Frauen-Ligaverband: Alleingang in die Eigenständigkeit

Frauenfußball:Ligaverband-Gründung: Alleingang in die Eigenständigkeit

von Frank Hellmann

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Den ersten Prozess zur Ausgliederung der Frauen-Bundesliga bringen die 14 Klubs allein auf den Weg. Der DFB bleibt zunächst außen vor. Es gibt Kritik an überzogenen Forderungen.

Axel Hellmann (Eintracht Frankfurt)

Die Klubs wollen den Frauenfußball neu organisieren. Eintracht-Vorstand Axel Hellmann im Gespräch mit ZDF-Reporterin Katharina Dexheimer über den Streit um die Rolle des DFB im neuen Ligaverband.

07.12.2025 | 9:22 min

Wer bei der Ausgliederung der Frauen-Bundesliga den Takt vorgibt und den Ton setzt, wird schon am Organisator und der Örtlichkeit deutlich. Eintracht Frankfurt hat zum offiziellen Gründungsakt der Frauen-Bundesliga FBL e.V. am Mittwoch um 14 Uhr in den Adler Business Club und zwei Stunden später zur Pressekonferenz im Tiefparterre der Arena geladen.

Fest steht auch, wer von den 14 Vereinen zur Präsidentin gekürt werden wird: Katharina Kiel, bei den Frankfurterinnen für den Frauenfußball zuständig. Das klare Ziel sei, so verkündeten es kürzlich die 14 Klubs in einer gemeinsamen Erklärung, "eine moderne, professionelle und nachhaltige Entwicklung der Frauen-Bundesliga zu gewährleisten".

DFB-Logo

Die Frauen-Bundesliga stellt sich neu auf. Die Ausgliederung aus dem DFB soll der Liga zu besseren Vermarktungschancen eröffnen und für mehr Professionalisierung sorgen.

07.12.2025 | 2:11 min

Hellmann pocht auf Macht der Klubs

Der DFB ist erstmal außen vor. Der Verband hat sich durch die aus Sicht der Klubs überzogenen Forderungen nach Entscheidungsbefugnissen den Zorn namhafter Klubvertreter zugezogen. Vorerst kommt das geplante Joint Venture nicht zustande.

Bianca Rech ist beim Interview.

Bianca Rech, Direktorin der Bayern-Frauen, erklärt im Interview mit Lili Engels den Weg und die Herausforderungen für eine weitere Professionalisierung der Frauen-Bundesliga.

07.12.2025 | 3:30 min

Der nächste Schritt wäre nämlich die Gründung einer Gesellschaft (FBL GmbH), in der eigentlich beide Seiten 50 Prozent der Anteile halten wollten. Dieser Schritt zu einem gemeinsamen Ligaverband ist in Zukunft immer noch möglich.

Frankfurts Vorstandsboss Axel Hellmann hatte am Rande des Topspiels gegen den FC Bayern (0:5) noch einmal klargestellt, wer sich als Treiber des Frauenfußballs versteht.

Klara Bühl (FC Bayern München, 17) und Jovana Damnjanović (FC Bayern München, 9) jubeln.

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07.12.2025 | 7:54 min

Wenn der DFB geplant habe, 100 Millionen Euro in den nächsten acht Jahren zu investieren, die Klubs aber 800 bis 900 Millionen Euro, müsse klar sein:

Wir tragen das unternehmerische Risiko, die Aufbauarbeit, wir haben die Verantwortung. Es muss am Ende so sein, dass wir das letzte Entscheidungsrecht haben.

Axel Hellmann, Vorstandschef Eintracht Frankfurt

Gründung des Ligaverbands erst mal ohne DFB

Als man das Schreiben des DFB erhalten habe, so Hellmann seien alle 14 Klubs "zeitgleich vom Stuhl gefallen". Der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Jan-Christian Dreesen, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern, äußerte sich irritiert über das "Infragestellen der verhandelten Eckpunkte". Daher werde man die Sache ohne den DFB durchziehen.

Zudem teilte er mit: "Der FC Bayern ist bereit, im neuen Verbund Verantwortung zu übernehmen."

Bianca Rech könnte Vizepräsidentin werden

Es ist gut möglich, dass FCB-Direktorin Bianca Rech zu einer von zwei Vizepräsidentinnen aufsteigt. Die durchsetzungsstarke Managerin erklärte im ZDF-Interview, worum es inhaltlich geht:

Die Hauptthemen sind Infrastruktur und Mindestgehalt für jede Spielerin, die in der Frauen-Bundesliga aufläuft.

Bianca Rech, FCB-Direktorin gegenüber ZDF

Weiter gehe es um Personal und die Medienrechte, "wo natürlich mehr erwartet wird". Das Erscheinungsbild der Vereine - vom FC Bayern bis zur SGS Essen - sei zwar immer noch sehr heterogen, aber: "Wir haben in den letzten 18 Monaten sehr viel Konsens gefunden: Wir müssen professioneller werden auf allen Ebenen."

DFB will die Wogen glätten

Erstaunlich ist die Breitseite gegen den DFB allemal, der tunlichst versucht, nicht weiter Öl ins Feuer zu gießen. Präsident Bernd Neuendorf sagte bei Welt-TV: "Man wird sich annähern und zu einer Lösung kommen. Da bleibe ich optimistisch."

Letztlich wären auch die Klubs gut beraten, dem Verband wieder die Tür zu öffnen.

Die Organisation des Schiedsrichterwesens, die Berufung der Nationalspielerinnen, die Förderung des Nachwuchses, nicht zuletzt auch die Sportgerichtsbarkeit: Schnittstellen gibt es viele. Gerade mit Blick auf die Frauen-EM 2029 braucht es den Schulterschluss.

Auch Holger Blask will Brücke bauen

Kompromissbereitschaft signalisierte Jennifer Zietz, die Geschäftsführerin von Union Berlin: "Ich bin überzeugt, dass auch die Verantwortlichen des DFB ein Interesse daran haben."

Sie sei zuversichtlich, dass es am Ende "zielführende Rahmenbedingungen für eine Zusammenarbeit geben wird".

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Im ähnlichen Duktus hatte sich auch DFB-Generalsekretär Holger Blask geäußert, den viele für das Scheitern der Verhandlungen verantwortlich machen:

Wir werden in den kommenden Wochen die Gespräche mit den Vereinen fortführen - konstruktiv und sachlich.

Holger Blakt, DFB-Generalsekretär

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Quelle: Reuters

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Über dieses Thema berichtete ZDF sportstudio auf ZDFheute in dem Beitrag "Rech: Infrastruktur und Mindestgehalt sind Hauptthemen" vom 7.12.2025 und im aktuellen sportstudio in dem Beitrag "Axel Hellmann: "Klubs tragen Geschäftsrisiko"" ebenfalls vom 7.12.25. Außerdem wird das gemeinsame ARD/ZDF-Morgenmagazin am 11.12.2025 ab 5:30 Uhr darüber berichten.

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