Champions League: Real Madrids letzte Hoffnung heißt Mythos

Real Madrid in der Champions League:Letzte Hoffnung Mythos

von Florian Haupt

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Rekordeuropapokalsieger Real Madrid steckt vor dem Match gegen Bayern München tief in der Krise. Da bleibt nur die Beschwörung der großen Geschichte.

Real Madrids Verteidiger Alvaro Carreras und Bayerns Stürmer Luis Diaz kämpfen um den Ball

Luis Díaz kurz vor der Pause, Harry Kane kurz danach und ein überragender Manuel Neuer: Bayern München gewinnt bei Real Madrid das Viertelfinal-Hinspiel mit 2:1.

08.04.2026 | 2:59 min

Es ist nicht bekannt, mit wem Álvaro Arbeloa in den letzten Tagen alles gesprochen hat. Der Coach von Real Madrid wusste aber zu berichten, dass niemand dabei war, der nicht an den Vorstoß ins Champions-League-Halbfinale glauben würde: "Der Trainer glaubt. Die Spieler glauben. Der Klub glaubt. Die Fans glauben. Alle glauben."

Es war das immer wiederkehrende Thema am Tag vor dem Champions-League-Viertelfinalrückspiel der Madrilenen beim FC Bayern. In allen erdenklichen Varianten verkündete Arbeloa, dass der Rekordchampion trotz 1:2-Hinspielniederlage, Krise im heimischen Betrieb und insgesamt drei sieglosen Spielen in Folge voller Zutrauen angereist sei:

Niemand, der Real Madrid kennt, wird es für ein Wunder halten, wenn wir hier in München gewinnen.

Madrid-Trainer Arbeloa

Arbeloa, vormaliger Real-Profi, Real-Nachwuchstrainer und seit drei Monaten Nachfolger des entlassenen Xabi Alonso, ist ein treuer Verkünder des königlichen Evangeliums. Geradezu beleidigt reagierte er, als er mit einem Satz seines Bayern-Kollegen Vincent Kompany konfrontiert wurde, der wenig vorher gesagt hatte, auch andere Vereine hätten Geschichten von großen Matches zu erzählen.

Den anderen Klub mit 15 Titeln im Wettbewerb müsse man ihm erst mal zeigen, so Arbeloa.

Viel mehr als den Mythos seines Vereins und das Talent seiner Stars zu beschwören, konnte der Trainer aber nicht anbieten. Hätte er etwa behauptet, sein Team sei die bessere Einheit als die Bayern oder hätte eine ähnlich überzeugende Spielidee - es hätte ihm ja doch keiner geglaubt. Zu deutlich wurde über die gesamte Saison und auch im Hinspiel, dass Real die Ordnung, die Konzepte und die Automatismen fehlen.

Bellingham räumt fußballerische Probleme ein

Mehr Einblicke in die fußballerischen Probleme Reals als der treue Klubsoldat Arbeloa gestattete am Dienstag Jude Bellingham. Wiederholt ließ der Mittelfeldmann durchschimmern, dass die Verpflichtung von Kylian Mbappé im Sommer 2024 ein Ungleichgewicht in die Mannschaft gebracht hat, das bis heute nicht behoben ist.

Bayerns Torhüter Manuel Neuer im ZDF-Interview

Manuel Neuer avancierte im Champions-League-Spiel gegen Real Madrid zum Matchwinner. Im Interview spricht er bei ZDF-Reporterin Lili Engels.

08.04.2026 | 1:24 min

"Kompliziert" sei es manchmal mit dem Zusammenspiel von Mbappé und Vinícius Júnior, weil beide am liebsten die Räume auf der linken Angriffsseite besetzen, so der Engländer. Und was seinen eigenen Leistungsabfall betreffe, habe man in seinem ersten Jahr noch ein ganz anderes System gespielt: mit drei zentralen Mittelfeldspielern und ihm davor, plus je einem Flügelstürmer auf beiden Außen.

Es droht das zweite titellose Jahr in Folge

In jener ersten Saison Bellinghams, 2023/24, gewann Madrid die Champions League. Als offensiver Mittelfeldspieler, der in die Sturmspitze vorstieß, war Bellingham eine der gefährlichsten Waffen jener Elf. Seit damals hat Real nichts Wichtiges mehr gewonnen.

Auch dieses Jahr sieht es schlecht aus. Die Meisterschaft ist bei neun Punkten Rückstand auf Barcelona so gut wie verloren, aus dem Pokal schied man bei einem Zweitligisten aus. Zwei Spielzeiten in Folge ohne großen Titel - das gab es in Madrid zuletzt vor 20 Jahren.

Sensibler Ausfall von Tchouaméni

Bleibt die Chance auf den Turnaround in München. Ersetzen muss Arbeloa dabei den gelbgesperrten Aurélien Tchouaméni. Der defensive Mittelfeldmann gilt als sensibler Ausfall, weil er sich noch am ehesten für das zuständig fühlt, was Real so abgeht: Organisation und Balance. Eduardo Camavinga oder auch Bellingham könnten seine Position vor der Abwehr übernehmen.

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Real Madrid gibt Man City mit Trainer Guardiola einmal mehr das Nachsehen. Die Hoffnungen der Gastgeber auf eine Aufholjagd sind nach einem Elfer plus Platzverweis früh dahin.

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Richten müssen es aber ja sowieso Mentalität und Mythos. Zwar hat Madrid in der Champions League noch nie auswärts nach einer Hinspielniederlage das Weiterkommen geschafft (das gelang nur 1970 im Pokal der Pokalsieger bei Wacker Innsbruck). Doch Arbeloa verwandelte selbst das in einen Grund zu glauben: "Eine Herausforderung mehr, um die Geschichte dieses Klubs noch größer zu machen."

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Quelle: Reuters

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Über dieses Thema berichtete das ZDFsportstudio im Beitrag "FC Bayern lässt die Königlichen alt aussehen" am 08.04.2026 um 23:01 Uhr.
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