"Wir kümmern uns bis zur letzten Minute":Gestrandeter Wal lebt noch und wird mit Wasser benetzt
Der in der Ostsee im Sterben liegende Wal atmet noch, Helfer befeuchten die verletzte Haut des Tiers. Landesumweltminister Backhaus wies Kritik am Umgang mit dem Wal zurück.
Helfer benetzen die verletzte Haut des Tieres regelmäßig mit Wasser, um die Schmerzen zu lindern.
Quelle: dpaDer vor Wismar gestrandete Buckelwal hat eine weitere Nacht überstanden und lebt noch. Er atme, mal alle zwei Minuten, mal alle vier bis fünf Minuten, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) am Samstag nach einem Besuch des vor der Insel Poel im flachen Wasser gestrandeten Buckelwals. Er habe auch wieder gerufen.
Aber man sieht eben auch, dass seine Aktivitäten geringer werden.
Till Backhaus, Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern
"Er hat auch Verletzungen", sagte Backhaus - wahrscheinlich durch Schiffsschrauben. "Das hatten wir vorher überhaupt nicht gesehen." Zudem gebe es Abdrücke wahrscheinlich von einem Netz. Am Morgen hatte bereits ein Ministeriumssprecher erklärt, dass sich der Zustand des Tieres nicht verändert habe.
Die Rettungsversuche für den Wal in der Ostsee werden eingestellt. "Die Experten sind zu dem Schluss gekommen, dass die Grenzen der Unterstützung erreicht sind", sagt ZDF-Reporterin Stadtfeld.
01.04.2026 | 6:42 minExperten sollen Buckelwal nach Ostern wieder begutachten
Backhaus sagte, dass nach den Ostertagen noch einmal Fachleute den Gesundheitszustand des Tieres begutachten sollen. Der Minister schloss jedoch kategorisch aus, dass der Wal getötet werde. "Das wird hier nicht stattfinden."
Wir können ihn nicht einfach erlösen, durch was auch immer.
Till Backhaus, Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern
Seit Freitag benetzen Einsatzkräfte der Feuerwehr die verletzte Haut des Tieres regelmäßig mit Wasser, um die Schmerzen zu lindern. "Dort, wo er tatsächlich benetzt wird, ist die Temperatur auf der Oberfläche deutlich geringer." Backhaus sprach von sechs bis sieben Grad - das zeige die Wärmebildkamera.
"Da sich die Windverhältnisse geändert haben, wurde nach eingehender Beratung entschieden, die Sprinkler so zu versetzen, dass die Befeuchtung weiter gegeben ist", sagte Backhaus. Denn wegen des Nordwestwindes gebe es "deutlich niedrigere Wasserstände". Dadurch rage das etwa 1,70 Meter hohe Tier noch weiter aus dem Wasser, obwohl es sich durch sein Eigengewicht von etwa zwölf Tonnen inzwischen schon etwa einen halben Meter in den Boden eingegraben habe.
Es gebe keine Aktivität, die Anlass zur Hoffnung gäbe. "Der Ansatz der maximalen Ruhe und der Respekt vor der Natur gebieten es, ihn gehen zu lassen", sagt Meeresmuseumsdirektor Burkard Baschek.
01.04.2026 | 35:45 minBackhaus: "Wir begleiten den Wal Tag und Nacht"
Erneut wies Backhaus Kritik am Umgang mit dem Wal zurück. "Wir kümmern uns - bis zur letzten Minute." Die Walwache durch die Polizei und die Mitarbeitenden sei sichergestellt. "Die Situation ist für alle beteiligten physisch und psychisch sehr belastend und das Engagement nicht selbstverständlich." Backhaus betonte: "Wir begleiten den Wal Tag und Nacht."
Der Minister bedankte sich für alle bereits eingereichten Konzepte zur Rettung oder Bergung des Tieres.
Alle ernstzunehmenden Konzepte werden von uns sorgfältig geprüft, und zwar aus technischer Sicht, aber auch im Hinblick auf den Tierschutz.
Till Backhaus, Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern
Gleichzeitig wies er zur Vorbeugung von Gerüchten darauf hin, dass die in Rostock heulenden Sirenen nichts mit dem Wal zu tun hätten. Die gehörten vielmehr zum kommunalen Warntag, bei dem in Rostock und Schwerin Sirenen, Warn-Apps und Stadtinformationstafeln getestet worden seien.
Große Wale können riesige Mengen Kohlenstoffdioxid speichern. Und: Die Meeresgiganten fördern durch ihre Lebensweise den Nährstoff- und Kohlenstoffkreislauf in den Ozeanen.
01.04.2026 | 1:04 minRettungsversuche seit Mittwoch eingestellt
Seit Anfang März hatte sich der Buckelwal viermal festgesetzt. Dreimal war es ihm gelungen, wieder loszuschwimmen. Zunächst war er im Hafen von Wismar gesichtet worden, später am Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein und letztlich war er vor Wismar gestrandet.
Am Mittwoch waren jegliche Rettungsversuche des am Dienstag vor Poel gestrandeten Wals eingestellt worden. Nach Angaben der Fachleute und Meeresschützer vor Ort wird das Tier wohl in der Bucht sterben. Wie lange der Wal noch überleben wird, lässt sich nach Einschätzung der Experten nicht vorhersagen.
Weitere Nachrichten über den Buckelwal
Gestrandet in der Ostsee:Morddrohungen gegen Wal-Helfer
mit Video6:42Vor Insel Poel in der Ostsee:Wal atmet in Fünf-Minuten-Takt - Sperrzone wird eingehalten
mit Video6:42Wal-Rettungsversuche werden beendet:Experte: "Gehen fest davon aus, dass das Tier dort verstirbt"
mit Video54:58