In Ostsee gestrandeter Wal: Rettungsversuche werden eingestellt

Wal-Rettungsversuche werden beendet:Experte: "Gehen fest davon aus, dass das Tier dort verstirbt"

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Nach neuen Untersuchungen werden die Rettungsversuche für den in der Ostsee gestrandeten Wal eingestellt. Das Tier sei stark geschwächt, die Erfolgschancen gering.

Der wieder gestrandete Buckelwal ist mit seinem Rücken über dem Wasser herausragend zu sehen. Rechts daneben ist ein Rettungsboot mit mehreren Menschen darauf.

Der gestrandete Buckelwal liegt weiter vor der Insel Poel in Mecklenburg-Vorpommern fest. ZDFheute live überträgt die Pressekonferenz zur Entscheidung über weitere Rettungsmaßnahmen.

01.04.2026 | 54:58 min

Die Rettungsversuche für den vor Wismar erneut gestrandeten Buckelwal werden eingestellt. Das Tier solle an seinem jetzigen Liegeplatz in Ruhe gelassen werden, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) bei einer Pressekonferenz am Mittag. Es sei eine Sperrzone eingerichtet worden. Der Buckelwal liegt noch immer vor der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns in flachem Wasser.

"Wir gehen fest davon aus, dass das Tier dort verstirbt", erklärte der wissenschaftliche Direktor des Deutschen Meeresmuseums Burkard Baschek. Der Wal sei deutlich geschwächter, seine Atemfrequenz sei am Vormittag sehr unregelmäßig und zum Teil im Abstand von mehr als vier Minuten gewesen. Die Brustflossen seien nah am Körper angelegt.

Sven Rieken | ZDF-Reporter auf der Insel Poel

"Heute entscheidet sich, ob das letzte Mal geholfen wird", so ZDF-Reporter Sven Rieken zur Walrettung. Der Wal habe sich seit seinem erneuten Stranden gestern Nachmittag kaum bewegt.

01.04.2026 | 3:00 min

Bedingungen für Rettung deutlich verschlechtert

"Die Reaktion auf uns, auf unsere Präsenz, war quasi null", sagte Baschek. Zudem seien die Bedingungen in der Bucht schlecht. Der Wasserstand werde weiter sinken, um rund 10 bis 15 Zentimeter. Das Tier liege jetzt deutlich freier.

Die Aussichten, dass er freikommt, sind dementsprechend sehr gering.

Prof. Burkard Baschek, Meeresforscher

Wal-Rettung in der Ostsee

ZDFheute Infografik

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"Wir müssten ihn so massiv animieren, was aussichtslos wäre, weil er die Kraft nicht mehr hat. Und die Erfolgschancen sind so gering, dass wir das als reine Tierquälerei empfinden würden", sagte Baschek.

Backhaus: "Einzigartige Tragödie"

"Der Ansatz der maximalen Ruhe und der Respekt vor der Natur gebietet es auch, irgendwann dann mal ihn gehen zu lassen." Realistisch gesehen habe der Wal am Morgen seine letzte Chance gehabt. "Die konnte er nicht nutzen." Meeresbiologe Thilo Maack von der Umweltorganisation Greenpeace ergänzte:

Wir haben in den vergangenen Tagen alles versucht, was möglich war.

Thilo Maack, Greenpeace

Umweltminister Backhaus sprach von einer "einzigartigen Tragödie" und betonte, er wünsche dem Wal, dass er zur Ruhe kommt, um am Ende das Zeitliche segnen zu können.

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01.04.2026 | 1:04 min

Wal seit Tagen an Ostseeküste

Der Buckelwal lag seit mindestens Samstag in der Bucht vor Wismar in flachem Wasser und wurde von Schaulustigen abgeschirmt. Am Montagnachmittag hatten Wissenschaftler, Umweltschützer und Umweltminister Till Backhaus (SPD) noch versucht, Kontakt zu dem Tier aufzunehmen. Der Wal habe auf die Annäherung des Boots reagiert, sagte ein Ministeriumssprecher der Deutschen Presse-Agentur. Auch habe das Tier agiler als zuvor gewirkt.

In der Nacht zum 23. März war er bereits auf einer Sandbank in Schleswig-Holstein vor Timmendorfer Strand gestrandet. In der Nacht zum Freitag gelang es dem Tier, das flache Wasser zu verlassen, nachdem Helfer eine Rinne ausgehoben hatten. Am Samstag wurde er dann vor Wismar in flachem Wasser gesichtet.

: Die von Greenpeace Deutschland zur Verfügung gestellte Aufnahme zeigt den gestrandeten Buckelwal vor der Insel Poel in der Ostsee.

Nach neuen Untersuchungen werden die Rettungsversuche für den in der Ostsee gestrandeten Wal eingestellt. Das Tier sei stark geschwächt, die Erfolgschancen gering.

01.04.2026 | 54:58 min

Nach Angaben des Umweltministeriums war der Wal seit dem 3. März im küstennahen Bereich der Ostsee unterwegs. Laut der Meeresschutzorganisation Sea Shepherd hatte sich das Tier in einem Stellnetz verfangen.

Buckelwale (Megaptera novaeangliae) sind in allen polaren bis tropischen Meeren verbreitet. Sie halten sich vorwiegend auf dem offenen Meer auf, sind aber vor allem in den Fortpflanzungsgebieten auch in Küstennähe anzutreffen. Mehr als 10 Meter Länge und 30 Tonnen Gewicht sind möglich. Kennzeichnend sind die langen, Flipper genannten Brustflossen, die ein Drittel der Körperlänge erreichen.

Bis in die 1960er Jahre wurden Buckelwale kommerziell gejagt und regional fast ausgerottet. Mittlerweile haben sich mehrere Populationen deutlich erholt. Das ist mit ein Grund dafür, dass sich solche Tiere vermehrt in Regionen finden, in denen sie in den Jahrzehnten zuvor kaum mal zu sehen waren. 

Buckelwale haben Analysen zufolge eine Lebenserwartung von bis zu 90 Jahren. Die Sangeskunst der Giganten ist legendär: Die langen Lieder der Bullen zählen zu den komplexesten Gesängen im Tierreich überhaupt. Die Tiere gelten zudem auch als die Akrobaten unter den Großwalarten: Sie zeigen spektakuläre Sprünge und schlagen oft mit Brust- und Schwanzflossen auf die Meeresoberfläche. 

Bekannt sind Buckelwale zudem für ihre erstaunlichen Fangtechniken. Zum Beispiel lassen sie gezielt Atemluft in Blasen hochperlen, wenn sie einen Schwarm Fische oder Krill ausgemacht haben und diesen umkreisen. Die Beute durchschwimmt diesen Blasenvorhang nicht - und wird von den mit weit geöffnetem Maul von unten nahenden Walen verschlungen.

Quelle: dpa


Quelle: dpa, AFP, ZDF
Über dieses Thema berichteten verschiedene Sendungen, etwa das gemeinsame Morgenmagazin von ZDF und ARD am 01.04.2026 ab 05:30 Uhr.

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