Gestrandeter Buckelwal in der Ostsee:Expertin: Buckelwal zu bergen, wäre große Gefahr für "Timmy"
Der in der Ostsee gestrandete Buckelwal ist weiterhin in einem schlechten Zustand. Von einer lebenden Bergung des Wals raten Experten daher dringend ab.
Der Wal liegt seit gut einer Woche fast unverändert in der Wismarer Bucht. Experten sorgen sich um den Zustand des Tieres und zweifeln, ob ein weiterer Rettungsversuch sinnvoll wäre.
07.04.2026 | 1:32 minExperten raten erneut von Versuchen ab, den vor Wismar gestrandeten Wal lebend zu bergen. Unter anderem habe sich der Zustand der Haut des Tieres zuletzt weiter verschlechtert, sagte Stephanie Groß vom Institut für terrestrische und aquatische Wildtierforschung (ITAW) bei einer Pressekonferenz auf der Insel Poel.
"Sie fängt an, auf der Oberfläche deutlich einzureißen." Würde man versuchen, den Wal etwa mit Gurten oder Seilen anzuheben, bestehe die Gefahr, die Haut abzuziehen.
Dort, wo der Wal aktuell festliege, sei er von weniger Wasser umgeben, als an früheren Orten. "Das heißt, es ist davon auszugehen, dass es auch zu Organschäden gekommen ist." Man müsse davon ausgehen, dass das Tier am Stress versterben würde, wenn man es aufnehmen würde, sagte Groß.
Deshalb würden wir auf alle Fälle davon abraten, dieses Tier irgendwie lebend bergen zu wollen.
Stephanie Groß, ITAW
Der Wal Timmy steckt tief im Schlick fest und bewegt sich kaum noch. Experten raten von einer Rettung ab - sie würde dem Tier zusätzliches Leid zufügen, berichtet ZDF-Reporterin Susanne Seidl.
07.04.2026 | 1:10 minUmweltminister lehnt Tötung des Wals ab
Damit ist das Vorhaben, den Wal zurück in tiefere Gewässer zu bringen - etwa mit einem Katamaran, wie zuletzt diskutiert -, endgültig vom Tisch. Till Backhaus, Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern, erklärte bei der Pressekonferenz, es seien alle Optionen geprüft worden. Die einzig verbliebene Option sei, das Tier tatsächlich in Ruhe zu lassen. Auch eine Tötung des Tieres schloss er abermals aus, das verbiete schon das Tierschutzgesetz.
Es gebe keine Aktivität, die Anlass zur Hoffnung gäbe. "Der Ansatz der maximalen Ruhe und der Respekt vor der Natur gebieten es, ihn gehen zu lassen", sagt Meeresmuseumsdirektor Burkard Baschek.
01.04.2026 | 35:45 minExperte: Wal kann sich nicht freischwimmen
Experten zufolge gibt es auch weiterhin wenig Hoffnung darauf, dass der Wal sich aus eigener Kraft freischwimmt. Der Wasserstand liege aktuell bei 1,40 Metern, sagte der Direktor des Deutschen Meeresmuseums, Burkard Baschek. Das Tier liege "in einer Mulde im sehr weichen Sediment von etwa 30 Zentimetern", der Rücken rage rund 40 Zentimeter aus dem Wasser. "Wenn es sich aus eigener Kraft freischwimmen wollte, bräuchte es einen Wasserstand, der um etwa 60 Zentimeter höher ist als heute."
Diese Hoffnung gebe es aber nicht. "Die Prognose gibt das nicht her für die nächsten vier Tage. Da ist eher ein leicht sinkender Wasserstand vorhergesagt", sagte Baschek. "Darüber hinaus ist die Gesamtkonstitution und Kraft schlichtweg nicht da." Die Situation sei für alle unbefriedigend und es sei nicht schön, das Tier dort draußen so zu sehen. "Das ist für uns alle sehr bitter."
Nach Berichten von anderen Walexperten sei die Situation des vor Wismar liegenden Buckelwals weltweit einmalig, erklärte Baschek. Es sei laut den Experten das erste Mal, dass ein Buckelwal viermal strandet.
Universität Rostock hat Interesse an Wal-Kadaver
Baschek berichtete auch, der Kadaver des Wals werde nach seinem Tod wissenschaftlich genau untersucht und so auch die Todesursache festgestellt. An dem Skelett des Tiers habe die Universität Rostock Interesse angemeldet. Es werde geprüft, ob dem Wunsch der Rostocker entsprochen werden könne.
Angesichts des Dramas um den Wal bot Backhaus den Küstenbundesländern Niedersachsen und Schleswig-Holstein eine Zusammenarbeit für künftige vergleichbare Fälle an. Backhaus sprach von einer "Koordinierungsfunktion", die für solche Situationen sinnvoll sein könne.
Der nächste Wal werde kommen, nicht zuletzt als Folge des Klimawandels. "Wir müssen uns mehr um diese wunderbaren Tiere kümmern", sagte er.
Große Wale können riesige Mengen Kohlenstoffdioxid speichern. Und: Die Meeresgiganten fördern durch ihre Lebensweise den Nährstoff- und Kohlenstoffkreislauf in den Ozeanen.
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