Bei Jacht-Untergang gestorben:Mike Lynch: Der "britische Bill Gates"?
Der Software-Unternehmer galt als Visionär. Zuletzt schadete ein Rechtsstreit mit dem US-Konzern Hewlett-Packard seinem Ruf. Lynch starb beim Untergang einer Jacht vor Sizilien.
Mike Lynch, britischer Tech-Milliardär, 2019 in London.
Quelle: dpaNach tagelanger Suche ist es Gewissheit: Der britische Software-Unternehmer Mike Lynch kam bei dem Untergang einer Luxusjacht vor der Küste Siziliens ums Leben. Auch seine 18-jährige Tochter Hannah starb bei dem Unglück. Der 59-jährige Unternehmer galt als der "britische Bill Gates". Ein Silicon-Valley-Fall hatte seinem Ansehen als Ikone des britischen Erfindergeists zuletzt geschadet.
Lynch wollte den Segeltörn nutzen, um seinen Freispruch in dem Prozess zu feiern, den der US-Computerriese Hewlett-Packard (HP) gegen ihn angestrengt hatte. Er hatte seine Softwarefirma Autonomy 2011 für elf Milliarden Dollar an HP verkauft, das US-Unternehmen verklagte ihn danach. Mehr als ein Jahr stand Lynch faktisch unter Hausarrest, ehe er im Juni von einer Jury in San Francisco freigesprochen wurde.
Mike Lynch wurde mit Bill Gates und Steve Jobs verglichen
Vor seinem Streit mit HP hatte Lynch als Visionär gegolten - einige beschrieben ihn als britische Version der Co-Gründer von Microsoft und Apple, Bill Gates und Steve Jobs. Lynch war als wissenschaftlicher und technologischer Berater für zwei Premierminister tätig. Er gründete auch die Venturecapital-Firma Invoke Capital, die in die KI-Plattform Luminance investierte.
Lynch sei "eine instrumentale Galionsfigur der Technologieszene von Cambridge", sagte sein Freund Brent Hoberman, der frühere Geschäftsführer der Reisewebsite lastminute.com. Lynch habe britischen Unternehmern dabei geholfen, ihre Erfindungen einem globalen Publikum näher zu bringen, sagte Hoberman der BBC.
Lynch bestritt Fehlverhalten im Streit mit HP
Der Unternehmer war von Großbritannien an die USA ausgeliefert worden, um wegen des Vorwurfs des massiven Betrugs gegenüber HP vor Gericht gestellt zu werden. Lynch bestritt vehement ein Fehlverhalten. Er sagte, er werde zum Sündenbock für Patzer von HP gemacht.
Diese Position vertrat er auch während eines zweieinhalb Monate langen Prozesses in San Francisco in diesem Jahr. Der Prozess endete zu seinen Gunsten, Lynch kündigte an, nach Großbritannien zurückzukehren und sich wieder der Innovation zu widmen.
Millionenschwerer Verkauf seines Software-Unternehmens Autonomy
Zwar entging Lynch einer möglichen Gefängnisstrafe, doch gab es noch ein zivilrechtliches Verfahren in London gegen ihn. HP hatte dieses Verfahren 2022 größtenteils gewonnen. Über die zu zahlende Entschädigung in dem Fall war vor Lynchs Tod noch nicht entschieden worden. HP hat vier Milliarden Dollar gefordert.
Lynch hatte mit dem Verkauf von Autonomy mehr als 800 Millionen Dollar verdient. Das US-Magazin "Forbes" schätzte das Vermögen von Lynch 2015 auf eine Milliarde Dollar. Im aktuellen Jahr gab die britische Zeitung "The Sunday Times" das Vermögen von Lynch und seiner Frau Angela Bacares mit 500 Millionen Pfund an.
Knallharter Boss oder Technologie-Nerd?
Die Milliardär hatte an der britischen University of Cambridge Mathematik studiert. Seine Firma Autonomy entwickelte eine Suchmaschine, die E-Mails und andere interne Geschäftsdokumente durchgehen konnte, um schneller wichtige Informationen zu finden.
Im Prozess wurden zwei gegensätzliche Darstellungen von Lynchs Charakter präsentiert. Die Staatsanwaltschaft beschrieb ihn als knallharten Boss, der davon besessen gewesen sei, Einnahmeziele zu erreichen, auch wenn dazu Betrug notwendig gewesen sei. Die Verteidigung stellte Lynch hingegen als Unternehmer von Integrität und als Technologie-Nerd dar, der gerne spätabends kalte Pizza gegessen habe, während er über Möglichkeiten der Innovation nachgedacht habe.
