessen einlud. "Wir müssen die Jungs jetzt nicht stressen", sagt der 48-Jährige:

Wer hier ist, weiß, was auf dem Spiel steht.

Gennaro Gattuso, Nationaltrainer Italien

Das mögliche Playoff-Endspiel, in dem Italien einen Auswärtssieg bräuchte, spricht Gattuso noch gar nicht an: "Wir denken nur an Donnerstag und an nichts anderes. Nicht daran, dass wir vier Weltmeisterschaften gewonnen haben, nicht daran, dass wir seit 2014 keine WM mehr gespielt haben."

Virgiliu Postolachi und Gianluca Mancini in Chişinău am 13.11.25

Mit zwei späten Toren in Moldau wahrt Italien die theoretische Chance auf die Direkt-Qualifikation. Dafür müsste gegen Norwegen aber ein Sieg mit neun Toren her.

14.11.2025 | 2:58 min

Es gebe "keine Alibis", stellt das Kämpferherz der letzten italienischen Weltmeister-Elf von 2006 außerdem klar: "Auch andere haben Verletzte".

In drei Spielen noch kein Treffer für Italien

Tatsächlich ist es weniger die überschaubare Ausfallliste, die Gattuso besorgt. Italien muss nämlich nicht nur mental gegen die Playoff-Gespenster der Vergangenheit ankämpfen, sondern vor allem fußballerisch. In den drei Relegationspartien 2017 und 2022 gelang den Azzurri kein eigener Treffer. Chancen dafür hätte es allemal gegeben.

Schweden (0:1, 0:0) und Nordmazedonien (0:1) reichte es im Prinzip, hinten den Bus zu parken, auf Konter zu lauern - und einen davon erfolgreich abzuschließen. Die vor allem physisch starken Nordiren, die den Südeuropäern 2021 ein 0:0 in der WM-Qualifikation abrangen, dürften wenig anderes im Schilde führen.

Italien überzeugte während WM-Quali selten

Ähnliche Spielverläufe erlebte Italien auch schon in der Ära Gattuso, der im Juni den glücklosen Luciano Spalletti nach dem 0:3 beim Quali-Auftakt in Oslo beerbte. Beim 5:0-Kantersieg gegen Estland im September fiel das 1:0 gegen einen völlig unterlegenen Gegner erst in der 58. Minute.

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Beim 2:0 gegen Moldau ging Gattusos Elf erst in Minute 88 in Führung. Viel zu spät gegen ein Team, das sich gegen Erling Haaland und Co. ein 1:11 gefangen hatte. Bei den beiden Klatschen gegen Norwegen brach indes die Abwehr der Azzurri jeweils nach dem ersten Gegentor seltsam verängstigt in sich zusammen.

Fast wirkt es so, als müsse Italien nur die Angst vor der Angst überwinden, um besagter Negativspirale zu entkommen. Die Psychologie empfiehlt dafür verschiedene Therapieansätze. Konfrontation etwa. Oder die Besinnung auf die eigenen Stärken, die vor allem der amtierende Welttorhüter Gianluigi Donnarumma (Manchester City) und Mittelfeld-Taktgeber Sandro Tonali (Newcastle) verkörpern.

Calafiori: "Wollen positiv denken"

Manchmal hilft auch die Umkehrung eines lästigen Denkmusters: Denn wo eine Gefahr ist, lauert oft eine Chance. "Für mich ist es ein Kindheitstraum, zur WM zu fahren", meint Riccardo Calafiori. Das Abwehr-Ass des FC Arsenal war bei Italiens letzter WM-Teilnahme zwölf Jahre alt: "Wir wollen positiv denken."

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Quelle: Reuters

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Über dieses Thema berichtete das ZDF in dem Beitrag "Diese Teams müssen durch die WM-Quali-Playoffs" am 25.03.2026 um 08:37 Uhr.

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