Vor Start in die Saison der 2. Liga:Wohin führt Herthas großer Ausverkauf?
von Florian Vonholdt
Hertha BSC veräußert in der Sommerpause sämtliche Leistungsträger, sorgt aber nicht für Ersatz. Richten soll es die Jugend und einer neuer Spielstil. Kann das gutgehen?
Mit der Partie beim VfL Bochum eröffnet Hertha BSC am Freitag die neue Saison in der 2. Liga. In der Sommerpause hat der Hauptstadtklub nahezu alle Leistungsträger abgegeben.
06.08.2026 | 0:56 minDie Sommerpause war kurz. Nur 19 Tage nach Abpfiff des WM-Finals eröffnen der VfL Bochum und Hertha BSC am Freitagabend (20:30 Uhr) die neue Saison in der 2. Bundesliga.
Die Gäste aus der Hauptstadt sind zum zweiten Mal in Folge Teil des Auftaktspiels. Vergangene Saison gastierten sie bei Bochums Nachbar Schalke und verloren beim späteren Meister mit 1:2.
Die als Meisterfavorit in die letzte Saison gegangene Hertha zog beim Auftaktspiel vor einem Jahr auf Schalke den Kürzeren.
04.08.2025 | 9:17 minHertha BSC: 13 Abgänge, aber nur ein Neuer
Diesmal wollen es die Berliner besser machen. Mit einer Mannschaft, die mit der letztjährigen nur noch wenig gemeinsam hat. Lediglich drei Profis aus der damaligen Startelf auf Schalke gehören noch zum Kader.
13 Abgängen steht nur ein Neuzugang gegenüber - Flügelspieler Oluwaseun Adewumi wurde vom FC Burnley ausgeliehen. Mit Kapitän Fabian Reese, Torwart Tjark Ernst, Spielgestalter Michael Cuisance und Top-Talent Kennet Eichhorn wurden nahezu alle Leistungsträger verkauft.
Nach dem Abstieg aus der Bundesliga muss das Saisonziel für den VfL Wolfsburg der Wiederaufstieg sein. Mehr als 20 Millionen hat der Klub für Neuzugänge ausgegeben.
06.08.2026 | 0:52 minKaum Spielraum trotz Millionen-Einnahmen
Das spülte über 25 Millionen Euro in die klammen Kassen. Nur Absteiger VfL Wolfsburg hat in Liga zwei bisher mehr Transfereinnahmen erzielt. Allein: Hertha kann diese nicht ohne Weiteres in neue Spieler reinvestieren.
Geschäftsführer Peter Görlich erklärte im RBB-Interview: "Wir sind in einer Konsolidierungsphase. Wir müssen Anleihen zurückzahlen. Es ist tatsächlich eine größere Transformation, die wir durchlaufen."
Berlin setzt voll auf den Nachwuchs
Altlasten der Windhorst-Ära engen Herthas finanziellen Spielraum weiterhin ein. "Es war ganz klar und sehr offen kommuniziert, dass wir Kaderkosten reduzieren und an der einen oder anderen Stelle Qualität verlieren werden", so der Klubchef.
Das bietet die Chance für den Nachwuchs, birgt aber auch ein Risiko. Görlich: "Wir haben total spannende Jungs hochgezogen, teilweise Jungs, die noch nie im Herrenbereich Fußball gespielt haben."
Geht für Hertha BSC doch noch etwas in Richtung Aufstiegsplätze? Die Berliner gewinnen bei Fortuna Düsseldorf mit 5:2 und bauen ihre kleine Erfolgsserie weiter aus.
23.03.2026 | 9:09 minWird der Berliner Spielstil attraktiver?
Gemeint sind Spieler wie Soufian Gouram (20), Niklas Hildebrandt (18) oder die beiden erst 17-jährigen Jerome Diallo und Mayson Grothe, die in der Vorbereitung kräftig mitmischten und sich nun Hoffnungen auf Spielzeit machen dürfen.
Jünger und auch wilder soll es in dieser Saison zugehen. Die Spielidee ist mutiger als in den drei vorherigen Zweitligajahren, in denen die Berliner oft enttäuschten und nur Neunter, Elfter und Siebter wurden. "Wir pressen höher. Wir haben viel höhere Intensität drin. Und das wollen wir auch in die Runde tragen", kündigt Görlich an.
Das Ziel lautet einstelliger Tabellenplatz
Vom Aufstieg redet daher im Berliner Westend fast niemand mehr. Paul Seguin ist da eine Ausnahme. "Wenn ich sagen würde, ich will nicht mit Hertha in die Bundesliga, würde ich lügen", erklärte der Mittelfeldmann, der neben Linus Gechter und hinter Josip Brekalo neuer Vize-Kapitän ist, im "Kicker".
Klubchef Görlich ordnet ein: "Wir haben ein ganz klares Ziel: Ein einstelliger Tabellenplatz mit einer maximalen Ambition nach vorne."
Hertha BSC bekommt einen empfindlichen Dämpfer im Kampf um den Aufstieg. Gegen Bochum führen die Berliner bis in die Nachspielzeit, doch der VfL schafft noch den Ausgleich.
16.03.2026 | 7:00 minTrainer Leitl fordert Verstärkung
Für diesen Anspruch fordert Trainer Stefan Leitl noch Verstärkung. Bis zum 1. September haben sie noch Zeit dafür, dann schließt das Transferfenster.
Nicht nur wegen der noch fehlenden Kaderbreite wird der Saisonstart herausfordernd, glaubt auch Sky-Experte Torsten Mattuschka: "Sie haben von den ersten sechs Spielen vier Auswärtsspiele. Da kann es schnell eklig werden."
Das ausgegebene Saisonziel erachtet der Ex-Profi als ambitioniert: "Wenn sie auf einen einstelligen Tabellenplatz kommen würden, wäre das schon ein Riesen-Erfolg." Es riecht nach einem klassischen Übergangsjahr an der Spree - das im besten Fall ohne Abstiegssorgen vonstatten geht.
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