Segeljacht "Bayesian" liegt in 50 Meter Tiefe auf dem Meeresboden
Die unter britischer Flagge fahrende, 56 Meter lange Segeljacht "Bayesian" war am Montag vor Porticello auf der italienischen Insel Sizilien gekentert. Seither liegt sie in 50 Meter Tiefe auf der Seite am Meeresgrund. Das erschwerte die Suche nach den Vermissten.
Erst am Freitag fanden die italienischen Rettungskräfte die letzte Vermisste. Taucher hätten die Leiche der 18-jährigen Hannah aus der gesunkenen Segelyacht "Bayesian" vor der Küste Siziliens geborgen, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters.
Sie war die letzte von sieben Vermissten, nachdem die ihrer Mutter gehörende Luxusyacht in einem Sturm am Montagmorgen vor dem Hafen von Porticello gekentert war. An Bord der "Bayesian" waren 22 Menschen, von denen sich 15 retten konnten, darunter Lynchs Frau Angela Bacares.
Sie wollen auf dem Laufenden bleiben? Dann sind Sie beim ZDFheute-WhatsApp-Channel richtig. Hier erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten auf Ihr Smartphone. Nehmen Sie teil an Umfragen oder lassen Sie sich durch unseren Podcast "Kurze Auszeit" inspirieren. Zur Anmeldung: ZDFheute-WhatsApp-Channel.
Mehr aus dem Panorama-Ressort
Astronauten fotografieren:"Artemis 2": Bilder vom "Erduntergang" hinter dem Mond
mit Video1:05Zwei Frauen getötet:Fahrer nach illegalem Autorennen wegen Mordes verurteilt
mit Video0:26Gestrandeter Buckelwal in der Ostsee:Expertin: Buckelwal zu bergen, wäre große Gefahr für "Timmy"
mit Video1:32- Bilderserie
Promi-News in Bildern:"Es tut mir so leid": Lady Gaga muss ein Konzert absagen
Im Alter von 95 Jahren:Ex-Postminister Schwarz-Schilling gestorben
mit Video0:35Astronauten umrunden den Mond:"Artemis 2" verlor zeitweise Kontakt zur Nasa - wie geplant
mit Video1:13Mondmission:"Artemis 2" erreicht bisher weiteste Entfernung von der Erde
mit Video0:47Forderung nach Einreiseverbot:Kanye West für Festival gebucht - Sponsoren steigen aus
mit Video0:46Klimawandel in den USA:Historisches Wahrzeichen unter Klimadruck
Emily Kaffka, Washington D.C.mit Video1:44Jungtier hatte Frau in Hamburg verletzt:Wolf nach Angriff wieder frei - "Auswilderung auf Bewährung"
mit Video0:22- FAQ
Verfolgungsfahrt in Saarbrücken:Tod nach Polizeischüssen: Welche Fragen noch offen sind
mit Video0:19 Chance auf neuen Entfernungsrekord:"Artemis 2"-Crew erreicht Einflusssphäre des Mondes
mit Video0:33Historische Mondmission:Artemis 2: Das ist die Crew, die auf dem Weg zum Mond ist
mit Video2:34Gesundheitszustand "ganz schlecht":Wal-Rettung mit Katamaran? Behörden prüfen Vorgehen
mit Video54:58Baby unter den Todesopfern:Baum stürzt auf Gruppe: Drei Tote in Schleswig-Holstein
mit Video0:19Osterbotschaft mit politischem Appell:Papst Leo: "Wer Waffen in der Hand hält, lege sie nieder"
von Jürgen Erbachermit Video2:30Verfolgungsfahrt endet tödlich:Saarbrücken: 22-Jähriger stirbt nach Polizeischüssen
mit Video0:19"Wir kümmern uns bis zur letzten Minute":Gestrandeter Wal lebt noch und wird mit Wasser benetzt
mit Video6:42"Artemis 2" schickt Fotos aus dem All:Astronauten näher an Mond als an Erde: "Ihr seht toll aus"
mit Video0:19Bis zu 25 Grad möglich:Nach Ostern: Kommt der erste sommerliche Tag?
mit Video1:19