Krieg im Süden des Libanon:Israel weitet Bodenoffensive jenseits der "gelben Linie" aus
Nach erneuten Drohnenangriffen erhöht Ministerpräsident Netanjahu den Druck auf die Hisbollah: Israels Armee weitet die Bodenoffensive im Südlibanon über die "gelbe Linie" aus.
Eigentlich gilt zwischen Israel und dem Libanon eine Feuerpause. Doch die israelische Armee liefert sich immer wieder Gefechte mit der Hisbollah.
26.05.2026 | 1:44 minIsrael weitet seinen Militäreinsatz im Süden des Libanon aus. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu teilte an diesem Dienstag mit, Israel vertiefe seine Vorstöße im Nachbarland. Netanjahu bekräftigte das Ziel, mit der Ausweitung des Militäreinsatzes den Druck auf die von Iran unterstützte Hisbollah-Miliz weiter zu erhöhen.
Die israelischen Streitkräfte seien "gezielt jenseits der ersten Verteidigungslinie im Einsatz, um direkte Bedrohungen für die Bürger des Staates Israel und die israelischen Soldaten zu beseitigen", sagte ein Armeevertreter. Gemeint ist mit der "gelben Linie" die Abgrenzung zu einer Art Pufferzone im Süden des Libanon, die rund zehn Kilometer hinter der Grenze liegt.
Diese sogenannte Gelbe Linie hatte Israel selbst nach einer Feuerpause mit der radikal-islamischen Hisbollah-Miliz im April gezogen.
Die israelische Armee ist über die Sicherheitszone im Süden des Libanons vorgerückt.
Quelle: ZDFHisbollah hatte Drohnenangriffe ausgeweitet
Die Hisbollah hatte in den vergangenen Tagen ihre Drohnenangriffe auf Israel ausgeweitet. Laut Armeeangaben wurden mehrere Sprengstoffdrohnen abgefangen oder gingen im Grenzgebiet nieder. Verletzte gab es nicht.
Netanjahu wies die Armee daraufhin zu einer Verstärkung ihres Vorgehens an, um die Miliz zu "zerschlagen". Er erklärte, die israelische Armee sei "mit erheblichen Kräften vor Ort im Einsatz und sichert strategisch wichtige Positionen".
Mit ihren Angriffen auf die libanesische Hisbollah möchte Israel Fakten schaffen – bevor die USA und der Iran eine Waffenruhe vereinbaren, sagt Nahost-Experte Daniel Gerlach.
26.05.2026 | 5:44 minNeue Angriffe in Nabatije
Neue israelische Angriffe gab es nach Angaben eines AFP-Korrespondenten in Nabatije. Die Nachrichtenagentur ANI berichtete, dass einer der Angriffe die Umgebung eines öffentlichen Krankenhauses getroffen habe. Dabei seien "erhebliche Schäden" verursacht worden.
Am Morgen hatte die israelische Armee erstmals eine Evakuierungsaufforderung für die Bewohner der Stadt ausgegeben. Bislang hatte die Armee zumeist Gebiete südlich des Litani-Flusses evakuieren lassen; Nabatije liegt dagegen nördlich davon. Bereits nach Beginn der neuen Kämpfe zwischen der Hisbollah und der israelischen Armee im Zuge des Iran-Krieges hatten viele Einwohner Nabatije verlassen.
Israel und der Libanon haben sich auf eine Verlängerung der Waffenruhe verständigt. Doch schon heute gab es erneut Angriffe, auch auf die Pufferzone im Süden des Libanons.
16.05.2026 | 1:28 minDarüber hinaus wurden mehrere Orte in der Region Tyros im Süden des Libanon angegriffen. Bei israelischen Luftangriffen in Srifa wurde mindestens eine Rettungskraft der Amal-Bewegung getötet.
Im Osten des Landes erließ die israelische Armee Evakuierungsaufforderungen für die Orte Maschghara und Sohmor. Dort wurde zudem die Umgebung des Karaun-Staudamms ins Visier genommen. Am Vortag waren in dieser Region elf Menschen getötet worden.
Hisbollah lehnt Waffenruhe ab
Die israelische Armee gab die Zahl der über Nacht beschossenen Ziele mit mehr als hundert an. Die Hisbollah meldete ihrerseits, dass die "direkten" Kämpfe gegen israelische Soldaten in der Nähe von Nabatije weitergingen.
Die Hisbollah, deren erklärtes Ziel die Vernichtung Israels ist, hatte den Libanon Anfang März mit ihren Angriffen auf Israel in den Iran-Krieg hineingezogen. Sie lehnt direkte Gespräche zwischen der libanesischen Regierung und Israel ab. Auch der Feuerpause hat die Hisbollah nicht formell zugestimmt; sie gilt aber dennoch, wird jedoch von beiden Seiten immer wieder verletzt.