Klimawandel in den USA:Historisches Wahrzeichen unter Klimadruck
von Emily Kaffka, Washington D.C.
Die jährliche Kirschblüte in Washington D.C. ist in Gefahr: Die Stadt sinkt, der Meeresspiegel steigt. Klimaforscher warnen vor Überflutungen und drängen auf politische Maßnahmen.
Mehr als 3.000 Kirschbäume blühen in Washington D.C. und gelten als jährliches Highlight. Doch genau dort lässt der steigende Meeresspiegel täglich Wasser über die Ufer treten.
02.04.2026 | 1:44 minJeden Frühling verwandelt sich das Tidal Basin, eine der bekanntesten Parkanlagen in Washington D.C., in ein Meer aus Rosa und Weiß. Rund 3.000 Kirschbäume säumen das Ufer des Staubeckens an der Nationalpromenade und ziehen Millionen Besucher an. 1912 schenkte der Bürgermeister Tokios der Stadt Washington die Bäume im Zeichen der japanisch-amerikanischen Freundschaft.
Doch täglich tritt das Wasser am Staubecken über die Ufer und schädigt die Wurzeln der Kirschbäume. 2019 landete das Tidal Basin auf der Liste der elf am stärksten gefährdeten historischen Wahrzeichen Amerikas.
Klimawandel und steigender Meeresspiegel
Das Problem hat zwei Ursachen: Das Land sinkt, während das Wasser steigt. Ursprünglich bestand die Region aus Feuchtgebieten. Das Tidal Basin und die umliegenden Flächen wurden auf künstlich aufgeschüttetem Land errichtet, das mit der Zeit absinkt.
Ein weiteres Problem ist der steigende Grundpegel des Potomac Flusses, der im Landesinneren entspringt. Bei starkem Regen gelangt so besonders viel Wasser in Richtung Hauptstadt. Gleichzeitig steigt der Meeresspiegel durch den Klimawandel weiter an.
Über den Potomac Fluss, der in den Atlantik mündet, wirken sich diese Veränderungen bis ins Tidal Basin aus.
Sturmfluten, starke Wellen und der steigende Meeresspiegel setzen den Steilküsten der Ostsee zu. Die Abbruchkanten rücken gefährlich nah an die Häuser heran.
23.02.2026 | 2:05 minKlimaforscher wie Daniel Rizza sehen in Zukunft große Risiken für starke Überflutungen:
Die Prognosen zum Anstieg des Meeresspiegels für Washington D.C. entsprechen den landesweiten Prognosen - bis 2050 wird ein weiterer Anstieg um etwa 30 Zentimeter erwartet.
Daniel Rizza, NGO "Climate Central"
Berücksichtigt man die jährlichen Hochwasserstände, könnte der Pegel bis 2050 auf fast einen Meter steigen, betont Rizza gegenüber ZDFheute.
Der Klimawandel ist längst Realität: Extremwetter verwüsten Länder, zerreißen Gemeinschaften und treiben unzählige Menschen in die Flucht. Was können wir alle gemeinsam tun?
02.03.2026 | 28:34 minTeile der Stadt könnten überflutet werden
Die gemeinnützige Klimaschutzorganisation "Climate Central" hat verschiedene Modellierungen entwickelt, wie sich steigende Hochwasserstände künftig auf Washington D.C. auswirken könnten.
Steigt die Erderwärmung auf drei Grad Celsius, könnten auch Teile des Kapitols auf der Nationalpromenade unter Wasser stehen. Solche Szenarien befürchten Klimawissenschaftler von "Climate Central", wenn keine konsequenten Maßnahmen getroffen werden.
Um das Ufer am Tidal Basin besser zu schützen, werden Teile der Ufermauer erneuert - sie sind sowohl breiter als auch 1,5 Meter höher. Über 100 Bäume mussten im Zuge der Bauarbeiten gefällt werden und werden im Laufe der Zeit ersetzt.
Daniel Rizza von "Climate Central" sieht darin einen wichtigen Baustein in der Anpassung an den Klimawandel. Es müsse resilienter gebaut und klüger geplant werden.
Die Gemeinden müssen jetzt vorausschauend planen in Sachen Hochwasserschutz und Entwässerung, um Schäden bei Überschwemmungen zu vermindern.
Daniel Rizza, "Climate Central"
Die letzten Jahre waren zu heiß und zählen zu den wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Was können wir aus Klimamodellen lernen, um mit zukünftigen Herausforderungen umgehen zu können?
31.03.2026 | 1:30 minForscher: Konsequente Maßnahmen sind notwendig
Eine neue Ufermauer allein wird aber keinen Unterschied machen. Um den langfristigen Anstieg des Meeresspiegels zu begrenzen, müssen auch Maßnahmen zur Reduzierung von Treibhausgasen ergriffen werden, sagt Rizza.
In den USA hat sich zuletzt jedoch ein Gegentrend abgezeichnet: Im Januar 2026 sind die USA offiziell aus den Klimaschutzverpflichtungen des Pariser Abkommens ausgetreten.
In Zukunft wird es immer schwieriger werden, den Anstieg des Meeresspiegels einzudämmen und die CO₂-Emissionen zu senken.
Daniel Rizza, Klimaforscher
Die Organisation "Climate Central" warnt, dass ohne entschlosseneres Handeln die negativen Folgen der Abkehr kaum noch abwendbar sind.
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