Osterbotschaft mit politischem Appell:Papst Leo: "Wer Waffen in der Hand hält, lege sie nieder"
von Jürgen Erbacher
Beim seinem ersten Osterfest als Papst stellt Leo XIV. Frieden und Versöhnung ins Zentrum - und macht einige Dinge anders als seine Vorgänger.
Papst Leo XIV. hat erstmals die Ostermesse als Kirchenoberhaupt gehalten. Auf dem Petersplatz spendete er vor tausenden Gläubigen den traditionellen Segen "Urbi et Orbi".
05.04.2026 | 1:37 minGleich mehrfach überrascht Leo XIV. bei seinem ersten Ostern als Papst. Anders als seine Vorgänger benennt er in der Osterbotschaft beim traditionellen Segen Urbi et orbi am Sonntag nicht einzelne Konflikte, sondern stellt das Thema Frieden ganz allgemein ins Zentrum der Ansprache.
"Wer Waffen in der Hand hält, lege sie nieder! Wer die Macht hat, Kriege zu beginnen, entscheide sich für den Frieden!", forderte Leo. Dabei gehe es nicht um einen Frieden, "der mit Gewalt erzwungen wird, sondern durch Dialog! Nicht mit dem Willen, den anderen zu beherrschen, sondern ihm zu begegnen!"
Leo kritisierte, dass Partikularinteressen über das Gemeinwohl gestellt würden. Der Frieden, den Gott gebe, sei nicht nur ein Schweigen der Waffen, sondern berühre und verwandle das Herz eines jeden Menschen. Für den 11. April kündigte er eine Gebetsvigil für den Frieden im Vatikan an.
Leo XIV. trägt Holzkreuz selbst und wäscht Priestern die Füße
Schon am Karfreitag hatte Leo beim Kreuzweg am Kolosseum die großen Herausforderungen der Zeit in den Blick genommen. Zwar stammten die Texte nicht von ihm. Doch die Auswahl des Autors obliegt dem Papst. So schrieb ein Franziskaner, der lange im Heiligen Land lebte, die Texte.
Papst Leo XIV. leitete erstmals die Kreuzwegprozession am Kolosseum in Rom. Die Zeremonie an Karfreitag zeichnet den Leidensweg Jesu Christi nach und gilt als Höhepunkt der Karwoche.
04.04.2026 | 1:33 minDarin ging es um Menschen, "die etwa während einer Demonstration abgeführt und inhaftiert werden, die deportiert werden aufgrund einer Politik, die kein Mitleid kennt, die auf verzweifelten Reisen der Hoffnung Schiffbruch erleiden, die in Kriegsgebieten niedergemetzelt werden, die in Vernichtungslagern ausgelöscht werden". Kriege, Massaker und Völkermord wurden beklagt wie der "Zynismus herrischer Menschen".
Anders als seine Vorgänger hatte Leo das Holzkreuz über die ganze Strecke im Kolosseum selbst getragen. Er trage all das Leid der Menschen im Gebet mit und wolle alle Menschen guten Willens auffordern, zu Friedensstiftern zu werden, begründete er die Geste.
Am Gründonnerstag ging er nicht wie sein Vorgänger in ein römisches Gefängnis, um den Gottesdienst zum Gedenken an das Letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern zu feiern. Franziskus wusch dabei Gefangenen die Füße, auch Nicht-Christen. Leo machte es wie die Päpste bis Benedikt XVI., ging in die Lateranbasilika und wusch Priestern die Füße. Beobachter sehen hier einen weiteren Schritt Leos auf die Konservativen in der katholischen Kirche zu.
Papst Leo XIV. hat seine erste Ostermesse als Oberhaupt der katholischen Kirche gefeiert - und sprach dabei auch auf deutsch. Traditionell spendete er den Segen "Urbi et Orbi".
05.04.2026 | 0:41 minKonservative verspüren Rückenwind in Leos Pontifikat
Dass Leo bei offiziellen Anlässen wie etwa dem feierlichen Segen Urbi et orbi am Ostersonntag den purpurnen Schulterumhang trägt, begrüßen konservative Kreise. Sie verspüren Rückenwind in seinem Pontifikat. Während Leo immer wieder den Konservativen Raum gibt, betont er zugleich, dass er die Idee seines Vorgängers Franziskus unterstützt, der mehr Beteiligung der Gläubigen bei Entscheidungen und in Leitungsfunktionen der Kirche wollte. Leo setzt den Kurs einer "synodalen Kirche" fort.
Bei den sozialethischen Themen wie Klimawandel und Armut knüpft der erste US-Amerikaner als Papst ebenfalls an Franziskus an. So stellte Leo die Bedürftigen ins Zentrum seines ersten Lehrschreibens, das er im Oktober veröffentlichte. Darin kritisiert er ausgrenzende Strukturen der Wirtschaft. Immer wieder schlägt er auch kritische Töne gegenüber der US-Regierung an, allerdings vermeidet er einen offenen Konflikt.
Seit Mai 2025 führt Papst Leo XIV. die katholische Kirche. Wohin geht die Reise? Kann er die Polarisierung in der Kirche beenden? Kommen notwendige Reformen? Eine erste Bilanz.
02.04.2026 | 43:35 minBisweilen irritiert er mit Aussagen, wenn er etwa kritisiert, dass er die Meinungs- und Gewissensfreiheit in Gefahr sieht in Ländern, die Demokratie und Menschenwürde verteidigten. Eine deutliche Kritik an westlichen Ländern.
Papst versucht, Brücken zu bauen
Die ersten elf Monate des Pontifikats zeigen, Leo möchte Brücken bauen zwischen Konservativen und Reformern in der Kirche sowie zwischen unterschiedlichen politischen Lagern. Das erfordert Zurückhaltung und viele Gespräche.
So lässt sich erklären, warum es mit Blick auf innerkirchliche Fragen bisher keine grundlegenden Entscheidungen gab. Politisch hat ein Papst keine Macht. Hier kann Leo nur mahnen und seinen diplomatischen Apparat als Vermittler anbieten.
Jürgen Erbacher ist Leiter ZDF-Redaktion Religion und Leben.
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