Tagelange Rettungsaktion:Buckelwal befreit sich in der Nacht von Ostsee-Sandbank
Der an der Ostseeküste vor Niendorf gestrandete Buckelwal hat sich in der Nacht befreit. Der Wal schwimmt nun offenbar auf Kurs hinaus aus der Lübecker Bucht.
Der seit Tagen in der Ostsee vor Timmendorfer Strand auf einer Sandbank festsitzende Wal ist nicht mehr zu sehen.
Quelle: dpaDer vor dem Timmendorfer Strand auf einer Sandbank festsitzende Buckelwal hat sich in der Nacht zum Freitag befreit. Er konnte mit Hilfe einer Rinne, die ein Schwimmbagger ausgegraben hatte, ins tiefere Wasser schwimmen, wie der Biologe Robert Marc Lehmann sagte. Lehmann war am Vortag zu dem Wal geschnorchelt und hatte versucht, ihn durch die Rinne zu leiten.
Nun komme es darauf an, dass der 12 bis 15 Meter lange Meeressäuger im offenen Wasser bleibt und möglichst in die Nordsee schwimmt. Noch sei er nicht in Sicherheit, betonte Lehmann. Seine Befreiung von der Sandbank sei bisher nicht seine Rettung, sondern nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Zu Hause sei er erst im Atlantik.
Der über zwölf Meter lange Buckelwal sitzt seit Montag fest. Nach dem Ausheben einer Rinne konnte er sich kurz bewegen. Die Rettungsaktion soll am Freitagmorgen weitergehen.
27.03.2026 | 2:16 minDer Buckelwal schwimmt laut Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung derzeit in der Lübecker Bucht. Er sei weiter draußen in der Bucht gesichtet worden, sagte sie.
Wal kämpfte sich durch gegrabene Rinne
Für Timmendorf am Strand an der Ostsee hat die beispiellose mehrtägige Rettungsaktion mit Baggern und Tauchern damit ein gutes Ende genommen. Der Buckelwal war Montagmorgen auf einer Sandbank entdeckt worden. Tagelang wurde versucht, das Tier zu befreien.
So war etwa am Dienstag ein Rettungsversuch mit einem kleinen Saugbagger gescheitert. Am Donnerstag wurde mit einem Schwimmbagger eine Rinne ausgehoben. Meter um Meter hatte sich der Wal am Abend durch diese Rinne gekämpft.
Auch ein größerer Bagger konnte schließlich von Land aus eingreifen, nachdem ein Damm aufgeschüttet worden war, um das schwere Gerät in Reichweite zu bringen.
Vor der schleswig-holsteinischen Ostseeküste werden die Bemühungen zur Rettung eines gestrandeten Buckelwals fortgesetzt. „Es gibt ein bisschen Hoffnung“, so ZDF-Reporter Timm Kruse.
26.03.2026 | 2:57 minTrommeln von Helfern, Brummen vom Wal
Das Tier zeigte sich aktiver als in den Tagen zuvor. Die Helfer versuchten es am Abend auch mit Lärm zu animieren - durch Hupen, Trommeln oder Rufen. Auch das Tier selbst gab immer wieder lautes Brummen von sich.
Am Ende hätten am Abend nur noch wenige Meter bis ins tiefere Wasser gefehlt, sagte der Bürgermeister von Timmendorfer Strand, Sven Partheil-Böhnke, als die Aktion wegen der Dunkelheit abgebrochen wurde.
Ministerpräsident erfreut über Befreiung des Buckelwals
Schleswig-Holsteins Ministerpräsident drückte seinen Dank an die Retter aus. "Ich habe mich natürlich darüber gefreut, ich bin ja gestern auch vor Ort gewesen, um mich mal bei allen zu bedanken, die dort mitgeholfen haben", sagte Daniel Günther (CDU) laut "WDR".
Es seien zahlreiche ehrenamtliche Helfer etwa von Feuerwehr, DLRG sowie Umweltschützer und Wissenschaftler vor Ort. "Und ich glaube, die haben sich jetzt alle darüber gefreut, dass alles Buddeln jetzt geholfen hat, dass der Kanal jetzt frei war und der Wal offenkundig wieder ins tiefere Gewässer gekommen ist", erklärte Günther.
Buckelwale (Megaptera novaeangliae) sind in allen polaren bis tropischen Meeren verbreitet. Sie halten sich vorwiegend auf dem offenen Meer auf, sind aber vor allem in den Fortpflanzungsgebieten auch in Küstennähe anzutreffen. Mehr als 10 Meter Länge und 30 Tonnen Gewicht sind möglich. Kennzeichnend sind die langen, Flipper genannten Brustflossen, die ein Drittel der Körperlänge erreichen.
Bis in die 1960er Jahre wurden Buckelwale kommerziell gejagt und regional fast ausgerottet. Mittlerweile haben sich mehrere Populationen deutlich erholt. Das ist mit ein Grund dafür, dass sich solche Tiere vermehrt in Regionen finden, in denen sie in den Jahrzehnten zuvor kaum mal zu sehen waren.
Buckelwale haben Analysen zufolge eine Lebenserwartung von bis zu 90 Jahren. Die Sangeskunst der Giganten ist legendär: Die langen Lieder der Bullen zählen zu den komplexesten Gesängen im Tierreich überhaupt. Die Tiere gelten zudem auch als die Akrobaten unter den Großwalarten: Sie zeigen spektakuläre Sprünge und schlagen oft mit Brust- und Schwanzflossen auf die Meeresoberfläche.
Bekannt sind Buckelwale zudem für ihre erstaunlichen Fangtechniken. Zum Beispiel lassen sie gezielt Atemluft in Blasen hochperlen, wenn sie einen Schwarm Fische oder Krill ausgemacht haben und diesen umkreisen. Die Beute durchschwimmt diesen Blasenvorhang nicht - und wird von den mit weit geöffnetem Maul von unten nahenden Walen verschlungen.
Quelle: dpa
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