Nach Geiselhaft im Gazastreifen:Deutsch-Israeli Ben Ami mit Familie vereint
Emotionale Bilder aus Israel: Nach 16 Monaten Gefangenschaft im Gazastreifen kann Ohad Ben Ami seine Familie in die Arme schließen. Die Geiselhaft hat ihre Spuren hinterlassen.
Nach 16 Monaten der Geiselhaft im Gazastreifen findet Ohad Ben Ami tatsächlich die Kraft, seinen Töchtern entgegenzulaufen. Es ist ein Wiedersehen mit Lachen und Weinen im Ischilow-Krankenhaus in Tel Aviv. Sogar Witze macht Ben Ami, der neben der israelischen auch die deutsche Staatsangehörigkeit hat.
Die israelische Regierung veröffentlichte Aufnahmen von der Wiedervereinigung der Familie Ben Ami, die weit weg von den Augen der Öffentlichkeit und den Medien stattfand.
Ben Amis Körper ist von der Geiselhaft gezeichnet
"Papa, bist Du es wirklich?" fragt eine seiner Töchter und reißt die Augen weit auf. "Ich kann es nicht glauben, dass Du hier bist."
"Ja, ich bin da", antwortet Ben Ami und umarmt seine Liebsten, die voller Sorge auf ihn gewartet haben. "Habt Ihr gesehen? Ich bin als XXL gegangen und komme als Medium zurück", scherzt er und macht sich aus der kollektiven Familienumarmung frei, um seinen abgemagerten Bauch und seinen von der Geiselhaft gezeichneten Körper vorzuführen.
Zwei weitere Geiseln kamen ebenso frei
Die Aufnahmen stehen in starkem Kontrast zu den Bildern vom Vormittag in Deir el-Balach im Zentrum des Gazastreifens. Dort wurde der Deutsch-Israeli von Kämpfern der islamistischen Hamas auf einer Bühne vorgeführt, das Gesicht ernst und abgemagert, mit kurzem, weißem Bart.
An seiner Seite zwei weitere Geiseln, genauso blass wie er: Eli Scharabi, 52 Jahre alt, und Or Levy, 34 Jahre alt. Alle drei kamen im Zuge eines weiteren Gefangenenaustauschs zwischen Israel und der Hamas frei.
Dass die "Waffenruhe fortgesetzt wird", erhoffen sich viele vom Treffen Trumps mit Netanjahu. Die "große Sorge" sei eine "Sabotage" durch Druck des Koalitionspartners, so ZDF-Korrespondent Thomas Reichart.
04.02.2025 | 2:37 minBen Ami will "viele, viele Antworten"
Seines T-Shirts mit der Aufschrift "Gefangener der Hamas" entledigt und frisch rasiert, tritt er mit einem entzückten und ungläubigen Lächeln in den Saal, in dem ihn seine drei Töchter und seine Mutter erwarten. Sie lachen und weinen, und in dem Getümmel ertönt ein "Was für ein schöner Junge Du bist!".
Ben Ami erzählt von "dem Tunnel", in dem er eingesperrt war. "Es sind so viele Dinge offen und ich brauche Antworten. Viele, viele Antworten. Und ich weiß, dass einige sehr schwer zu hören sein werden", aber "ich muss wissen, was an jenem Tag passiert ist", sagt Ben Ami über den 7. Oktober 2023, als die Hamas ihren beispiellosen Großangriff auf Israel verübte.
Gesundheitszustand Ben Amis laut Krankenhaus schlecht
Auch körperlich muss Ben Ami sich anstrengen, um wieder richtig fit zu werden. "Ohad ist in einem schlimmen Ernährungszustand zurückgekommen und hat erheblich an Gewicht verloren", aber "sein Geist hat sich als widerstandsfähig erwiesen", sagt Gil Fire, der stellvertretende Leiter des Ischilow-Krankenhauses, nach einer ersten Untersuchung.
Ben Ami und seine Frau Raz waren bei dem Überfall der Hamas auf Israel vor 16 Monaten beide aus ihrem Haus im Kibbuz Beeri in der Nähe des Gazastreifens entführt worden. Zwei ihrer Töchter, die an dem Tag bei ihnen waren, überlebten den Angriff, ohne entführt zu werden. Raz kam am 29. November 2023 während der ersten Waffenruhe frei und kehrte nach Israel zurück.