Rettungs-Drama an der Ostseeküste:Findet er den Weg? Wal zwar befreit - aber nicht in Freiheit
Das Drama geht weiter: Der gestrandete Wal konnte sich zwar befreien, bewegt sich aber wohl im "Zickzack" durch die Ostsee. Helfer versuchen, ihn von flachen Gewässern abzuhalten.
Der Buckelwal, der tagelang auf einer Sandbank festsaß, schwimmt jetzt wieder durch die Ostsee. Mehrere Schiffe passen auf, dass er dabei nicht wieder falsch abbiegt.
27.03.2026 | 1:58 minErleichterung und Bangen nach der vorläufigen Rettung des gestrandeten Wals an der Lübecker Bucht. Nach tagelangen Bemühungen zahlreicher Helfer hatte sich das Tier in der Nacht selbst von einer Sandbank vor Timmendorfer Strand durch eine per Bagger ausgegrabene Rinne freigeschwommen.
Er sei "auf Kurs hinaus aus der Lübecker Bucht", erklärte Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW). Mehrere Stunden später wurde das Tier aber wieder vor Timmendorfer Strand gesichtet, bevor es sich wieder von der Küste entfernte.
Helfer bilden Blockade mit Booten
Die Boote zur Begleitung des von einer Sandbank vor Timmendorfer Strand befreiten Buckelwals haben ihren Einsatz am Freitagnachmittag unterbrochen. Das sagten Sprecher der Wasserschutzpolizei und der Umweltschutzorganisation Greenpeace.Die Einsatzkräfte wollen am Samstag wieder rausfahren, wie die Greenpeace-Sprecherin sagte. Voraussetzung sei, dass man die Position des Wals ausmachen könne. Sie bat die Bevölkerung mitzuhelfen, indem Walsichtungen gemeldet oder in den sozialen Medien gepostet werden.
Natur- und Umweltschützer versuchten zuvor, den Wal von einer Rückkehr ins flache Wasser abzuhalten. Die Organisationen Sea Shepherd und Greenpeace waren nach eigenen Angaben mit Schlauchbooten in der Lübecker Bucht unterwegs. Der Wal sei zeitweise wieder auf dem Weg ins flachere Wasser gewesen, sagte ein Sprecher von Sea Shepherd.
Man habe die Strategie geändert, um den Wal Richtung Norden zu geleiten, sagt der Bürgermeister von Timmendorfer Strand im Interview mit ZDF-Reporter Timm Kruse. Offenbar mit Erfolg.
27.03.2026 | 12:06 minMit den Schlauchbooten hätten die Organisationen eine Art Blockade hergestellt, damit er nicht wieder ins Flachwasser gerate. Man versuche, ihn irgendwie weiter in tieferes Wasser der Ostsee zu geleiten. Die Helfer hätten auch verhindert, dass der Wal in Stellnetze gerate, sagte die Meeresexpertin von Greenpeace, Daniela von Schaper.
Timmerdorfer Strand in Schleswig-Holstein.
Quelle: ZDFExperte: Tier schwimmt im "Zickzack hin und her"
Nun komme es darauf an, dass das Tier im offenen Wasser bleibe und möglichst in die Nordsee schwimme, erklärte der Biologe Robert Marc Lehmann. Noch sei der Wal nicht in Sicherheit. Seine Befreiung von der Sandbank sei bisher nicht seine Rettung, sondern nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Zu Hause sei er erst im Atlantik.
Man wisse nicht, ob der Wal noch innere Verletzungen habe, so Daniela von Schaper von Greenpeace e.V. Allerdings sei er sehr aktiv gewesen. Deswegen bestehe Hoffnung, dass er seinen Weg findet.
27.03.2026 | 7:25 minIn einem Instagram-Video sei zu sehen, sagte Lehmann, der Großwal mache "Sperenzchen - Zickzack hin und her". Man versuche, das völlig erschöpfte Tier in Richtung Fehmarn und an der Küste bei Neustadt vorbeizumanövrieren. Das Ziel sei Dänemark. Dafür stehe man auch schon in Kontakt mit den dortigen Polizeibehörden und Einsatzkräften.
Warum der mittlerweile von einer Sandbank befreite Wal vor Niendorf aufgetaucht war, ist bislang unklar. Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) hatte gesagt, vielleicht sei das Tier krank oder verletzt, vielleicht auch nur erschöpft gewesen. Es könne aber auch sein, dass der Wal einfach durch einen unglücklichen Zufall in diesem Flachwasserbereich gelandet sei.
Großwale wie Buckelwale sind in der Ostsee nicht heimisch. Sie könnten demnach auf der Suche nach Nahrung Fischschwärmen folgen und in der Ostsee landen. Auch Unterwasserlärm könnte laut Experten eine Rolle spielen.
Quelle: dpa
Zu den Chancen des Wals sagte Groß, es gebe immer mal wieder Großwale in der Ostsee, die dort Wochen waren und auch den Weg in die salzreichere Nordsee zurückgefunden hätten. Technisch lässt sich der Kurs des Meeressäugers nicht verfolgen. An dem Tier sei kein Sender angebracht worden, da die Haut zu sehr erkrankt sei, sagte Groß.
Auch wenn der Wal jetzt frei ist, heißt das nicht, dass er überleben wird, sagt Tierärztin Dr. Stephanie Groß. Netzteile im Maul und Hautveränderungen beeinflussen seinen Gesundheitszustand.
