Verhandlungsbeginn bei der COP30:Geht Klimaschutz ohne die USA?
von Elisa Miebach
Bei der Klimakonferenz im brasilianischen Belém starten die offiziellen Verhandlungen. Die USA sind nicht angereist. Manche Beobachter sagen, das sei auch besser so.
In Brasilien hat heute die 30. Weltklimakonferenz begonnen – mit ernüchternden Zahlen: Laut UN steuert die Erde bis 2100 auf fast 3 Grad Erwärmung zu.
10.11.2025 | 1:52 minDelegierte aus fast 200 Ländern der Erde beginnen heute in der brasilianischen Amazonas-Stadt Belém mit den Verhandlungen zur Klimakonferenz. Die Lücke zwischen dem Ziel aus dem Pariser Klimaabkommen - die Erderwärmung auf zwei Grad, im besten Fall 1,5 Grad zu begrenzen - und der Wirklichkeit ist groß.
UN-Generalsekretär António Guterres mahnte in seiner Eröffnungsrede erneut zu Eile: "Jedes Zehntelgrad mehr Erderwärmung bedeutet mehr Hunger, Vertreibung und Verlust - vor allem für die, die am wenigsten dafür verantwortlich sind."
In den nächsten Wochen geht es genau um diese Ambitionslücke, um die Anpassung an die Folgen des Klimawandels und um die Finanzierung. Über allem stand lange die Frage: Schafft es US-Präsident Donald Trump, den Prozess zu blockieren?
Die 30. Weltklimakonferenz in Brasilien hat begonnen – doch die Aussichten sind alles andere als positiv. ZDF-Korrespondentin Winnie Heescher mit einer Einschätzung.
10.11.2025 | 1:30 minWie geht es ohne die USA?
In den vergangenen Monaten hatten die USA wichtige erwartete Abkommen auf anderen Bühnen der UN-Umweltpolitik massiv blockiert, darunter ein UN-Plastikabkommen und eine CO2-Abgabe auf die Emissionen der Schifffahrt.
- Auf Druck der USA: Klimaschutz-Abkommen für Schiffsverkehr vorerst vom Tisch
Doch bisher erwarten Experten, dass die Vereinigten Staaten diese Macht auf der Klimakonferenz nicht ausüben können, auch weil andere wichtige Staaten hier noch viel stärker Präsenz zeigen. Die US-Regierung sendet keine Vertreter und kann so nicht vor Ort intervenieren.
David Ryfisch von der Umweltorganisation Germanwatch ist optimistisch:
Die Abwesenheit der USA ist letztlich nur ein Verlust für die USA selbst.
David Ryfisch, Germanwatch
"Die Staatengemeinschaft ist hier und zeigt ganz klar, wir setzen uns für Klimaschutz ein, wir arbeiten zusammen und wir glauben der Wissenschaft", so der langjährige Beobachter.
Beim Klimagipfel vor der COP30 in Brasilien trete der Bundeskanzler nicht als Bremser auf, seine Positionierung sei aber "sehr tastend", so ZDF-Korrespondent Wulf Schmiese.
07.11.2025 | 2:41 minKlimaschutz doch mit den USA - auf anderer Ebene
Aus den USA selbst hat sich stattdessen eine Allianz führender US-Persönlichkeiten angekündigt, darunter Gouverneure, Bürgermeister und CEOs. Sie wollen zeigen, dass sie den Klimaschutz auf ihrer Ebene weiter vorantreiben wollen.
Der demokratische Senator Sheldon Whitehouse etwa erklärte im Vorfeld der COP, dass Bundesstaaten eigene Industriestandards zum Klimaschutz setzen können. Da Unternehmen nicht für den US-amerikanischen Markt Produkte mit zwei unterschiedlichen Standards produzieren würden, werde sich der höhere Standard durchsetzen, hofft Whitehouse.
Auch der Gouverneur von Kalifornien, Gavin Newsom, will anreisen. Es wird erwartet, dass sein Bundesstaat, der wirtschaftlich stärkste in den USA, sich auch einer großen globalen Initiative zum Netzausbau für Erneuerbare Energien anschließen wird.
2015 fand in Paris die erste Klimakonferenz statt, das 1,5-Grad-Ziel wurde gesetzt. Welche Konsequenzen hatte das, was wurde umgesetzt? Was schaffen Klimakonferenzen heute?
06.11.2025 | 2:14 minStreitpunkte: Geld, Verantwortung, Tempo
Inhaltlich steht die COP30 trotzdem vor schwierigen Verhandlungen. Die Positionen über die Finanzierung des globalen Klimaschutzes und über eine mögliche Roadmap für den Ausstieg aus fossilen Energien liegen teils weit auseinander. Auch die Frage nach einem sozial gerechten Wandel steht im Mittelpunkt.
- Jennifer Morgan: "Müssen Interessen von Menschen mit Klima zusammenbringen"
Eine Mehrheit der Deutschen bezweifelt, dass der UN-Klimagipfel im brasilianischen Belém etwas für den Klimaschutz erreichen könne. Das ergab eine Umfrage im ZDF-Politbarometer.
07.11.2025 | 0:22 minChina betont Kooperation
Während US-Präsident Trump den Klimawandel leugnet, hat Chinas Präsident Xi Jinping bereits im September in New York betont, der "grüne Wandel" sei der Trend unserer Zeit. Während manches Land dagegen vorgehe, sollte die internationale Gemeinschaft weiterhin auf das richtige Ziel fokussiert bleiben, so Xi. Sie solle "auf die Formulierung und Umsetzung der Klimaziele drängen, um der Zusammenarbeit im Bereich der globalen Klimapolitik mehr positive Energie zu verleihen".
Auch Deutschland versuche sich im brasilianischen Belém als "Climate Champion" zu positionieren, sagt Andreas Sieber, Experte für Klimapolitik bei der internationalen Umweltorganisation 350.org. "Ohne mehr Zugeständnisse bei der Klimafinanzierung werde das aber auf Kritik stoßen." Viele Länder schauten auch mit Skepsis auf die Ankündigung Deutschlands, wieder mehr Gaskraftwerke zu bauen, so Sieber.
Lula überrascht mit klarer Absage an fossile Energien
Gastgeber Luiz Inácio Lula da Silva nutzte den Auftaktgipfel der Staats- und Regierungschefs vor dem Verhandlungsstart für eine überraschend deutliche Botschaft. Der brasilianische Präsident rief zur Abkehr von der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen auf - ein nicht selbstverständlicher Satz, da Brasilien weiterhin Öl fördert und exportiert. Lula fuhr demonstrativ in einem chinesischen Elektroauto am Konferenzzentrum vor.
Beim UN-Klimagipfel in Belém stellte der brasilianische Präsident Lula den "Tropenwald-Fond" vor. Aus den Erträgen soll der Schutz von tropischen Wäldern gefördert werden.
07.11.2025 | 1:37 minMehr zum Klimawandel
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