Iran-Krieg:"Möglich, dass zwei Lager im Regime bestehen"
Angriffe auf Atomanlagen, die Ziele der USA - und ein gespaltenes iranisches Regime? Nahost-Experte Schindler ordnet die aktuellen Entwicklungen bei ZDFheute live ein.
Es könnte mittlerweile zwei Lager im iranischen Regime geben, so Hans-Jakob Schindler. Bei ZDFheute live ordnet er die aktuellen Entwicklungen im Iran-Krieg ein.
27.03.2026 | 12:18 minNach neuen Angriffen auf iranische Ziele und Berichten über mögliche Verhandlungen bleibt die Lage unübersichtlich. Ein Sicherheitsexperte ordnet im Interview mit ZDFheute live militärische und diplomatische Entwicklungen ein.
Sehen Sie oben das Interview in voller Länge oder lesen Sie es hier in Auszügen:
Wie sind die Angriffe auf Nuklearanlagen einzuordnen?
Einer der jüngsten Angriffe auf iranische Atomanlagen sei laut Nahost-Experte Hans-Jakob Schindler "ein klares Signal, dass man die Herstellung von angereichertem Uranium stören möchte". Es handelte sich dabei um eine sogenannte Konversionsanlage, die bei der Anreicherung von Iran "fundamental" sei. "Diese Anlage zu bombardieren, macht Sinn", erklärt Schindler, weil so der gesamte "Produktionsprozess von angereichertem Uranium in einem relativ frühen Stadium" gestört werde.
Der andere Angriff - rund um einen Schwerwasserreaktor - mache nach aktuellem Kenntnisstand "relativ wenig Sinn". Er spiele keine zentrale Rolle mehr für die militärischen Aspekte des iranischen Atomprogramms. "Mir ist nicht klar, warum Zeit und Energie verschwendet worden ist, diese Anlage anzugreifen."
Im Iran-Krieg hat Teheran einen weiteren Angriff auf die Atomanlage Natans gemeldet. Nach iranischen Angaben wurden bislang keine erhöhten Strahlungswerte festgestellt.
28.03.2026 | 1:26 minWas sind die Ziele der USA?
Die Kommunikation der US-Administration über die Kriegsziele ist laut Nahost-Experte Schindler weiterhin nicht eindeutig. Es sei aber "auch nicht das erste Mal, dass die US-Administration bei einem Thema über einen längeren Zeitraum hin verschiedene und verwirrende Dinge sagt", sagt Schindler.
Wenn man aber auf die Militäroperation schaut, dann sind die Ziele von Beginn weiter Teil des Programms. "Man dünnt die Führung des Regimes nachhaltig aus", erklärt er, "in der Hoffnung, dass sich Teile des Sicherheitsapparats möglicherweise auf die Seite der Opposition stellen". Außerdem greifen die USA weiterhin verstärkt alle Raketen- und Drohnenabschuss-Vorrichtungen an - und das Nuklearprogramm.
Die G7-Außenminister diskutieren über die US-Strategie im Nahen Osten. Bei dem Treffen geht es zudem um das transatlantische Verhältnis. ZDF-Korrespondentin Sonnewald berichtet.
28.03.2026 | 2:59 minWas ist über aktuelle Verhandlungen bekannt?
Mit Blick auf mögliche Verhandlungen zwischen den USA und Iran spricht der Experte von einem klassischen Auftakt mit weit auseinanderliegenden Positionen. Beide Seiten würden zunächst Maximalforderungen formulieren, "in der Hoffnung, dass man sich dann von beiden Seiten annähert". Interessant sei, dass es von den Revolutionsgarden in Iran weiterhin sehr deutliche Aussagen gebe, dass man solche Verhandlungen eigentlich nicht führe, sagt Schindler.
"Es ist möglich, dass im Regime jetzt zwei Lager bestehen." Zum einen die Revolutionsgarden, "die weiterkämpfen wollen". Sie gingen davon aus, dass die Kosten für die Weltwirtschaft durch die blockierte Straße von Hormus, die Angriffe auf die Region oder mögliche Anschläge hoch genug seien, um die USA zu einem Ende der Angriffe zu zwingen. Zum anderen ein Lager, das die Attacken auf Infrastruktur und Führungspersonal "langsam, aber sicher das Regime beginnen zu destabilisieren".
Welchen Plan hat Washington zur Beendigung des Iran-Krieges? Dazu höre man in den USA "eigentlich bisher nur Widersprüchliches", berichtet ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen.
25.03.2026 | 1:22 minWann könnte der Iran-Krieg enden?
US-Außenminister Marco Rubio hat von einem möglichen Kriegsende innerhalb von zwei bis vier Wochen gesprochen. Für Nahost-Experte Schindler hängt das stark von der Öffnung der Straße von Hormus ab. Sollte das gelingen, "dann ist dem Regime ein ganz wichtiges Druckmittel genommen".
Denn die Straße sei gerade ausschließlich für iranisches Öl geöffnet. Sollte das Öl wieder normal "fließen", dann hätten sich die Amerikaner weitere "Wochen gekauft, um dem Regime weiterhin militärischen Schaden zuzufügen, um die Führung weiterhin auszudünnen, um das Regime intern zu zerrütten."
Das Interview bei ZDFheute live führte Christian Hoch. Zusammengefasst haben es Caroline Kleine-Besten und Robert Meyer.