Zu Gast im aktuellen sportstudio:Haris Tabakovic: Nationalheld mit steinigem Aufstieg
von Victoria Kunzmann
Mit Bosnien-Herzegowina hat Haris Tabakovic das Wunder geschafft und Italien besiegt. Jetzt fährt er zur WM. Höhepunkt einer ungewöhnlichen Karriere, wie er im sportstudio erzählt.
Mit Bosnien-Herzegowina schaltete er Italien in der WM-Qualifikation im Elfmeterschießen aus. Gladbach-Stürmer Haris Tabakovic erzählt im Sportstudio über sein größtes Spiel.
11.04.2026 | 19:13 minAn dieses Spiel wird sich Haris Tabakovic sein Leben lang erinnern: 120 Minuten Anspannung, Nervenkitzel in der Nachspielzeit - und das bessere Ende für Bosnien-Herzegowina. Das kleine Balkanland fährt zur WM - und nicht Italien. Tabakovic selbst hat diese Sensation möglich gemacht: mit seinem Anschlusstreffer zum 1:1 und seinem Tor im Elfmeterschießen.
"In dem Moment habe ich zu Gott gebetet", sagt der 31-Jährige im aktuellen sportstudio im Gespräch mit Jochen Breyer über den Elfer. "Mach den Ball rein! Das war das Einzige, woran ich gedacht habe." Er hat ihn reingemacht, rechts oben in den Winkel - und sein Land zur zweiten WM-Teilnahme überhaupt geführt. "Ich schaue mir das heute noch an", gibt der Stürmer zu.
Nachdem sich Bosnien-Herzegowina mit einem Sensationssieg gegen Italien für die WM qualifiziert hat, will Trainer Sergej Barbarez auch beim Weltturnier in den USA für Furore sorgen
11.04.2026 | 4:12 minEine bosnische Sensation
Was er vergangene Woche mit der Nationalmannschaft erlebt hat, hat Tabakovic immer noch nicht verarbeitet. "Ich glaube, dass ich es erst nach der Saison realisieren kann", sagt er und denkt an all die Begeisterung der Drei-Millionen-Einwohner-Nation. "Es ist etwas Historisches, was wir erreicht haben." In der Hauptstadt Sarajevo haben die Menschen bis tief in die Nacht auf den Straßen gefeiert. "Es war unfassbar zu sehen, wie viele Menschen da waren", so der 1,96-Meter-Stürmer, der laut eigener Aussage in dieser Nacht kein Auge zugemacht hat.
Für Bosniens Nationaltrainer Sergej Barbarez, der aus dem Ibiza-Urlaub zugeschaltet ist, hat Tabakovic großen Anteil an der WM-Teilnahme. "Seine Spielweise, sein Auftreten, ich war immer Fan von ihm", sagt der frühere Bundesliga-Profi, der unter anderem für Dortmund, Leverkusen und den Hamburger SV spielte.
Seinem Helden aus der Qualifikation verspricht Barbarez schon jetzt die Teilnahme an der WM, "wenn er gesund bleibt".
Nach der Elfmeter-Niederlage gegen Bosnien-Herzegowina verpasst die italienische Nationalmannschaft zum dritten Mal in Folge die Qualifikation für die WM.
01.04.2026 | 1:21 minDer Höhepunkt einer steinigen Karriere
Der Schlusspfiff des Italienspiels sei "ein stolzer Moment" gewesen, sagt Tabakovic.
Selbst wenn man nicht den perfekten Weg macht, führt der Weg zum Ziel.
Haris Tabakovic
Für den Gladbacher Stürmer ist die WM-Teilnahme mit dem Heimatland seiner Eltern der vorläufige Höhepunkt einer nicht immer geradlinig verlaufenden Karriere. Noch vor vier Jahren spielte Tabakovic, der in der Schweiz geboren ist, in der zweiten österreichischen Liga. Er dachte ans Aufhören, kämpfte sich zurück und startete über die Station Hertha BSC dann durch.
Seit 2024 steht er bei der TSG Hoffenheim unter Vertrag, die ihn an Borussia Mönchengladbach ausgeliehen hat. Für die Fohlen steht er bei 13 Pflichtspieltreffern.
Vor der WM: Mit Gladbach im Abstiegskampf
Trotz der starken Torquote stecken die Fohlen im Abstiegskampf. Die Partie am Samstagnachmittag gegen RB Leipzig verlor Gladbach trotz einiger Chancen mit 0:1. Das Polster auf den Relegationsrang beträgt fünf Punkte. Tabakovic präsentiert sich kämpferisch. "Wir haben es immer noch in den eigenen Händen."
Was nach der WM passiert, weiß der 31-Jährige aktuell noch nicht. Seine Leihe läuft aus, ob Gladbach den Angreifer behalten möchte, ist nicht klar. "Stand jetzt sind es noch fünf Spiele, dann fahre ich zur WM und dann bin ich Hoffenheim-Spieler", sagt Tabakovic nüchtern. Bei Gladbach würde er gern bleiben, doch den Kraichgauern hat er einiges zu verdanken. Auch andere Vereine, etwa aus der Premier League, sollen Interesse zeigen.
Davon will er aber nichts wissen:
Ich fühle mich sehr wohl in der Bundesliga. Alles andere ist ein spekulatives Thema.
Haris Tabakovic
Doch bevor es nach Hoffenheim geht, würde Tabakovic gern in den Urlaub fahren. Ob er noch nach Italien fahren darf, will Breyer wissen. "Ich hoffe, ich kann es", lacht Tabakovic.
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