27.03.2026 | 6:35 minExpertin: Wal erkrankt - Kein Sender an Haut
Die vorläufige Rettung löste bei allen Beteiligten große Freude aus. "Ich bin unglaublich erleichtert und sehr, sehr froh und zufrieden, wie der Einsatz abgelaufen ist", sagte der Bürgermeister von Timmendorfer Strand, Sven Partheil-Böhnke. Er lobte die Zusammenarbeit von Feuerwehr, Deutscher Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), Rettungsdiensten und Experten.
Auch Schleswig-Holstein Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) drückte laut WDR seine Freude über die Rettung aus und dankte den Helfern vor Ort. Die bisherigen Kosten der Rettungsaktion schätzte der Bürgermeister auf 40.000 Euro. Das Land Schleswig-Holstein werde sich an den Kosten beteiligen.
Der vor Timmendorfer Strand gestrandete Buckelwal ist frei. Er konnte mit Hilfe einer Rinne, die ein Schwimmbagger ausgegraben hatte, in der Nacht in tieferes Wasser schwimmen.
27.03.2026 | 1:30 minDas Schicksal des Wals hatte ganz Deutschland und auch das Ausland bewegt. Viele Menschen hatten die Rettungsaktion aus der Ferne vom Strand beobachtet und bei jedem Schritt mitgefiebert. Partheil-Böhnke sagte zu der Anteilnahme und dem erst mal guten Ausgang:
Das, glaube ich, brauchen wir alle nach den schrecklichen Nachrichten der letzten Monate, nach Kriegen und Krisen. Das ist eine gute Nachricht und alleine das ist schon ein Grund, sich zu freuen.
Sven Partheil-Böhnke, Bürgermeister von Timmendorfer Strand
Menschen hinter der Walrettung - einige Beteiligte:
Der Biologe, Taucher und Tierfilmer Robert Marc Lehmann stand stundenlang im kalten Wasser der Ostsee und beruhigte den Buckelwal, während Helfer sich mit Baggern durch die Sandbank arbeiteten, um dem Tier eine Rinne zum tieferen Wasser zu graben.
Lehmann sagte, er habe den Willen des Wals gespürt, sich zu befreien, und er habe das Tier motiviert und angefeuert. "Mittlerweile vertraut mir der Wal", sagte Lehmann. "Der wird ganz ruhig, wenn man die Hand auflegt."
Ein Bagger, wie Lars Hoppe ihn zur Verfügung stellen konnte, ist ein echter Exot. Er kann ins flache Wasser fahren und - wenn es tiefer wird - aufschwimmen. Er stützt sich auf dem Grund des bis zu 1,2 Meter tiefen Wassers ab und schaufelt sich durch den Ostseegrund.
Neu war allerdings auch für ihn die Arbeit direkt an einem lebenden Tier. "Das ist eine Herausforderung, die wir in dieser Form auch noch nicht hatten." Ein gewisser Druck sei vorhanden, sagte Hoppe. "Wir sind relativ gelassen und müssen das ruhig angehen."
Die Walexpertin Stephanie Groß von Institut für terrestrische und aquatische Wildtierforschung (ITAW) in Büsum steht nach der zumindest vorerst gelungenen Rettungsaktion am Strand und gibt ein Interview nach dem anderen. Ihre Expertise ist gefragt, wenn es darum geht zu erklären, wie es um den Gesundheitszustand des Buckelwals steht, warum er in die Ostsee geschwommen ist und wie er zurück in die Nordsee und den Atlantik gelangen kann.
Für den Bürgermeister des Urlaubsorts Timmendorfer Strand, Sven Partheil-Böhnke, ist es eine Selbstverständlichkeit, die Rettungsbemühungen vom Strand aus zu verfolgen und Hilfe anzubieten, wo die Verwaltung der 8.000-Einwohner-Gemeinde helfen kann. Die Kosten der Rettungsaktion schätzt der Bürgermeister auf mindestens 40.000 Euro. Wer die Rechnung am Ende zahlt, ist noch nicht ganz klar. Das Land werde sich beteiligen, hofft Partheil-Böhnke.
Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU), der sich am Donnerstag am Einsatzort einen Eindruck verschaffte, sagte jedenfalls Hilfe zu. So wollte das Land zwei Schiffe stellen, um den Wal auf dem Weg aus der Ostsee zu begleiten.
Quelle: dpa
Wal kämpfte sich durch gegrabene Rinne
Tagelang wurde versucht, das Tier zu befreien. So war etwa am Dienstag ein Rettungsversuch mit einem kleinen Saugbagger gescheitert. Am Donnerstag wurde mit einem Schwimmbagger eine Rinne ausgehoben. Biologe Lehmann stand dabei im Neoprenanzug neben dem Wal und versuchte, ihn zu beruhigen. Auch konnte er dem Baggerführer zeigen, wie weit oder nah seine Schaufel an den Wal herankam.
Die Helfer versuchten, den Wal am Abend auch mit Lärm zu animieren - durch Hupen, Trommeln oder Rufen. Auch das Tier selbst gab immer wieder ein lautes Brummen von sich. Am Ende hätten am Abend nur noch wenige Meter bis ins tiefere Wasser gefehlt, sagte Bürgermeister Partheil-Böhnke, als die Aktion wegen der Dunkelheit abgebrochen wurde. Am Morgen hatte es der Wal dann aber geschafft und sich befreit.
Der Wal ist von der Ostsee-Sandbank befreit. Natur- und Umweltschützer versuchen nun, den Buckelwal zurück zur Nordsee zu geleiten. Schafft es der Wal? ZDFheute live ist vor Ort.
27.03.2026 | 23:04 min
ZDFheute live berichtete über den Rettungsstand am 27.3.2026 um 14.30 Uhr:
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